Wirtschaft

Ukrainischer Weizen: Russen wollen "Diebesgut" verschachern

Bilder von Satelliten sollen belegen, dass die Russen versuchen, in der Ukraine gestohlenes Getreide zu verkaufen.
13.06.2022 13:00
Lesezeit: 1 min
Ukrainischer Weizen: Russen wollen "Diebesgut" verschachern
Ein ukrainischer Getreide-Bauer steht in einem Krater, den eine russische Granate auf seinem Feld hinterlassen hat. (Foto: dpa) Foto: Efrem Lukatsky

Russen in Erklärungsnot: Satelliten der US-Firma Maxar Technologies belegen russische Getreide-Diebstähle. Dabei sollen die Satelliten mindestens zehn Frachtschiffe ausfindig gemacht haben, die gestohlenen Getreide exportierten. Auch zeigten die Aufnahmen ein Frachtschiff am Hafen von Sewastopol, welches Getreide auflud. Russland selbst bestreitet alle Vorwürfe.

Insgesamt handelt es sich um rund 500.000 Tonnen Weizen im Wert von 100 Millionen US-Dollar, die die Russen den Ukrainern gestohlen haben sollen. Ein Großteil des Getreides sei aus Silos in den Regionen Saporischschja, Cherson, Donezk und Lugansk entwendet worden. Um dann von vollbeladenen Lastwagen zu den Häfen der Krim transportiert zu werden. Von dort aus, stach das Getreide in See.

Die Schiffe versuchten zwar ihre Spuren zu verwischen, indem sie ihre Transponder ausschalteten. Jedoch gelang es ihnen nicht, sich vor den Satelliten zu verstecken, die unter anderem auch für Google Maps Fotografien lieferten und imstande sind, gestochen scharfe Bilder aus über 600 Kilometer Höhe zu schießen.

Allein drei russische Schiffe sollen im Mai zwischen der Straße von Kertsch und verschiedenen Häfen im östlichen Mittelmeer unterwegs gewesen sein. Ein Schiff, die Matros Pozynich, wurde später im Hafen von Latakia in Syrien gesichtet. Auch in der Türkei sollen russische Schiffe angedockt, oder zumindest türkische Gewässer durchquert haben.

Den afrikanischen Ländern sei es nach Hassan Khannenje, Direktor des Horn International Institute für Strategic Studies in Kenia, egal, woher der Weizen komme. Er meinte gegenüber der New York Times, dass viele afrikanische Länder nicht zögern würden, von Russland geliefertes Getreide zu kaufen, „ganz egal, woher es kommt.“

Russland steht auch im Verdacht, das geklaute Getreide unter Wert verkaufen zu wollen. Damit würde es die afrikanischen Staaten zum Spielball der großen Mächte machen. Zumindest aber würden die westlichen Staaten in eine Zwickmühle geraten. Denn: Auf der einen Seite warnt der Westen die von Hunger geplagten afrikanischen Ländern vor dem Kauf des gestohlenen Getreides. Auf der anderen Seit ist es moralisch kaum vertretbar, den hungernden Staaten zu verbieten, Essen für ihre Bevölkerung zu kaufen.

Rund 250 Millionen Menschen stehen derzeit weltweit am Rande einer Hungersnot. Der Grund: Ernteausfälle in Afrika und der Krieg in der Ukraine.

Allein im Hafen von Odessa stecken mehr als 20 Millionen Tonnen Getreide in Silos fest, die aufgrund von Seeblockaden und Minen nicht verschifft werden können. Zudem droht die nächste Ernte zu verfaulen, wenn sie aufgrund der jetzigen vollen Silos nicht richtig gelagert werden kann.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lufthansa-Streik trifft Deutschlands Flughäfen mit voller Wucht – Lufthansa-Aktie im Plus
12.02.2026

Der Lufthansa-Streik legt den Flugverkehr in Deutschland lahm und sorgt für lange Schlangen an Flughäfen. Tausende Passagiere müssen...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: Siemens treibt den Leitindex über 25.000 Punkte – Anleger blicken gespannt in die USA
12.02.2026

Der DAX-Kurs springt im Donnerstagshandel wieder über die Marke von 25.000 Punkten und sorgt für neue Euphorie an den Märkten. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen KWS Saat-Aktie: Umsatzprognose gesenkt – wie sollten Anleger nun reagieren?
12.02.2026

Der Saatguthersteller KWS Saat korrigiert seine Umsatzprognose nach unten und verweist auf ein schwieriges Agrarmarktumfeld. Für die KWS...

DWN
Politik
Politik Selenskyj erhöht Druck: EU-Beitritt ist Sicherheitsgarantie für Ukraine
12.02.2026

Der EU-Beitritt der Ukraine steht im Mittelpunkt geopolitischer Verhandlungen. Präsident Selenskyj fordert ein konkretes Datum und...

DWN
Finanzen
Finanzen Siemens-Aktie klettert: Siemens-Zahlen übertreffen Analystenerwartungen – Prognose angehoben
12.02.2026

Die Siemens-Aktie klettert am Donnerstag weiter nach oben. Das nach Marktkapitalisierung wertvollste deutsche Unternehmen hat überraschend...

DWN
Finanzen
Finanzen Thyssenkrupp-Aktie: Restrukturierungskosten belasten Thyssenkrupp-Bilanz – was jetzt wichtig ist
12.02.2026

Die Thyssenkrupp-Aktie gerät nach neuen Quartalszahlen unter Druck: Hohe Kosten für die Stahl-Sanierung belasten die Bilanz, während...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes Benz-Aktie stürzt ab: Wie Anleger auf den Mercedes-Gewinneinbruch reagieren sollten
12.02.2026

Die Mercedes Benz-Aktie steht nach einem deutlichen Gewinneinbruch und sinkender Dividende am Donnerstag stark unter Druck. Schwache...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Douglas-Chef: „Verbraucher wägen Ausgaben genauer ab“
12.02.2026

Die Kaufzurückhaltung setzt der Parfümeriekette Douglas zu. Konzernchef van der Laan erklärt, was aus seiner Sicht dahintersteckt.