Politik

Polnischer Geheimdienst nimmt mutmaßliche Spione aus Russland und Weißrussland fest

Nachdem Polen zuletzt 45 russische Diplomaten unter dem Vorwurf der Spionage auswies, hat die polnische Militärpolizei nun drei mutmaßliche Militärspione festgenommen.
Autor
14.04.2022 13:00
Lesezeit: 1 min
Polnischer Geheimdienst nimmt mutmaßliche Spione aus Russland und Weißrussland fest
Zur Absicherung der Ostflanke der NATO sind auch US-Streitkräfte in Polen stationiert. Auch sie könnten laut polnischen Angaben von russischer Spionage betroffen sein. (Foto: dpa)

Stanisław Żaryn, Sprecher des polnischen Geheimdienstkoordinators Mariusz Kamiński, berichtet, der Militärische Abschirmdienst Polens (SKW) habe einen russischen Staatsbürger identifiziert, der "nachrichtendienstliche Aktivitäten zum Nachteil Polens" durchgeführt habe. Gegen den russischen Staatsbürger wurde Anklage erhoben. Auf Beschluss des Gerichts wurde er zudem vorübergehend inhaftiert.

Drei Männer verhaftet: Verdacht auf Militärspionage in Polen

Die von der SKW gesammelten Beweise deuten laut Żaryn darauf hin, dass der Mann im Auftrag des russischen Geheimdienstes Informationen über die militärische Bereitschaft der polnischen Streitkräfte und der NATO-Truppen gesammelt habe. Nach Angaben der polnischen Regierung handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen russischen Staatsbürger, der seit 18 Jahren in Polen lebt. In Polen habe er eine geschäftliche Tätigkeit ausgeübt. Während der Ermittlungen sei umfangreiches Beweismaterial gesichert worden, das man nun auswerten wolle. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe das Gericht eine Untersuchungshaft von drei Monaten beschlossen.

Darüber hinaus wurden auch zwei weißrussische Staatsbürger inhaftiert, denen, auf Grundlage vom SKW in einem anderen Fall gesammelter Beweise, vorgeworfen wird, in Polen für den weißrussischen Geheimdienst spioniert zu haben. Die Inhaftierten hätten, so Żaryn, auf dem Territorium Polens Operationen durchgeführt, die darauf abzielten, "Einrichtungen von entscheidender und strategischer Bedeutung für die polnische Verteidigung" ausfindig zu machen. Beide Ermittlungen sind derzeit noch im Gange.

Chef des russischen Geheimdienstes spionierte als Diplomat den Westen aus

Erst Ende März hatte Polen 45 russische Diplomaten ausgewiesen, die ebenfalls der Spionage verdächtigt wurden. "Wir sind dabei, das Netz russischer Spione in unserem Land mit aller Konsequenz und Entschlossenheit zu zerschlagen.", kommentierte Kamiński die Vorgänge auf Twitter. Russischen Geheimdienst-Eliten, den sogenannten "Siloviki" (zu deutsch: "starke Männer"), wird seitens Geheimdienst-Experten ein großer Einfluss auf die Politik Moskaus nachgesagt.

Und auch russische Spionage unter dem Mantel der Diplomatie würde in der jüngeren Geschichte kein Novum darstellen. So arbeitete unter anderem Sergei Naryschkin, derzeit Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes, nach außen hin als Diplomat in Brüssel, während seine eigentliche Tätigkeit darin bestand, Agenten für den KGB zu rekrutieren sowie Wissenschaftsspionage und Technologiediebstahl für die Sowjetunion zu betreiben – bis ein Kollege ihn verriet.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Inflation und Deflation zugleich - Wohin steuert das Finanzsystem?

Die wirtschaftlichen Signale aus den USA, China und Europa werden widersprüchlicher. Während der Preisdruck nachlässt, verliert der...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation im Euroraum zieht wieder an: Wird die EZB die Zinsen erhöhen?
16.08.2026

Die Inflation hat sich im Euroraum überraschend zurückgemeldet – angetrieben von teurer Energie und geopolitischen Spannungen. Damit...

DWN
Politik
Politik Rentensplitting statt Witwenrente: Steht die Hinterbliebenenrente vor dem Aus?
16.08.2026

Im Rahmen der Rentenreform steht plötzlich auch die Witwenrente zur Diskussion. Ein Rentenexperte argumentiert, "Frauen könnten sich...

DWN
Politik
Politik Toxische Weltpolitik: Wenn gefährliche Staatschefs die Kontrolle verlieren
16.08.2026

Sie dulden keinen Widerspruch, verlangen Loyalität und halten sich selbst für unfehlbar. Gelangen toxische Führungspersönlichkeiten an...

DWN
Politik
Politik Medienrat für öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Geschäftsführerin steht fest
16.08.2026

Das neue Gremium soll den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kontrollieren. Im April wurde die Vorsitzende gewählt. Jetzt steht fest, wer...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie Fintechs Banken herausfordern – und Anleger profitieren können
16.08.2026

Millionen Kunden eröffnen Konten bei Revolut, N26 oder Trade Republic – oft zunächst nur zusätzlich zur Hausbank. Doch aus der...

DWN
Finanzen
Finanzen Künstliche Intelligenz greift nach Ihrer Rente - und zwar an zwei Fronten
16.08.2026

Erstens geht es um die Exponierung von Pensionsfonds gegenüber KI. Zweitens stellt sich die Frage, welche Kasse die meisten Menschen im...

DWN
Panorama
Panorama Schlecht vorbereitet bei Waldbränden? Experte sieht Lücken im System
16.08.2026

Ein dichtes Netz an Feuerwehren schützt Deutschland bislang vor vielen größeren Waldbränden. Doch Ausbildung, Einsatzverfahren und...

DWN
Finanzen
Finanzen Millionenbetrug an Bankkunden: Ermittler heben Netzwerk aus
16.08.2026

Eine Gruppe Krimineller soll Bankkunden um Millionen betrogen haben. Ermittler aus Deutschland und Brasilien nahmen nach Durchsuchungen...