Politik

Saudis und VAE weisen Biden-Anrufe ab und sprechen stattdessen mit Putin

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich letzte Woche geweigert, mit US-Präsident Biden zu telefonieren, und sprachen stattdessen mit Putin.
09.03.2022 13:00
Aktualisiert: 09.03.2022 13:01
Lesezeit: 2 min

Große Teile der Welt zeigen wenig Interesse daran, sich an den westlichen Sanktionen gegen Russland zu beteiligen. Die Liste der "Sanktionsverweigerer" besteht im Wesentlichen aus all jenen Staaten, die gerade von Russland nicht auf die Liste "unfreundlicher Länder" gesetzt wurden. Deutschland steht ebenso auf der russischen Liste der "unfreundlichen Länder" wie alle anderen EU-Staaten und die USA.

Nicht auf der russischen Liste stehen hingegen wichtige Staaten wie China, Indien, Brasilien, Mexiko und sogar das Nato-Mitglied Türkei, da sie bisher allesamt Sanktionen gegen Russland vermieden haben. Auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate betrachtet Russland nicht als "unfreundliche Länder".

Doch mit der verweigerten Teilnahme an den westlichen Sanktionen gegen Russland ist es offenbar nicht genug. Nun wollen die Führer von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate nicht einmal mehr mit US-Präsident Joe Biden telefonieren, wie das Wall Street Journal am Dienstag berichtete.

Telefonate mit Biden abgelehnt

Dem Bericht zufolge hat das Weiße Haus erfolglos versucht, Gespräche zwischen Präsident Biden und den De-facto-Führern von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu arrangieren. Hintergrund ist, dass die USA daran arbeiten, internationale Unterstützung für die Ukraine aufzubauen und den Anstieg der Ölpreise einzudämmen, so Beamte aus dem Nahen Osten und den USA.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und Scheich Mohammed bin Zayed al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten lehnten in den letzten Wochen beide Anfragen der USA ab, mit Biden zu sprechen, so die Beamten, da saudische und emiratische Beamte in den letzten Wochen ihre Kritik an der amerikanischen Politik in der Golfregion lauter geäußert haben.

Die Saudis haben signalisiert, dass sich ihre Beziehungen zu Washington unter der Regierung Biden verschlechtert haben. Sie wünschen sich mehr Unterstützung im jemenitischen Bürgerkrieg, Hilfe für ihr eigenes ziviles Atomprogramm, während das iranische voranschreitet, und rechtliche Immunität für Kronprinz Mohammed in den USA, der dort mehrfach verklagt worden ist, unter anderem wegen der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018.

Das Weiße Haus brauchen Saudi-Arabien und die Emirate auf ihrer Seite, da die Ölpreise zum ersten Mal seit fast 14 Jahren wieder über 130 Dollar pro Barrel gestiegen sind. Die beiden Staaten sind die einzigen beiden Ölproduzenten, die Millionen von Barrel Öl mehr pumpen können, um den Rohölmarkt wieder zu beruhigen.

Die Saudis und die Emirate haben es aber bisher abgelehnt, mehr Öl zu pumpen, da sie sich an einen Produktionsplan halten, der zwischen der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und einer von Russland angeführten Gruppe von Produzenten vereinbart wurde. Das Energiebündnis mit Russland, einem der größten Ölproduzenten der Welt, hat die Macht der OPEC gestärkt und gleichzeitig die Saudis und Emirate näher an Moskau herangeführt.

Telefonate mit Putin

Nachdem Prinz Mohammed und Scheich Mohammed Telefonate mit US-Präsident Biden abgelehnt hatten, haben sie letzte Woche beide mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Später sprachen beide auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, und ein saudischer Beamter sagte, die USA hätten Prinz Mohammed gebeten, in dem Konflikt zu vermitteln, was das Königreich auch tue.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten enge Beziehungen zum früheren US-Präsidenten Donald Trump geknüpft, der sich in einem regionalen Streit mit Katar auf ihre Seite geschlagen hatte, der die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran herauszog, der im Jahr 2017 seine erste Auslandsreise nach Riad unternommen hatte und Prinz Mohammed nach der Ermordung von Khashoggi zur Seite stand.

Doch Trumps Entscheidung, nicht militärisch auf einen iranischen Drohnen- und Raketenangriff auf wichtige saudische Ölanlagen im Jahr 2019 zu reagieren, verunsicherte die Partner am Golf, die sich seit Jahrzehnten auf das Versprechen des US-Sicherheitsschutzes verlassen haben. Der Iran bestritt eine Beteiligung an den Angriffen auf die Ölanlagen.

Das Zerwürfnis zwischen Biden und dem saudischen Kronprinzen Mohammed reicht bis 2019 zurück, als der demokratische Kandidat bei einer Fernsehdebatte zur US-Präsidentschaftswahl versprach, das Königreich als "Paria"-Staat zu behandeln, nachdem ein saudisches Killerkommando 2018 den Journalisten Khashoggi in Istanbul getötet hatte.

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