Deutschland

9-Euro-Ticket: Bringt Menschen auf dem Land nur wenig, anderen Bahnkunden gar nichts

Laut dem Deutschen Landkreistag profitiert nur eine Gruppe von Fahrgästen von der geplanten Entlastungsmaßnahme der Bundesregierung. Manche Bahnkunden gehen sogar gänzlich leer aus.
10.05.2022 12:51
Aktualisiert: 10.05.2022 12:51
Lesezeit: 1 min
9-Euro-Ticket: Bringt Menschen auf dem Land nur wenig, anderen Bahnkunden gar nichts
Von Juni bis Ende August sollen Fahrgäste im Zuge des Entlastungspakets der Ampel im Nah- und Regionalverkehr deutschlandweit für 9 Euro pro Monat fahren können. (Foto: dpa)

Das von Juni bis August geplante 9-Euro-Monatsticket für Busse und Bahnen dürfte aus Sicht des Deutschen Landkreistags vor allem Fahrgästen in städtischen Ballungsräumen zugutekommen. Als Maßnahme zur Rück- und Neugewinnung von Kunden für den Öffentlichen Nahverkehr sei die Tarifsenkung gerade in den ländlichen Räumen kaum geeignet, sagte Präsident Reinhard Sager am Dienstag.

9-Euro-Ticket: "Politische Entscheidung, die kaum einen nachhaltigen Effekt haben wird"

Denn die Aktion sei befristet und führe nicht zu einer Angebotsausweitung. Besser wäre es gewesen, die dafür auszugebenden Milliarden in die Ertüchtigung des Streckennetzes und engere Taktung zu investieren. Das Sonderticket soll ab 1. Juni für drei Monate bundesweit Fahrten im Nah- und Regionalverkehr ermöglichen – für jeweils 9 Euro im Monat und damit viel günstiger als normale Monatstickets. Es ist Teil des Entlastungspakets der Ampel-Koalition wegen der hohen Energiepreise.

Zugleich soll es ein Schnupperangebot sein, um mehr Kunden für Busse und Bahnen zu gewinnen. Der Bund finanziert das Angebot, indem er den Ländern 2,5 Milliarden Euro wegen Einnahmeausfällen geben will. Landkreistags-Präsident Sager sprach von einer nur mit viel Aufwand umzusetzenden politische Entscheidung, die kaum einen nachhaltigen Effekt haben werde. "Stattdessen müssen wir uns langfristig besser und bedarfsgerechter aufstellen, gerade vor dem Hintergrund klimafreundlicher Angebote, die auf die jeweils unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen in Stadt und Land zugeschnitten sind."

Auch Bahncard 100-Kunden gehen leer aus

Doch nicht nur Menschen vom Land dürften vergleichsweise leer ausgehen. So verkündete die Deutsche Bahn jüngst auf ihrer Website, dass Inhaber von DB-Zeitkarten im Nahverkehr und Bahncard 100-Abonnenten von einer möglichen Erstattung ausgenommen werden. Bei vielen Bahncard 100-Kunden ersetze die Bahncard jedoch das Nahverkehrsabo und koste bei jährlicher Zahlung monatlich immerhin 345 Euro, wie das Technik-Fachmedium "Inside Digital" berichtet. Zudem müssten Bahncard 100-Kunden laut Inside Digital nun überfüllte Zügen im Sommer befürchten.

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