Finanzen

Sind Aktien doch die beste Lösung?

Laut einem Anlageberater sind Aktien langfristig die beste Lösung - wenn man einen mehrjährigen Anlagehorizont hat.
06.06.2022 15:26
Lesezeit: 3 min

Mit 7,4 Prozent im April bewegt sich die Teuerungsrate hierzulande auf einem Rekordniveau. Und was für Deutschland gilt, gilt auch international. In der Eurozone insgesamt lag sie zuletzt bei 7,5 Prozent, in den USA nun bereits den zweiten Monat in Folge bei über acht Prozent. Bei einer solchen Inflationsrate zwischen fünf und zehn Prozent spricht man auch von einer schleichenden Inflation. Erst bei höheren Raten wäre die Teuerung beschleunigt, galoppierend, oder würde es sich um Hyperinflation handeln.

Zwar ist davon auszugehen, dass die unter anderem durch Lieferkettenprobleme nach der Corona-Pandemie sowie insbesondere durch den Preisanstieg bei Öl und Gas (eine Folge des Krieges in der Ukraine) hervorgerufene Inflation temporär ist und sich folglich auch wieder abschwächen wird. Dennoch, darin sind sich fast alle Experten einig, wird die Inflationsrate in naher Zukunft im Durchschnitt höher ausfallen als in den vergangenen Jahrzehnten. Und das hat eine ganze Reihe von Auswirkungen.

Am direktesten spürbar ist das beim täglichen Konsum. So kostet eine Kugel Eis dann zum Beispiel nicht mehr einen Euro, sondern 1,10 Euro. Das heißt: Bargeld verliert real an Wert, weil sich Verbraucher mit dem gleichen Betrag nicht mehr so viel leisten können wie zuvor. Konkret bedeutet das: Bei der aktuellen Inflationsrate von 7,4 Prozent haben 1.000 Euro Bargeld nach einem Jahr nur noch einen realen Wert von 926 Euro. In einem Jahr kann man sich, in heutigen Preisen gerechnet, nur noch Waren oder Dienstleistungen in diesem Wert kaufen und nicht mehr für 1.000 Euro.

Interessanterweise nehmen Verbraucher die Inflation aber sehr unterschiedlich wahr. So wird die offiziell ausgewiesene Inflationsrate anhand der Veränderung der Preise eines bestimmten Warenkorbes gemessen. Doch dieser Warenkorb unterscheidet sich in aller Regel vom persönlichen Verbrauch des einzelnen. Die gefühlte Inflation stimmt mit der offiziell ausgewiesenen Teuerung deshalb auch nicht überein, wie Umfragen immer wieder zeigen. Laut der Europäischen Zentralbank sind die Verbraucherpreise in Deutschland von 2004 bis 2015 nach Wahrnehmung der Befragten im Schnitt um 6,6 Prozent pro Jahr gestiegen. Offiziell ausgewiesen wurden in diesem Zeitraum im Schnitt aber nur 1,8 Prozent.

Aber nicht nur beim Konsum, sondern auch bei der Geldanlage wirkt sich die Inflation aus. Auch dies lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen: Angenommen, jemand hat 10.000 Euro unverzinst auf einem Sparbuch. Beträgt die Inflationsrate in den kommenden zehn Jahren nur zwei Prozent im Schnitt, dann hat das Geld nach diesem Zeitraum nur noch einen realen Wert von rund 8.200 Euro. Das entspricht einem Verlust von 18 Prozent. Liegt die Inflation bei vier Prozent, dann sinkt die reale Kaufkraft sogar auf nur noch rund 6.750 Euro (ein Verlust von 32,5 Prozent, also fast einem Drittel).

Zwar steigen inzwischen die Zinsen, doch ist die Inflationsrate – wie eingangs erläutert – auf einem solch hohen Niveau, dass die reale Rendite, also Zinssatz abzüglich Inflationsrate, auch bei einer Verzinsung von einem oder zwei Prozent noch deutlich negativ ist. Jeder, der sein Geld in Anlageformen wie Festgeld oder Sparbüchern liegen hat, ist deshalb davon besonders stark betroffen.

