Wirtschaft

Inflations-Unruhen und Weizenpreis-Schock: Trifft die DWN-Prognose vom 18. Dezember 2021 ein?

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten hatten im Dezember 2021 frühzeitig vor einer Lebensmittel-Inflation gewarnt. Maßgeblich für diese Prognose war der „Food Price Index“ der UN und der Hinweis auf einen möglichen Weizenpreis-Schock. Kommt es im Jahr 2022 zu weltweiten Inflations-Unruhen?
18.03.2022 17:40
Lesezeit: 2 min

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten hatten am 18. Dezember 2021 in einem Artikel mit dem Titel „Risikoanalyse: Große Inflations-Unruhen beginnen im Jahr 2022“ prognostiziert, dass der „Food Price Index“ der UN (FAO Food Price Index) stetig ansteigt, was die Gefahr von weltweiten Unruhen in sich birgt. „Das Augenmerk ist separat auch auf die Weizenpreise zu richten. Im November 2016 lag der Weizenpreis pro Tonne bei 113.28 Euro. Im April 2021 kostete eine Tonne Weizen 165.43 Euro. Anschließend stieg der Weizenpreis bis zum November 2021 auf 277.77 Euro pro Tonne. Dieser Trend hält an und wird sich verschärfen. Die wichtigsten Exportländer von Weizen nach Ausfuhrwert waren im Jahr 2020 Russland (17,7 Prozent Weltmarktanteil), die USA (14,1 Prozent Weltmarktanteil), Kanada (14,1 Prozent Weltmarktanteil), Frankreich (10,1 Prozent Weltmarktanteil) und die Ukraine (8,0 Prozent Weltmarktanteil)“, heißt es in dem Bericht.

Angesichts des Kriegs in der Ukraine reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Die für die Welternährung wichtigen Weizenausfuhren aus der Ukraine und Russland über das Schwarze Meer sind nach Angaben des größten deutschen Agrarhändlers Baywa weitgehend zum Erliegen gekommen. „Aus den Häfen der Ukraine wird derzeit null exportiert, da verlässt gar nichts das Land“, sagte Jörg-Simon Immerz, Leiter des Getreidehandels bei dem Münchner Unternehmen, der Deutschen Presse-Agentur. „Auf der russischen Seite gibt es zwar Exporttätigkeit, aber sehr eingeschränkt.“ Der Schwarzmeermarkt mit Weizen aus Russland und der Ukraine decke etwa 30 Prozent der weltweiten Nachfrage ab.

Meldungen von einem drohenden Exportstopp für russisches Getreide hatten zuletzt Aufsehen erregt. Gravierender sind laut Baywa die direkten Auswirkungen der russischen Invasion auf die Landwirtschaft in der Ukraine.

Russland sei einer der Hauptproduzenten von Weizen und relevant für die Versorgung der Welt. „Genauso ist es aber die Ukraine, in einer ganz ähnlichen Liga“, sagte Immerz. „Russland produziert an die 80 Millionen Tonnen Weizen im Jahr und exportiert davon an die 30 Millionen Tonnen. Die Ukraine exportiert etwa 20 bis 25 Millionen Tonnen im Jahr.“ Relevant für den Handel seien vor allem diese Exportmengen. „Deswegen schaut der komplette Markt sehr viel stärker auf die Ukraine als auf Russland.“

So fragen sich die Fachleute, ob und wie Landwirtschaft in der Ukraine in diesem Jahr unter Kriegsbedingungen möglich sein wird. „In der Ukraine ist die Produktion sehr viel stärker im Risiko“, sagte der Baywa-Manager. „Der Weizen wurde im Herbst gesät und müsste jetzt gedüngt werden. Der Mais ist noch nicht mal gesät, und wenn der nicht gesät werden kann, gibt es natürlich auch keine Ernte.“

Wegen des Krieges sind die Getreidepreise in den vergangenen Wochen bereits weltweit gestiegen. Dass in der EU Weizen zur Mangelware wird, ist nach Baywa-Einschätzung nicht zu befürchten, da auch in der EU sehr viel mehr Weizen geerntet als verbraucht wird. „Die EU exportiert jährlich etwa 30 Millionen Tonnen Weizen, auch Deutschland ist in normalen Jahre Exporteur“, sagte Immerz. Doch gilt das nicht für alle Getreidesorten. „Auf Importe angewiesen sind wir beim Mais.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Berkshire Hathaway-Aktie: Was sich unter Greg Abel im Portfolio ändern könnte
01.05.2026

Berkshire Hathaway steht vor einer Jahreshauptversammlung, die Anlegern erstmals klare Hinweise auf den Kurs unter Greg Abel geben dürfte....

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Energyfische im Rhein: Wie Schwarmkraftwerke von Energyminer Strom in Flüssen produzieren
01.05.2026

Unsichtbar unter der Wasseroberfläche könnten Energyfische eine neue Ära der Stromerzeugung einläuten. Das Konzept der...

DWN
Politik
Politik Historikerin Anne Applebaum warnt vor Trump: Europa muss eigenständiger werden
01.05.2026

Die Historikerin und Autorin Anne Applebaum warnt vor neuen Manipulationsversuchen Donald Trumps bei den kommenden US-Wahlen und vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Effizienz in der Fertigung: Wie Unternehmen Produktionskosten senken
01.05.2026

Produktionskosten entscheiden in der Industrie zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit und Margen. Doch wie können Unternehmen mithilfe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Die Infrastruktur-Falle: Wenn der Standort Deutschland zum Geschäftsrisiko wird
01.05.2026

Deutschlands industrielle Basis verliert ihre Verlässlichkeit. Was jahrzehntelang als staatliche Standortgarantie galt – stabile Energie...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 18: Die wichtigsten Analysen der Woche
01.05.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 18 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Immobilien
Immobilien 95 Jahre Empire State Building: Eine Ikone feiert Jubiläum
01.05.2026

Seit Jahrzehnten prägt das Empire State Building die Skyline von New York. Millionen Besucher strömen jedes Jahr dorthin. Zum 95....

DWN
Politik
Politik Tankrabatt startet am 1. Mai: Das sparen Autofahrer wirklich
01.05.2026

Am 1. Mai sinken die Steuern auf Benzin und Diesel. Dann gilt der Tankrabatt, mit dem die Bundesregierung die Steuern auf Kraftstoffe...