Deutschland

Energieriese soll mit Steuergeld gerettet werden

Erst die Banken, dann die Fluglinien und jetzt die Energieriesen. Erneut bittet eine Branche darum, mit Steuergeldern gerettet zu werden. Die Bundesregierung will mit einem Schutzschirm in die Bresche springen.
05.07.2022 14:36
Aktualisiert: 05.07.2022 14:36
Lesezeit: 2 min
Energieriese soll mit Steuergeld gerettet werden
Die Energieunternehmen sollen jetzt vom Staat gerettet werden. (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Energieriesen in Not: Um angeschlagene Energieunternehmen wie Uniper mit Steuergeld retten zu können, haben sich die zuständigen Ministerien auf eine Gesetzesänderung geeinigt. Dabei soll sich der Bund auch an Firmen beteiligen können. Allerdings: Das stünde nach Regierungskreisen nicht an erster Stelle.

Die Ministerien für Wirtschaft, Finanzen und das Bundeskanzleramt einigten sich grundsätzlich für einen Entwurf, der es der Regierung ermöglicht, einen Schutzschirm über die angeschlagenen Energie-Unternehmen zu schaffen.

Darin sind Finanzhilfen bis hin zur Übernahme von Firmenanteilen geregelt, um die Pleite eines Gasversorgers abwenden zu können. Die Ampel-Fraktionen sollen dem Entwurf voraussichtlich heute zustimmen, damit das reformierte Gesetz bereits am Freitag im Eilverfahren in Bundestag und Bundesrat beschlossen werden kann.

Danach könnten mit milliardenschweren Stabilisierungsmaßnahmen drastische Preissprünge für Gaskunden verhindert werden.

Ostseepipeline Nord Stream 1

Nachdem Russland die Lieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 stark gedrosselt hatte, geriet Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas, Uniper, ins Straucheln und rief nach Staatshilfen. Analysten gehen dabei davon aus, dass die gedrosselten Gaslieferungen von rund 60 Prozent Uniper täglich 30 Millionen Euro kosten. Hochgerechnet auf ein Jahr entstünden Kosten in Höhe von 11 Milliarden Euro.

Der Gasimporteur Uniper, der seit 2020 mehrheitlich dem finnischen Energiekonzern Fortum gehört, spielt eine zentrale Rolle für die deutsche Energieversorgung. Das Unternehmen beliefert viele Stadtwerke, kann aber nach eigener Aussage derzeit die Mehrkosten beim Einkauf von Gas nicht an den Kunden weitergeben.

Der Staat könnte nun Uniper finanziell unter die Arme greifen. Die einzige Alternative dazu: Die Gaskunden müssten die Preissprünge bezahlen, was wiederum zu drastischen Preiserhöhungen für Verbraucher bedeuten würde.

Energiesicherheitsgesetz und Preisanpassungsrecht

Das bestehende Energiesicherheitsgesetz ermöglicht ein Preisanpassungsrecht für Versorgungsunternehmen. Dazu muss die Bundesnetzagentur eine erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen nach Deutschland festgestellt haben. Das ist aber noch nicht geschehen. Sollte dieser Mechanismus jedoch aktiviert werden, könnten Versorger ihre Mehrkosten kurzfristig an ihre Kunden weitergeben.

Um Preissprünge gerechter auf die Verbraucher zu verteilen, arbeitet die Bundesregierung deshalb an einem Umlagesystem.

Allerdings könnten sich die Probleme von Energieunternehmen künftig noch verschärfen. Denn am 11. Juli beginnen jährliche Wartungsarbeiten von Nord Stream 1. Sie dauern in der Regel zehn Tage. Dann fließt kein Gas durch die Pipeline. Die große Sorge besteht darin, dass Russland nach der Wartung den Gashahn nicht mehr aufdreht und ein Totalausfall russischer Gaslieferungen durch Nord Stream erfolgen könnte.

Noch sei gemäß einer Meldung der Bundesnetzagentur die Gasversorgung in Deutschland stabil, und die Versorgungssicherheit weiter gewährleistet.

Obwohl über die genaue Stützung von Uniper noch nicht entscheiden ist, sollen die Hilfen nach dem Muster der bereits umgesetzten Lufthansa- und TUI-Rettung während der Corona-Krise erfolgen. Bereits zuvor, im Jahre 2008, verabschiedete die deutsche Regierung im Rahmen der Finanzkrise ein Hilfspaket von 480 Milliarden für die Rettung deutscher Banken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BYD Dolphin G DM-i im Test: Ist das der Kleinwagen der Zukunft?
17.10.2026

100 Kilometer elektrisch, mehr als 1.000 Kilometer Gesamtreichweite und 212 PS: Der BYD Dolphin G DM-i bringt Werte in die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölmarktbericht : IEA warnt vor anhaltender Diesel-Knappheit
17.10.2026

Die Dieselversorgung bleibt laut der Energieagentur bis weit ins Jahr 2027 angespannt. In Europa könnten die Preise schon in den kommenden...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vinted greift den Einzelhandel an: Wird Neuware zum Auslaufmodell?
17.10.2026

Gebraucht statt neu: Vinted wächst rasant und könnte dem klassischen Einzelhandel zunehmend gefährlich werden. Schon heute ersetzen drei...

DWN
Politik
Politik BND-Skandale: Spionagefälle, Abhöraktionen und geheime Pannen
17.10.2026

Verrat aus den eigenen Reihen, umstrittene Überwachungsaktionen und verschwundene Geheimdokumente: Der Bundesnachrichtendienst (BND)...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Ausverkauf breitet sich aus
16.10.2026

Die Wall Street erlebt eine turbulente Handelswoche – erfahren Sie, was hinter der aktuellen Unruhe an den Märkten steckt.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deal mit Nvidia: Bundesregierung plant Kooperation mit US-Chiphersteller
16.10.2026

Deutschland will die Lücke beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Industrie schließen. Viele deutsche KMU hinken bei der digitalen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Ein Großhändler stellte 35 Roboter ein und verdreifachte so die Kapazität – ist das die Zukunft?
16.10.2026

Wenn Kunden eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden erwarten, wird das Lager zu einem Wettbewerbsfaktor. Dies hat den dänischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die 723.000-Mitarbeiter-Lücke: Deutschlands schleichender Verlust an Wohlstand
16.10.2026

Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine historische Belastungsprobe zu. Während politische Debatten häufig von akuten Konjunktursorgen,...