Finanzen

Etikettenschwindel: „Grüne“ Aktienfonds investieren verstärkt in Öl und Gas

Als nachhaltig klassifizierte Fonds setzen verstärkt auf Öl und Gas – aus zweierlei Gründen.
25.07.2022 10:46
Lesezeit: 1 min
Etikettenschwindel: „Grüne“ Aktienfonds investieren verstärkt in Öl und Gas
Nicht alle grünen Fonds investieren ausschließlich in grüne Wertanlagen. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Als nachhaltig klassifizierte „grüne“ Aktienfonds in Europa investieren verstärkt in Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche. Dies geht aus einer Studie der Bank of America hervor, aus der Bloomberg-Reporter Tim Quinson zitiert.

Demnach hatten mit dem Label ESG (Environmental, Social and Governance) gekennzeichnete europäische Aktienfonds im Jahr 2021 überhaupt nicht in fossile Energiekonzerne investiert, im laufenden Jahr seien es jedoch bereits sechs Prozent. Unter anderem hätten Shell und der spanische Energiekonzern Repsol Zuflüsse von ESG-Fonds erhalten, so Quinson.

Mit dem Label „ESG“ werde Fonds ausgezeichnet, die sich bei ihrer Wertanlage an strenge Umwelt- und Klimaschutzrichtlinien (Environmental), gesellschaftlich verträgliche (Social) und unternehmerisch verantwortungsvolle (Governance) Prinzipien halten.

Ein Grund für die Investitionen ist Quinson zufolge, dass die Energiemärkte seit einigen Monaten eine massive Nachfrage verzeichnen. Die Folgen der Corona-Lockdowns sowie der Sanktionen gegen Russland haben das Angebot verknappt, Lieferketten unter Druck gesetzt und zu deutlichen Preissteigerungen bei vielen Rohstoffen und Industriemetallen geführt. Von diesem Preisauftrieb wollen einige ESG-Fonds nun offenbar profitieren.

Aber es gibt auch noch eine andere Erklärung: Demnach investieren ESG-Fonds eigenen Angaben zufolge auch bewusst in fossile Branchenvertreter, um dort als aktivistische Investoren für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu werben. So jedenfalls begründete der Robeco QI Emerging Conservative Equities-Fonds seine Beteiligungen an den chinesischen Energieriesen China Petroleum & Chemical Corp. (Sinopec) and PetroChina Co.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Ukraine-Konflikt: Selenskyj warnt vor Milliardenabkommen zwischen Russland und USA
12.02.2026

Während die Ukraine, die USA und Russland offiziell über ein Kriegsende verhandeln, spricht Präsident Selenskyj von möglichen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsenindizes treten auf der Stelle: Starke Beschäftigungsdaten dämpfen Zinssenkungserwartungen
11.02.2026

Die US-Börsenindizes beendeten den Handelstag am Mittwoch mit minimalen Veränderungen, da ein stärker als erwartet ausgefallener...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stromausfall oder Blackout: Deutsche Firmen sind schlecht auf einen Ernstfall vorbereitet
11.02.2026

Trotz einer verschärften Sicherheitslage ist die deutsche Wirtschaft nur unzureichend gegen hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe oder...

DWN
Politik
Politik Europas Verhandlungskurs auf dem Prüfstand: Russlands Finanzlage im Ukrainekrieg unter Druck
11.02.2026

Russlands wirtschaftliche Grenzen im Ukrainekrieg treten immer deutlicher hervor, während Europa über Gespräche mit dem Kreml nachdenkt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise unter Druck: KI-Rechenzentren treiben US-Strompreise in die Höhe
11.02.2026

Der Ausbau von KI-Rechenzentren treibt den Stromverbrauch in den USA nach oben und erhöht regional die Strompreise. Wie stark verändert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft: Krisen kosten Deutschland fast 1.000 Milliarden Euro
11.02.2026

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zoll-Streit: Seit 2020 reiht sich eine Krise an die andere. Das kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Studie: Weniger Rückhalt der Deutschen für Energiewende
11.02.2026

Fossile Energieträger wie Kohle und Gas sollen in Deutschland schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt werden - für mehr...

DWN
Politik
Politik Neuwahlen Ukraine: Selenskyj könnte Präsidentenwahl für 15. Mai ansetzen
11.02.2026

Die USA wollen ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs: Einem Bericht der Financial Times zufolge könnte Präsident Selenskyj die Flucht...