Deutschland

Geldregen: Europäische Investoren setzen auf deutsche Start-ups

Wachstumsfirmen aus Deutschland sind auf den Radar großer Investoren gerückt. Im europäischen Vergleich schlagen sich hiesige Start-ups bei hohen Geldspritzen gut. Es bleiben aber Schwächen am Gründerstandort.
23.04.2022 09:32
Lesezeit: 1 min

Deutsche Start-ups haben laut einer Studie im europäischen Vergleich aufgeholt und spielen bei großen Finanzierungen in der Spitze mit. Die Hälfte der zehn größten Geldspritzen von Investoren in Europa ging 2021 an hiesige Wachstumsfirmen, zeigt eine Erhebung der Prüfungsgesellschaft EY. „Das ist ein starkes Signal für die Relevanz des deutschen Tech-Ökosystems im internationalen Vergleich“, sagte EY-Partner Thomas Prüver. Deutschland habe sich von Frankreich abgesetzt.

Das meiste Risikokapital in Europa bekamen aber britische Start-ups mit 31,4 Milliarden Euro, zeigt die am Freitag veröffentlichte Analyse. Es folgte Deutschland mit einem Rekordwert von 17,4 Milliarden Euro (plus 229 Prozent) und einem starken Zuwachs auch bei der Zahl der Finanzierungsrunden vor Frankreich (11,6 Mrd Euro).

Deutschlands Gründermetropole Berlin schaffte es mit einem Finanzierungsvolumen von knapp 10,5 Milliarden Euro demnach vor Paris (9,3 Mrd). Unangefochten blieb London, wo Start-ups 20,3 Milliarden Euro von Investoren einsammelten. München lag auf Rang vier (4 Mrd).

Bei den größten Deals in Europa lag demnach die britische Tiermedizin-Gruppe IVC Evidensia vorn mit einer Finanzierung von knapp 3,5 Milliarden Euro. Es folgten das schwedische Batterie Start-up Northvolt (2,28 Mrd) und die britische Constellation Automotive Group (1,15 Mrd). Auf Rang vier und fünf kamen der Berliner Lieferdienst Gorillas mit einer Geldspritze von 861 Millionen Euro und der Münchner Software-Entwickler Celonis (830 Mio). In den Top Ten fanden sich zudem die Smartphone-Bank N26 und der Online-Broker Trade Republic (beide Berlin) sowie der Elektro-Ladesäulen-Betreiber Ionity (München).

Insgesamt gab es beim Finanzierungsvolumen in Europa mehr als eine Verdopplung (+141 Prozent) zum Vorjahr auf 88 Milliarden Euro. Nach einem Dämpfer in der Pandemie sitzt das Geld bei Investoren wieder locker, zudem ist nach Jahren der Niedrigzinsen viel Liquidität im Markt. Prüver sprach von einem «enormen Anlagedruck» bei Investoren.

Start-ups sind auf Investoren wie Wagniskapitalfonds oder Konzerne angewiesen, da sie anfangs keine Gewinne schreiben. Wachstumsfirmen profitieren mit ihren technologiegetriebenen Geschäften davon, dass die Digitalisierung in der Pandemie einen Schub bekommen hat - etwa bei Online-Shopping, Finanzgeschäften oder Essenslieferungen.

Jedoch zieht es erfolgreiche Start-ups oft zu Börsengängen in die USA, etwa an die Technologiebörse Nasdaq. In den Vereinigten Staaten ist die Wagniskapitalbranche mit vielen großen risikofreudigen Geldgebern deutlich ausgeprägter als hierzulande. Die Ampel-Regierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, dass Deutschland „führender Start-up-Standort in Europa“ werden soll. Sie will auch Börsengänge hierzulande erleichtern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie KI-Revolution: In einer Branche ist sie schon angekommen
13.06.2026

In der Softwarebranche ist die KI-Revolution nicht mehr Zukunftsmusik. Sie zeigt, wie schnell ein Beruf kippen kann und welche Fragen sich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft: Sechs Thesen zur Krisenbewältigung
13.06.2026

Deutschlands Wirtschaft steckt in einer tiefen strukturellen Krise, da das exportgetriebene Wachstumsmodell der letzten Jahrzehnte spürbar...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Billionär Musk sieht SpaceX-Debüt abheben und holt den Titel
12.06.2026

Ein historischer Handelstag an der Wall Street voller Rekorde und geopolitischer Wendepunkte.

DWN
Politik
Politik Ukraine bald EU-Mitglied? EU beginnt Beitrittsverhandlungen trotz Kriegsstatus
12.06.2026

Ein Veto aus Ungarn blockierte lange formelle EU-Gespräche mit der Ukraine. Jetzt kann es endlich losgehen, berichtet die Deutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschlands Mitte ist pleite: Insolvenzen bei Verbrauchern und Firmen steigen stetig
12.06.2026

Die Welle der Insolvenzen in Deutschland endet nicht: Im ersten Quartal des Jahres verzeichneten die Amtsgerichte einen spürbaren Anstieg...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Pandora-Aktie: Die neue Chefin gibt ein ungewöhnliches Eingeständnis ab
12.06.2026

Pandora kämpft mit schwächerem Wachstum, steigenden Kosten und enttäuschenden Märkten. Die neue Chefin Berta de Pablos-Barbier sieht...

DWN
Politik
Politik EU-Stabilitätspakt: Irland erhält Flexibilität bei Energieausgaben
12.06.2026

Mehr Spielraum im Budget: Die EU erweitert die Ausnahme für Verteidigungsausgaben auf den Energiesektor. Damit reagiert Brüssel auf die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Infrastruktur-Finanzierung: Bauindustrie fordert neue Debatte über Pkw-Maut
12.06.2026

Die deutsche Bauindustrie schlägt zur dauerhaften Sanierung des Verkehrsnetzes die Einführung einer Pkw-Maut vor. Durch den Wechsel von...