Politik

"Historischster Wendepunkt" für die Sicherheit Europas: US-General will mehr dauerhafte Militärbasen in Osteuropa

Laut US-Stabschef Milley haben sich vor allem Litauen, Lettland, Estland, Polen und Rumänien "sehr, sehr gewillt" gezeigt.
Autor
08.04.2022 09:00
Lesezeit: 2 min
"Historischster Wendepunkt" für die Sicherheit Europas: US-General will mehr dauerhafte Militärbasen in Osteuropa
Bereits seit der russischen Annexion der Krim 2014 wird die Präsenz US-amerikanischer Truppen in Osteuropa, wo man sich zunehmend über potenzielle russische Übergriffe besorgt zeigt, verstärkt ausgebaut. (Foto: dpa)

US-Generalstabschef Mark Milley sprach sich vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses für den Bau neuer, dauerhafter amerikanischer Stützpunkte in Osteuropa aus. Diese sollten eine abschreckende Wirkung auf Russland ausüben. Den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bezeichnete Milley als "historischsten Wendepunkt" für die Sicherheit Europas seit dem zweiten Weltkrieg.

Zuvor hatte Tod Wolters, NATO-Oberbefehlshaber und Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, den Senatoren mitgeteilt, dass die USA vermutlich mehr Truppen in Europa stationieren müssten. Derzeit befinden sich laut Angaben des Pentagons etwa 102.000 US-amerikanische Soldaten in der EU – mehr als doppelt so viele wie vor der russischen Invasion der Ukraine.

Osteuropäische EU-Mitgliedstaaten baten um erhöhte Militärpräsenz der USA

Um eine Intensivierung der Präsenz des US-Militärs in Europa haben laut Milley dabei wohl vor allem Länder aus dem Ost- und Mitteleuropa gebeten. So hätten sich vor allem Litauen, Lettland, Estland, Polen und Rumänien "sehr, sehr gewillt" gezeigt. Zudem erklärte Milley, dass "Präsenz immer eine gute Abschreckung" gegen feindliche Aggressionen darstelle.

Der US-Generalstabschef betonte jedoch auch, dass es ihm dabei dezidiert nicht um eine permanente Stationierung der Truppen gehe. Viel eher ginge es um permanente Militärbasen, deren Besatzungen jedoch rotieren sollten: "Man erhält die effektive, permanente Präsenz von Streitkräften, aber der einzelne Soldat, Matrose, Flieger oder Marinesoldat ist dort nicht dauerhaft für zwei oder drei Jahre stationiert."

Krieg in der Ukraine dürfte sich noch über Jahre hinziehen

Der Einsatz von Rotationsstreitkräften, so Milley, spare Steuergelder, sei für die Soldaten und deren Familien einfacher und erfordere schließlich keine Großinvestitionen in dauerhafte Familienumzüge, sowie Gastronomien und Einkaufsmöglichkeiten vor Ort erfordern würden. Auch in Südkorea sowie im nahen Osten hätte man bereits auf Rotationstruppen gesetzt.

Von endgültigen Entscheidungen wollte Milley bislang jedoch nicht sprechen. Dahingegen zeigte er sich überzeugt, dass es sich bei dem von Russland begonnenen Krieg in der Ukraine um einen "sehr langwierigen Konflikt" handle, der sich noch über Jahre hinziehen dürfte und die "größte Bedrohung für Sicherheit und Frieden Europas" seiner ganzen Dienstzeit darstelle.

Milley: USA befinden sich an historischem und geostrategischem Wendepunkt

Dementsprechend sei auch damit zu rechnen, dass "die NATO, die Vereinigten Staaten, die Ukraine und alle Verbündeten und Partner, welche die Ukraine unterstützen, noch eine ganze Weile in diesen Konflikt verwickelt sein werden." Auch die USA befänden sich laut Milley schließlich "an einem sehr bedeutenden historischen und geostrategischen Wendepunkt".

Die Vereinigten Staaten müssten nun "eine klare Strategie" verfolgen, um Frieden zu wahren und gleichsam Stärke gegenüber Russland und China zu demonstrieren. Auf diese Situation müsse das US-Militär reagieren, indem es einerseits die Modernisierung der Streitkräfte vorantreibe und andererseits im Hier und Jetzt Bereitschaft an den Tag lege.

Trotz Russlands "schrecklichen Angriffs auf die Institutionen der Freiheit", hält es Milley jedoch für ermutigend, zu sehen, "dass sich die Welt zusammenfindet und dem Krieg in Europa ein 'Nie wieder' entgegensetzt."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Dürre in Europa: Bauern fürchten um ihre Ernten – drohen höhere Lebensmittelpreise?
08.08.2026

Hitze, Trockenheit und ausbleibender Regen setzen Europas Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Während Bauern mit schwächeren Ernten und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energieriese warnt vor Wasserstoff-Kollaps
08.08.2026

Milliardenhilfen aus der EU und Deutschland sollen Dänemarks Wasserstoffindustrie anschieben. Doch fehlende Klarheit über Stromnetz und...

DWN
Politik
Politik Mobilisierung in Russland könnte Putins größtes innenpolitisches Risiko werden
08.08.2026

Russland gehen die Freiwilligen für den Ukrainekrieg aus, doch eine neue Mobilisierung könnte für den Kreml selbst zur Gefahr werden....

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
08.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Tod, das Erbe und das Geld: Fragen, die Sie sich bisher nicht zu stellen getraut haben
08.08.2026

Wie sollte man eigentlich über Erbschaft und Testament nachdenken? Und warum fällt es so schwer, über Geld und den Tod zu sprechen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
08.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Politik
Politik 65 Jahre Mauerbau: Warum die deutsche Teilung bis heute nachwirkt
08.08.2026

Die Berliner Mauer ist Geschichte, ihre Spuren sind es nicht. Jahrzehnte nach ihrem Fall zeigen sich zwischen Ost und West weiterhin...

DWN
Politik
Politik Europa ist führend bei kommerziellen Klimakonzepten: Warum gelingt es nicht, diese umzusetzen?
08.08.2026

Europa hat Spitzenforscher, starke Unternehmen und viele der Technologien, die die Industrie klimafreundlicher machen könnten. Doch...