Wirtschaft

EU-Firmen fordern China auf, Null-Covid-Regime zu beenden

Ausgangssperren und andere Einschränkungen belasten die chinesische Wirtschaft. Das ist auch ein gewaltiges Problem für europäische Unternehmen vor Ort.
20.06.2022 10:49
Lesezeit: 2 min
EU-Firmen fordern China auf, Null-Covid-Regime zu beenden
Für viele Chinesen bedeutet das Null-Covid-Regime ihrer Regierung ein Leben im dauerhaften Ausnahmezustand. (Foto: dpa) Foto: Chen Si

Vor dem Hintergrund der strengen Corona-Regeln in China haben EU-Firmen die Regierung in Peking zu einem Kurswechsel aufgerufen. Ausgangssperren, erhebliche Beschränkungen bei der Einreise und andere strenge Maßnahmen belasten aus Sicht der EU-Handelskammer in Peking das Geschäft schwer. China müsse den Unternehmen die Angst nehmen und "mit einem klaren Plan Vertrauen zurückgewinnen", sagte Kammer-Vizepräsidentin Bettina Schön-Behanzin bei der am Montag vorgelegten Stimmungsumfrage unter Mitgliedsfirmen.

Mit Massentests und Lockdowns könne die Lage nicht unter Kontrolle gebracht werden. "China muss seine Grenzen öffnen. Es verfügt über alle Mittel für ein großartiges Comeback", so Schön-Behanzin.

Corona-Maßnahmen mit Abstand gravierendstes Problem in China für EU-Firmen

Die chinesische Wirtschaft war wegen der strikten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in der ersten Jahreshälfte unter Druck geraten. Mehrere Millionen Menschen waren von Ausgangssperren betroffen. Die Wirtschaftsmetropole Shanghai befand sich seit Anfang April für zwei Monate in einem Komplett-Lockdown. Zwar hat sich die Lage leicht gebessert, jedoch herrscht weiter große Unsicherheit.

Wie bereits im Vorjahr nannten EU-Firmen in der Umfrage zum Geschäftsklima die Corona-Maßnahmen als das mit Abstand gravierendste Problem, mit dem sie in China konfrontiert seien. Eine ergänzende Umfrage, die erst nach dem großen Lockdown von Shanghai und dem Ausbruch des Ukraine-Krieges von der Kammer durchgeführt wurde, zeigte eine nochmals deutlich verschlechterte Stimmung.

Beide Ereignisse hatten demnach "erhebliche destabilisierende Auswirkungen auf die China-Aktivitäten europäischer Unternehmen". Drei Viertel der Mitglieder berichteten, dass die strengeren Eindämmungsmaßnahmen ihren Betrieb negativ beeinflusst hätten. 92 Prozent klagten über Lieferketten-Probleme, die etwa durch Hafenschließungen und steigende Frachtkosten verursacht wurden. 23 Prozent der Befragten gaben an, darüber nachzudenken, neue Investitionen auf Eis zu legen.

Vize der EU-Handelskammer in Peking: "Schwierig, jemanden zu finden, der noch nach China reisen will."

Eine große Herausforderung ist es nach Aussage von Schön-Behanzin zudem, neues Personal aus Europa zu gewinnen. "Es ist schwierig, jemanden zu finden, der noch nach China reisen will." Lockdowns, lange Quarantänezeiten, sowie immer weniger verfügbare Flüge hätten einen wahren "Exodus" ausgelöst.

Um die Lage in China zu entspannen, empfahl die Kammer der Regierung, auf wirksamere mRNA-Impfstoffe zu setzen. Die Volksrepublik solle sich eher am Singapurer-Modell orientieren, sagte Schön-Behanzin. Auch der südostasiatische Stadtstaat hatte nach Beginn der Corona-Pandemie vor über zwei Jahren zunächst sehr strenge Maßnahmen verhängt. Nachdem eine hohe Impfquote erreicht war, kehrte Singapur jedoch immer weiter zur Normalität zurück.

Neben den Corona-Maßnahmen hatten die Unternehmen nach Darstellung der Kammer erneut mit zahlreichen weiteren Schwierigkeiten bei ihren Aktivitäten in China zu kämpfen. So gaben 43 Prozent der Firmen an, weiterhin unter Marktzugangsbeschränkungen oder regulatorischen Barrieren zu leiden. Mehr als jedes dritte Unternehmen gab an, im Vergleich zu in China heimischen Unternehmen schlechter behandelt worden zu sein. 14 Prozent der Unternehmen waren den Angaben zufolge gezwungen, Technologie an China zu übertragen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen 26 Prozent an einem Tag: Warum Duolingo plötzlich an meinen Chipaktien vorbeizieht
07.11.2026

Für meine Chipaktien war es ein schlechter Börsentag: Nvidia, Micron und Iren gerieten deutlich unter Druck. Ganz anders Duolingo. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polestar 5 im Test: Angriff auf Porsche und Audi – mehr Luxus für weniger Geld?
07.11.2026

Mit dem Polestar 5 wollen die Schweden Porsche und Audi im Luxussegment angreifen. Bis zu 884 PS, 678 Kilometer Reichweite und elektrisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...

DWN
Politik
Politik Alterssicherung: Wie viele Ältere nutzen die umstrittene Frührente?
07.11.2026

Die meisten Menschen gehen laut einer neuen Untersuchung früher in Rente. Wie lange das noch in heutiger Form möglich ist, ist in der...