Finanzen

Türkei verzeichnet galoppierende Inflation

Die ohnehin schon hohe Teuerung in der Türkei nimmt weiter an Fahrt auf.
04.04.2022 10:59
Lesezeit: 1 min
Türkei verzeichnet galoppierende Inflation
Ein Angestellter säbelt Fleisch für einen Döner in einem Restaurant in Beyoglu im Zentrum von Westistanbul. (Foto: dpa) Foto: Hakan Akgun

Die türkischen Verbraucherpreise sind im März so stark gestiegen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Sie legten um 61,14 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistikamt am Montag mitteilte. Im Februar lag die Inflation auf Jahressicht noch bei rund 54 Prozent. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise im März um 5,46 Prozent.

Besonders hoch ist die Inflation beim Transport (rund 100 Prozent im Jahresvergleich), aber auch Lebensmittel verteuerten sich weiter. Die Erzeugerpreise legten im März laut der Statistikbehörde sogar um rund 115 Prozent im Jahresvergleich zu.

Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflationsrate auch am Jahresende noch bei mehr als 50 Prozent stehen wird - nicht zuletzt infolge der nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine stark gestiegenen Energiepreise. Beispielsweise sind Russland und die Ukraine wichtige Lieferanten für Getreide und Sonnenblumenöl. Besonders das Speiseöl hatte sich in der Türkei zuletzt stark verteuert. Zum April wurde die Mehrwertsteuer auf einige Produkte wie Hygieneartikel gesenkt.

Die türkische Zentralbank strebt eigentlich eine Teuerungsrate von fünf Prozent an, wird dieses Ziel nach eigenen Prognose aber auch im kommenden Jahr noch deutlich verfehlten: Dann soll das Plus bei durchschnittlich 8,2 Prozent liegen. Die Inflation lag in den vergangenen fünf Jahren meist im zweistelligen Bereich, was an den Einkommen und Ersparnissen der Türken zehrt.

Experten geben der Notenbank eine Mitschuld an der Entwicklung. Sie hat trotz der drastischen Abwertung der Landeswährung Lira ihren Leitzins in der zweiten Jahreshälfte 2021 schrittweise von 19,0 auf 14,0 Prozent gesenkt. Dabei müsste sie nach Einschätzung der meisten Ökonomen das Gegenteil tun, nämlich mit höheren Zinsen die eigene Währung attraktiver machen.

Die Lira hat im vergangenen Jahr etwa die Hälfte ihres Wertes zum Dollar eingebüßt, was wiederum die Inflation befeuert. Denn das vergleichsweise rohstoffarme Land importiert mehr Waren als es exportiert. Die Einfuhren werden oftmals in Dollar und anderen Devisen abgerechnet. Präsident Recep Tayyip Erdogan vertritt seit langem die unübliche Ansicht, dass die Zinsen die Inflation verursachen. Er hat im vergangenen Jahr ein neues Wirtschaftsprogramm aufgelegt, das niedrigen Zinsen, Exporten, Krediten und Investitionen Vorrang einräumt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globale Schifffahrt vor dem Bruch: Die Regeln des Welthandels zerfallen
01.10.2026

Die Weltwirtschaft verlässt sich darauf, dass Handelsschiffe frei fahren können und auf den Weltmeeren gemeinsame Regeln gelten. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nvidia-Aktie: Wie gefährlich ist Nvidias Finanzmaschine?
01.10.2026

Nvidia verdient Milliarden mit dem KI-Boom und steckt immer größere Summen zurück in genau jenes System, das diese Gewinne erzeugt....

DWN
Technologie
Technologie KI-Nutzung: Deutschlands Beschäftigte setzen auf KI – und fürchten um ihre Zukunft
01.10.2026

Deutschland gehört beim Einsatz von KI-Agenten zur weltweiten Spitzengruppe. Die Technologie ist in vielen Büros angekommen und prägt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt senkt Benzinpreise und Dieselpreise zum Start deutlich
01.10.2026

Sinkende Spritpreise bringen Autofahrern zum Auftakt des Tankrabatts Entlastung. Besonders bei Super E10 zeigen sich vielerorts günstigere...

DWN
Finanzen
Finanzen Teure Autos, teure Reparaturen: Neue Typklassen in der Kfz-Versicherung
01.10.2026

Bei teuren Autos kosten auch die Reparaturen mehr. Das spiegelt sich in den Typklassen wider. Am günstigsten sind historische Kleinwagen,...

DWN
Technologie
Technologie Er war Spitzenmanager bei der NATO, jetzt hat er zehn Milliarden Euro für eine entscheidende Aufgabe bekommen
01.10.2026

Europa besitzt nur einen Bruchteil der weltweiten KI-Rechenleistung und liegt bei führenden Modellen weit hinter den USA und China. Nun...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet September uneinheitlich
30.09.2026

Ein turbulenter Monat geht zu Ende – erfahren Sie, welche Dynamiken jetzt die Kurse an der Wall Street bestimmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
30.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...