Politik

WHO-Expertenrat fordert Prüfung von Laborthese zum Virus-Ursprung

Nur China, Russland und Brasilien sträuben sich gegen die Untersuchung.
10.06.2022 10:14
Lesezeit: 1 min
WHO-Expertenrat fordert Prüfung von Laborthese zum Virus-Ursprung
Die sogenannte Laborthese galt in vielen deutschen Medien lange als Verschwörungstheorie. Nun fordert die WHO doch ihre Prüfung – betont aber gleichsam, dass eine Untersuchungsempfehlung keiner Bestätigung gleichkommt. (Foto: dpa)

Auf der Suche nach dem Ursprung des Coronavirus Sars-CoV-2 muss nach Meinung eines neuen Expertenrates auch die Möglichkeit eines Entweichens aus einem Labor untersucht werden. Das hat der unabhängige Expertenrat (SAGO) am Donnerstag in Genf empfohlen, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Oktober 2021 ins Leben rief. Mitglied ist auch der Berliner Virenforscher Christian Drosten.

Drei Mitglieder des Gremiums sträubten sich

In Wuhan in China, wo Ende 2019 die ersten Sars-CoV-2-Fälle auftauchten, wird an Coronaviren geforscht. Zu den nötigen Untersuchungen gehöre eine "Bewertung potenzieller Szenarien, in denen ein Versagen der Biosicherheitsverfahren zu einer möglichen laborbedingten Infektion mit dem untersuchten Erreger geführt hat", heißt es in dem Bericht. Die Empfehlung sage nichts darüber aus, wie wahrscheinlich die Labor-These sei, betonte die Ratsvorsitzende Marietjie Venter. Auch um sie zu widerlegen, seien Untersuchungen

aber nötig. Die wahrscheinlichste These sei weiter, dass das Virus von einem Tier über einen Zwischenwirt auf Menschen übersprang.

Drei Mitglieder des knapp 30-köpfigen Gremiums wollten diese Empfehlung aber nicht mittragen: Die Wissenschaftler aus China, Russland und Brasilien hielten ihre Ablehnung in einer Fußnote des Berichtes fest. China weist die Theorie zurück, dass das Virus aus einem chinesischen Labor stammen könnte. Und Peking lehnt die Anreise einer weiteren internationalen Expertengruppe zur Suche nach dem Virusursprung ab.

Kooperation der Länder nötig

Dem Rat hätten zahlreiche chinesische Wissenschaftler angehört. Es seien dennoch zahlreiche Fragen offen, sagte Venter – etwa über die Märkte in Wuhan, die Herkunft von Tieren und frühe mögliche Corona-Infizierte in China.

Der Rat soll Richtlinien entwickeln, damit künftige Untersuchungen bei Pandemieausbrüchen zügiger begonnen werden können. Beim Coronavirus gab es Spannungen vor allem zwischen China und den USA. Der frühere US-Präsident Donald Trump gab China Schuld an der Ausbreitung des Virus. Wegen der Spannungen konnten die internationalen Experten erst 2021 in China einreisen.

Man werde alles tun, um die SAGO-Empfehlungen umzusetzen, sagte WHO-Corona-Expertin Maria van Kerkhove. Dazu sei aber die Kooperation der Länder nötig.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street klettert trotz Rückschlag bei Friedensplan leicht ins Plus
11.05.2026

Geopolitische Spannungen treffen auf Börsen-Optimismus – erfahren Sie, was die Märkte jetzt bewegt.

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Starker Auftragsbestand, schwacher Aktienkurs – die Hintergründe
11.05.2026

Bei der Rheinmetall-Aktie prallen derzeit starke Fundamentaldaten und wachsende Zweifel am kurzfristigen Kursverlauf aufeinander. Eine neue...

DWN
Politik
Politik Sanierungsstau trifft Akademiker-Nachwuchs: TU Berlin schließt marodes Hauptgebäude
11.05.2026

Behörden und Feuerwehr entdecken bauliche Mängel: Die Technische Uni Berlin zieht harte Konsequenzen und schließt ihr Hauptgebäude...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde bremst Stablecoins: Warum die EZB den digitalen Euro schützen will
11.05.2026

EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellt sich skeptisch gegen Stablecoins in Euro. Sie sieht Risiken für Finanzstabilität, Banken und...

DWN
Finanzen
Finanzen Einbruch Gewerbesteuer: Finanzielle Krise in Baden-Württemberg verschärft sich
11.05.2026

Schon jetzt schreiben viele Städte und Gemeinden rote Zahlen und müssen Leistungen kürzen. Die aktuelle Steuerschätzung zeigt: Die...

DWN
Politik
Politik Der ewige Krieg in der Ukraine: Putin bringt Altkanzler Schröder als Vermittler ins Gespräch
11.05.2026

Kremlchef Putin möchte Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg. Bundesregierung und EU lehnen Putins Vorschlag ab -...

DWN
Panorama
Panorama Mitten in einer Kriegszone. Wenn die Kontrolle verschwindet, beginnt Führung.
11.05.2026

Ein Unternehmer wacht in Lwiw in der Ukraine auf und erfährt, dass Krieg ist. Seine Geschichte zeigt, was Führung bedeutet, wenn Pläne...

DWN
Politik
Politik Großbritannien: Labour verliert, Reform UK gewinnt - Rücktrittsforderungen nach Wahldebakel
11.05.2026

Der angezählte britische Premierminister Keir Starmer bemüht sich nach den historisch schlechten Wahlergebnissen bei den Kommunalwahlen...