Technologie
Anzeige

Energiewende: Ohne Atomkraft wird sie nicht gelingen

Die globale Energiewende wird eine umfassende Renaissance der Kernkraft auslösen.
08.05.2022 09:00
Lesezeit: 3 min

Wenn man sich den Beitrag der verschiedenen Energieträger zum weltweiten Energiekonsum anschaut, so muss man – zumindest aus globaler Sicht – konstatieren, dass die Energiewende äußerst schleppend verläuft.

Der Anteil erneuerbarer Energien am weltweiten Energiekonsum (hier ist nicht nur Strom, sondern auch Heizung und Mobilität enthalten) beträgt stand heute gerade einmal fünf Prozent. Auch Deutschland als vermeintliches Vorreiterland liegt hier nur bei circa acht Prozent. Zwar machen Erneuerbare hierzulande rund 40 Prozent der Stromerzeugung aus, aber Strom entspricht nur einem Fünftel des Energieverbrauchs.

Ein genauerer Blick auf die Fakten: Im „Statistical Review of World Energy 2020“ wird die Zusammenstellung des weltweiten Energiekonsums dargestellt. Der Anteil der konventionellen Energieträger Kohle, Erdöl und Gas betrug 84,3 Prozent, aus der Wasserkraft kamen 6,4 Prozent, sonstige erneuerbaren Energien lieferten fünf Prozent und die Kernenergie 4,3 Prozent.

Wenn es die Industrie-Nationen mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen ernst meinen, dann muss ein erheblicher Teil des globalen Energiebedarfs (der mit steigender Weltbevölkerung und einer wachsenden Weltwirtschaft immer größer wird) perspektivisch aus anderen Quellen kommen - und zwar CO2-neutralen Quellen.

Die Renaissance der Atomkraft

Die sich infolge des Ukraine-Krieges verhärteten Fronten zwischen Russland und dem Westen werden diesen Trend tendenziell beschleunigen. Russland ist nicht nur Europas wichtigster Lieferant für Öl und Gas, sondern auch ein bedeutender Exporteur von Kohle.

In Deutschland ist der Kohleausstieg schon in vollem Gange, und in den USA läuft gerade der rund zwei Billionen Dollar teure „New Green Deal“ der Biden-Regierung an, welcher ähnliche Ziele verfolgt.

Solar- und Windenergie sind in aller Munde, aber die Problematik der unstetigen Stromerzeugung (Stichwort: Dunkelflaute) ist weiterhin ungelöst und kann aufgrund des Mangels an skalierbaren Speicher-Technologien nur indirekt über Reserve-Kapazitäten adressiert werden. Und Wasserstoff ist ein vollkommen überhypter Energiespeicher, der aufgrund seiner hochgradigen Ineffizienz keinen nennenswerten Beitrag zur Energiewende leisten kann.

Aus diesem Grund benötigt fast der gesamte Pool an Erneuerbaren eine hundertprozentige Abdeckung durch Backup-Kapazitäten, die natürlich bevorzugt keine Kohlendioxid-Emissionen verursachen sollten. Ein weiteres Problem ist die relativ geringe Energiedichte der wichtigsten erneuerbaren Energieträger. Solarpanels und Windräder beanspruchen zu viel Platz für ihren relativ geringen Output.

Atomkraft produziert genau wie Sonnen- und Windenergie – bezogen auf die reinen Grenzkosten – günstigen CO2-neutralen Strom, ist aber im Gegensatz zu den Erneuerbaren eine beständige und verlässliche Energiequelle, die je nach Bedarf relativ einfach hoch- und runtergeschaltet werden kann. Der Anteil von Kernkraft am Energiemix dürfte dabei in den nächsten Jahrzehnten erheblich wachsen. Die zukünftige Energielücke muss im Prinzip teilweise durch Atomkraft gefüllt werden, weil erneuerbare Energien schlichtweg keine Versorgungssicherheit gewährleisten können. Zu unbeständig und in Teilen auch zu uneffektiv sind Solar- und Windenergie.

Atomkraft spart russische Rohstoffe

Zugleich ist die Energiedichte von Atomkraft grob fünfhundert mal so hoch. Das heißt, Kernreaktoren benötigen im Vergleich zu Solaranlagen und Windparks grob ein Fünfhundertstel der Fläche, um dieselbe Energiemenge zu liefern. Der Platzbedarf von AKWs ist relativ zur gelieferten Leistung den Windparks und Solaranlagen haushoch überlegen. Ein einzelnes AKW bietet so viel Leistung pro Fläche wie Dutzende Anlagen erneuerbarer Energien.

Und dieser Umstand könnte gerade heute zum entscheidenden Argument pro Kernkraft werden. Russland ist beispielsweise der zweitwichtigste Exporteur von Aluminium, welches tonnenweise in Windrädern verbaut wird. Für den Bau von Elektroautos in großen Mengen nötiges Nickel könnte indes bei einer Verschärfung des Ukraine-Kriegs knapp werden, denn Russland steht für rund 15 Prozent der globalen Nickel-Versorgung.

...


DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DGB-Studie: Chinesische Investoren auf Rückzug in Europa
03.04.2025

Eine Analyse der SPD-nahen Hans-Böckler-Stiftung vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) analysiert, dass die Firmen-Mitbestimmung nach...

DWN
Panorama
Panorama Marode Infrastruktur: Deutschlands bröckelnde Brücken - Geld allein reicht nicht
03.04.2025

500 Milliarden aus dem Schuldenpaket von Union und SPD sollen in die marode Infrastruktur fließen: Brücken, Schienen und Straßen – oft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trump-Zölle könnten Preiskarussell, Zinserhöhungen und Insolvenzen anheizen - die EU bereitet sich vor
02.04.2025

Die Regierungen weltweit bereiten sich auf die massive Einführung von Zöllen durch US-Präsident Donald Trump vor, die, so sein Plan,...

DWN
Finanzen
Finanzen Tesla-Aktie stürzt ab: Miese Tesla-Auslieferungen belasten - was das für Anleger bedeutet
02.04.2025

Die weltweiten Auslieferungen des US-Autobauers Tesla sind im vergangenen Quartal um 13 Prozent auf 336.681 Fahrzeuge zurückgegangen....

DWN
Panorama
Panorama Polizei: Kriminalstatistik 2024 zeigt Ausländeranteil bei Gewaltdelikten in Deutschland steigt deutlich
02.04.2025

Die Kriminalstatistik der Polizei offenbart ein besorgniserregendes Bild: Die Zahl der erfassten Gewalttaten ist 2024 um 1,5 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz erwägt Ausstieg aus dem Billigsegment in den USA aufgrund von Trump-Zöllen
02.04.2025

Die Mercedes-Benz Group prüft derzeit, ob sie ihre günstigsten Fahrzeugmodelle in den USA aus dem Sortiment nimmt. Hintergrund sind die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Volatile Märkte vor Trumps Zollerklärung
02.04.2025

Die US-Börsen dürften überwiegend mit Verlusten in den Mittwochshandel starten, vorbörslich stecken die Technologieindizes an der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DWS-Aktie unter Druck: Deutsche-Bank-Tochter muss Millionenstrafe wegen Greenwashing zahlen
02.04.2025

Die DWS, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, wurde in Deutschland zu einer Millionenstrafe wegen "Greenwashing"-Vorwürfen...