Politik

Wahlen in Italien: Zwei illustre Wahlkandidaten

Eine einstige Filmdiva und ein Ex-Formel-1-Weltmeister kandidieren für den italienischen Senat und sorgen in Italien für viel Gesprächsstoff. Damit führen sie eine etwas zweifelhafte Tradition fort.
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16.08.2022 12:20
Aktualisiert: 16.08.2022 12:20
Lesezeit: 2 min
Wahlen in Italien: Zwei illustre Wahlkandidaten
Gina Lollobrigida: Sie will mit 95 Jahren das erste Mal in das italienische Parlament einziehen. (Foto: dpa) Foto: Ettore Ferrari

Einstige Filmdiva und Formel-1-Weltmeister auf politischen Abwegen: Gina Lollobrigida und Emerson Fittipaldi wollen bei den nächsten Parlamentswahlen in Italien für den italienischen Senat kandidieren. Dabei lässt sich die mittlerweile 95-jährige Schauspielerin als unabhängige Spitzenkandidatin eines linksgerichteten Wahlbündnisses im Wahlkreis Latina in der Region Latium aufstellen.

Der italienische Filmstar, der vor allem in den 1950ern und 1960ern an der Seite von Anthony Quinn in "Der Glöckner von Notre Dame" und in "Fremde Bettgesellen" an der Seite von Rock Hudson ihre größten Erfolge feierte, betritt dabei kein Neuland. Denn sie wagte sich bereits 1999 ohne Erfolg in die Politik. Damals ließ sie sich für die Demokaraten von Ex-Premierminister Romano Prodi für die Wahlen zum Europäischen Parlament aufstellen, konnte jedoch mit rund 10.000 Vorzugsstimmen nicht in das einzig direkte gewählte Organ der EU einziehen.

Den Kontakt zum Wahlbündnisse hat der ehemalige Richter Antonio Ingroia hergestellt. Er fungiert auch als Lollobrigidas Vormund in Vermögensangelegenheiten. Selbst rechtfertigt sie ihre Kandidatur damit, dass sie etwas Gutes tun wolle, weil das Land so schlecht dastehe und die Politiker untereinander zerstritten sind.

Ius Sanguinis

Ebenfalls wissen will es der zweifache Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi. Er lässt es sich nicht nehmen, mit der neofaschistischen Partei Fratelli d`Italia von Giorgia Meloni ins politische Cockpit zu steigen. Zuvor hat sich der italo-brasilianische Ex-Pilot im Rennen um einen Platz im italienischen Senat noch den Segen des brasilianischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro abgeholt.

Fittipaldi kandidiert dabei für den südamerikanischen Wahlkreis, der einer der vier italienischen Wahlkreise des sogenannten Überseewahlkreises ist. Allein in Brasilien gibt es dabei rund 233.000 Wahlberechtigte für den italienischen Senat.

Bei einer Wahl will sich der fast 76-jährige Ex-Formel-1-Pilot für die Verteidigung des Blutrechts – der sogenannten Ius Sanguinis – einsetzen. Als Ius Sanguinis, sprich Recht des Blutes, wird im Staatsbürgerschaftsrecht das Abstammungsprinzip bezeichnet, wonach ein Kind unabhängig von seinem Wohnort die Staatsbürgerschaft seiner Eltern erhält.

Weiter möchte er, dass von italienischen Eltern abstämmige Sportler ohne Einschränkungen bei italienischen Sports-Meisterschaften teilnehmen können und das Einbürgerungsverfahren beschleunigt wird.

Zwei schillernde Persönlichkeiten aus der Vergangenheit

Bleibt abzuwarten, wie die italienischen Wähler am 25. September auf die zwei aus der Vergangenheit zurückgeholten ehemals schillernden Persönlichkeiten reagieren, sie ernst nehmen, oder in ihnen doch nur einen Werbegag der jeweiligen Parteien sehen.

Allerdings: Beide sind sie nicht die ersten Kandidaten, die aus der Sport- oder Unterhaltungsszene kommend, den Einzug in das italienische Parlament schaffen könnten. Vor ihnen ist das bereits anderen gelungen. Allen voran dem ehemaligen Fußballidol des italienischen Vereins AC Mailand, Gianni Rivera, und Ilona Staller, einer aus Ungarn stammenden Porno-Diva und Ex-Ehefrau des US-amerikanischen Künstlers Jeff Koones.

Gianni Rivera gehörte von 1987 bis 2001 dem italienischen Abgeordnetenhaus an, und hat es in den Mitte-links-Regierungen von Romano Prodi, Massimo D`Alema und Giuliano Amato zwischen 1996 und 2001 immerhin zum Unterstaatsekretär im Verteidigungsministerium gebracht. Später zog er noch ins Europäische Parlament ein.

Für mehr Aufregung sorgte in Italien 1987 die Wahl von Ilona Staller, besser bekannt als "Cicciolina.“ Zwar hat sie wenig mit Gina Lollobrigida gemein, allerdings schaffte sie auf der Liste der Radikalen Partei des enfant terrible der italienischen Politik, Marco Pannella, den Sprung in das italienische Abgeordnetenhaus. Als eine besondere Duftnote ihrer Wahlkampfauftritte entblößte sie dabei jedes Mal ihre Brüste – als ihre ganz persönliche Kampfansage an die italienische Politik.

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