Was können Anleger tun? In der Regel empfehlen Experten, in einem stark inflationären Umfeld Sachwert-Investments gegenüber niedrig verzinsten Anlagen den Vorzug zu geben, da sie einen gewissen Schutz vor Inflation bieten können. Dazu zählen beispielsweise auch Aktien, da Anleger sich damit an Unternehmen und somit an einem Sachwert beteiligen. Langfristig bringen Aktien mit die höchsten Renditen. Seit 1975 lag deren Wertentwicklung bei etwa 7,4 Prozent pro Jahr – und das nach Inflation.

Allerdings gibt es eine solche Rendite nicht umsonst. Anleger müssen hier, wie sich aktuell auch zeigt, enorm hohe Kursschwankungen aushalten können. Kurseinbrüche von 30 oder 40 Prozent und mehr sind jederzeit möglich. Aus diesem Grund sind eine breite Streuung und ein langfristiger Anlagehorizont von wenigstens zehn, besser 15 Jahren entscheidend. Schließlich erholten sich die Aktienmärkte in der Vergangenheit von starken Kursverlusten auch immer wieder, doch manchmal brauchte es auch einige Zeit.

So lässt sich am Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts ablesen, dass es im schlimmsten Fall zwölf Jahre waren, bis ein Anleger wieder im Plus war. Wer also lange Zeiträume einkalkuliert und zwischenzeitlich starke Kursschwankungen aushalten kann, sollte ein Aktieninvestment angesichts der rekordhohen Inflationsraten in Erwägung ziehen.

Die "PecuniArs Gesellschaft für strategische Anlageberatung mbH" ist eine unabhängige Finanzberatungsgesellschaft auf Honorarbasis mit Sitz in Berlin. Das von dem geschäftsführenden Gesellschafter Klaus Porwoll gegründete Unternehmen hat sich auf die Betreuung von Firmeninhabern, Unternehmern, Geschäftsführern, Selbständigen und Freiberuflern spezialisiert. Honorarberater Porwoll ist seit 1994 in der Finanzbranche tätig.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Dexit: Was von Europa ohne Deutschland bliebe
06.09.2026

Ein Dexit galt lange als politisches Randthema. Doch wenn die AfD weiter zulegt, wird der Austritt Deutschlands aus EU, Euro und Schengen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ratan Tata im Porträt: Das Auto war zu billig, um ein Erfolg zu werden
06.09.2026

Ratan Tata wollte indischen Familien ein sicheres und bezahlbares Auto geben. Der Tata Nano wurde als billigstes Auto der Welt gefeiert,...

DWN
Technologie
Technologie Elektroschrott in Europa: Milliardenwerte bleiben ungenutzt
06.09.2026

Europas Elektroschrott enthält Rohstoffe im Wert von Milliarden Euro, doch ein Großteil bleibt ungenutzt. Eine neue Studie zeigt, wie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billigimporte aus China: Die EU zieht die Zollmauer hoch
06.09.2026

Die EU verschärft ihre Zollregeln gegen die Flut kleiner Pakete aus China. Nach dem festen Drei-Euro-Zoll kommt ab November eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Shein an der Börse: Wer bei Fast Fashion jetzt vorn liegt
05.09.2026

Der chinesische Konzern Shein hat sich an der Börse den größten Namen der Fast Fashion angeschlossen. Doch wie läuft es bei seinen...

DWN
Politik
Politik 37 Jahre alt und rund 15 Milliarden Euro schwer: Das ist Mario Draghis neuer Partner
05.09.2026

Der frühere EZB-Chef und ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat sich mit einem irischen Tech-Milliardär...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn-Sanierung ohne monatelange Vollsperrungen: VCD legt Gegenentwurf vor
05.09.2026

Die Bahn will ihr marodes Schienennetz mit groß angelegten Generalsanierungen zuverlässiger machen. Doch das bisherige Konzept bringt...

DWN
Finanzen
Finanzen Restaurant-Aktien: Zwei Wachstumswetten für die nächsten 20 Jahre
05.09.2026

Tech-Aktien gelten als erste Adresse für spektakuläres Wachstum. Doch zwei Restaurantketten aus den USA könnten Anlegern langfristig...