Deutschland

Deutsches Konsumklima sinkt auf historisches Rekordtief

Der GfK-Konsumklimaindex ist im September auf ein neues Rekordtief eingebrochen. Aus Furcht vor hohen Energiekosten halten die Deutschen ihr Geld zusammen.
26.08.2022 09:12
Aktualisiert: 26.08.2022 09:12
Lesezeit: 2 min

Energiekrise und Inflation in Deutschland drücken die Konsumstimmung auf ein Rekordtief. Das Barometer der Nürnberger GfK-Marktforscher signalisiert für September einen überraschend starken Rückgang um 5,6 Zähler auf minus 36,5 Punkte. Es fällt damit zum dritten Mal in Folge, wie die GfK am Freitag mitteilte. Seit Beginn der Erhebung der Verbraucherlaune für Gesamtdeutschland 1991 wurde kein schlechterer Wert gemessen. "Der sprunghafte Anstieg der Sparneigung in diesem Monat lässt das Konsumklima seine steile Talfahrt fortsetzen. Es erreicht zum wiederholten Male ein neues Rekordtief", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Die Sparneigung der Deutschen sei so groß wie seit Juli 2011 nicht mehr. "Die Furcht vor deutlich höheren Energiekosten in den kommenden Monaten zwingt viele Haushalte zur Vorsorge und dazu, Geld für zukünftige Energierechnungen auf die Seite zu legen", so Bürkl. Dies belaste das Konsumklima weiter, da weniger Geld für den übrigen Konsum oder Einkäufe zur Verfügung stehe. Zudem könne sich die Situation in den kommenden Wochen und Monaten noch verschärfen, wenn in der anstehenden Heizperiode das Angebot an Brennstoffen und vor allem an Gas nicht ausreiche. "Dies würde zu einem weiteren Preisanstieg führen und die Heizkostenabrechnungen zusätzlich in die Höhe treiben."

Banken-Volkswirte schätzen die Lage ähnlich ein. "Wer Monat für Monat für den gleichen Betrag immer weniger im Einkaufswagen hat, der verliert schlicht und ergreifend die Freude am Konsum", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Konsumlust wird zu Konsumfrust." Damit dürfte der private Konsum - der im Frühjahr die deutsche Wirtschaft noch gestützt hat - vorerst als Konjunkturmotor ausfallen. "Die Frage ist nicht, ob der Konsum fällt, sondern wie schlimm", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger. "Es zählt, über die Runden zu kommen, statt Konsumpläne zu schmieden."

In anderen europäischen Ländern hellte sich die Kauflaune dagegen überraschend auf: Sowohl in Frankreich als auch in Italien kletterten die entsprechenden Barometer, wie die jeweiligen Statistikämter mitteilten. Allerdings verharrten sie weit unter ihren normalen Niveaus.

In Deutschland stabilisierte sich nach zuvor zwei Rückgängen in Folge das GfK-Teilbarometer für die Konjunktur zumindest und legte minimal zu. "Trotz der leichten Verbesserung in diesem Monat bleibt die Rezessionsgefahr aus Sicht der deutschen Verbraucher hoch", betonten die Marktforscher aber. Viele Unternehmen machten sich derzeit große Sorgen um die Entwicklung der zuletzt explosionsartig gestiegenen Energiepreise. Die Firmen seien zudem verunsichert, ob sie im kommenden Winter überhaupt an genügend Energie kommen. Wegen der anhaltenden Lieferengpässe gebe es das Risiko von Produktionseinschränkungen. "Dies würde eine Rezession wahrscheinlicher machen."

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im August erneut leicht eingetrübt. Darauf deutet der Ifo-Geschäftsklimaindex hin, der bereits den dritten Monat in Folge sank und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2020 abrutschte.

Die Einkommenserwartungen waren im vergangenen Monat auf ein Rekordtief gesunken und kletterten nun im August minimal. "Steigende Preise knabbern an der Kaufkraft der privaten Haushalte", hieß es. Die Inflation schwächte sich im Juli etwas ab auf 7,5 Prozent, aber der Wegfall von Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket Ende August dürften für weiteren Preisauftrieb sorgen. Die Bereitschaft der Deutschen, größere Einkäufe zu tätigen, ließ den siebten Monat in Folge nach und fiel auf den niedrigsten Wert seit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Oktober 2008.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Prognose 2026: Bremst das Baukreditgeschäft alles aus?
15.03.2026

Nach einem hoffnungsvollen 2025 wird die Preisentwicklung für Immobilien laut Greis-Kaufpreisindex im laufenden Jahr 2026 wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Mazda 6e im Vergleich: Wie wettbewerbsfähig ist das Elektromodell?
15.03.2026

Die neue Mazda 6e entsteht auf chinesischer Plattform und markiert einen strategischen Neustart für die Baureihe Mazda6. Kann das...

DWN
Technologie
Technologie Immer mehr US-Forschende zieht es nach Deutschland
15.03.2026

Aus politischen Gründen geht das Weiße Haus gegen Elite-Unis vor. Für Wissenschaftler und Studierende aus den USA wird Deutschland daher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI trifft auf SaaS: Steht die Softwarebranche vor einem Strukturwandel?
15.03.2026

Künstliche Intelligenz verändert die wirtschaftliche Logik der Softwarebranche und setzt das klassische SaaS-Modell unter Druck. Steht...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg heizt Energiepreise an: Investoren suchen Absicherung
15.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und zwingt Investoren weltweit, ihre Strategien angesichts steigender Öl- und Gaspreise...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardär warnt: Wir stehen vor einem totalen Umsturz unserer Gesellschaft
14.03.2026

Der dänische Investor und Milliardär Lars Seier Christensen warnt vor massiven Verwerfungen in der Gesellschaft und in der Wirtschaft....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft OSINT: Wie Satellitendaten Staaten und Konzerne kontrollierbar machen
14.03.2026

Satelliten blicken längst nicht mehr nur für Militärs und Geheimdienste auf die Erde. Mit frei zugänglichen Satellitendaten und OSINT...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Anspruch auf Bildungsurlaub: Mangelndes Wissen bremst Inanspruchnahme – was Sie beachten müssen
14.03.2026

Fortbildungen ermöglichen eine berufliche und private Weiterentwicklung. Doch viele Menschen in Deutschland sind trotz Interesse über...