Finanzen

Razzia bei JP Morgan: Staatsanwaltschaft durchsucht Filiale in Frankfurt

Die Ermittlungen zu den illegalen Cum-Ex-Aktiengeschäften weiten sich auf eine weitere US-Bank aus.
31.08.2022 11:19
Aktualisiert: 31.08.2022 11:19
Lesezeit: 1 min

Im milliardenschweren "Cum-Ex"-Steuerskandal hat es erneut eine Razzia bei einer Bank in Frankfurt gegeben. Eine Sprecherin des US-Instituts JP Morgan teilte am Mittwoch mit, dass Ermittler diese Woche Büros des Geldhauses am Finanzplatz aufgesucht haben. Man kooperiere weiter mit den deutschen Behörden, hieß es. Nähere Angaben machte sie nicht.

Die Staatsanwaltschaft Köln teilte mit, sie vollstrecke seit Dienstag Durchsuchungsbeschlüsse gegen eine Bank in Frankfurt sowie gegen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Zusammenhang mit "Cum-Ex"-Verfahren. Beteiligt seien neben Vertretern der Staatsanwaltschaft rund 55 Ermittler der Kriminalpolizei Münster und weiterer Polizeidienststellen, Steuerfahnder, das Bundeszentralamt für Steuern sowie EDV-Sachverständige, hieß es. Den Namen der durchsuchten Bank nannte die Staatsanwaltschaft nicht.

In den "Cum-Ex"-Skandal sind viele Banken verstrickt. Dabei nutzten Investoren eine Gesetzeslücke, um den Fiskus über Jahre um Steuern zu prellen. Dabei schoben Banken und andere Investoren rund um den Dividendenstichtag Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch hin und her. Am Ende erstatteten Finanzämter Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Dem Staat entstand geschätzt ein zweistelliger Milliardenschaden. 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen. Im Sommer 2021 stellte der Bundesgerichtshof fest, dass "Cum-Ex"-Geschäfte als Steuerhinterziehung zu bewerten sind.

Mehrere Staatsanwaltschaften und Gerichte arbeiten den Skandal auf. Druck macht vor allem die Staatsanwaltschaft Köln. In den vergangenen Monaten hat sie schon Büros der US-Banken Merrill Lynch und Morgan Stanley , der britischen Großbank Barclays , der schwedischen Bank SEB sowie der Dekabank in Frankfurt durchsucht.

Eine treibende Kraft der "Cum-Ex"-Deals hierzulande, der Steueranwalt Hanno Berger, muss sich an den Landgerichten Wiesbaden und Bonn wegen Verdachts der Steuerhinterziehung verantworten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Die wirtschaftlichen Aspekte von kostenlosen Testversionen und wiederkehrenden Zahlungen

Kostenlose Testversionen sind der erste Schritt im Marketing. Damit können Nutzer einen Dienst ausprobieren, bevor Geld fließt und die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg treibt Preise: Europas Konsum kippt
09.04.2026

Der Iran-Krieg trifft Europas Haushalte direkter als viele erwarten: Preise steigen, Spielräume schrumpfen. Verbraucher reagieren –...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Waffenruhe im Nahen Osten: Exporteure schöpfen neue Hoffnung
09.04.2026

Der Start ins Jahr verlief schwach, die Folgen des Iran-Krieges sind noch nicht verarbeitet. Dennoch rechnen Deutschlands Exporteure...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mazda CX-30 im Test: Was der SUV wirklich kann
09.04.2026

Der CX-30 ist der kleinste SUV im Modellangebot von Mazda. Angetrieben wird er von einem Benzinmotor, ein Automatikgetriebe sorgt für...

DWN
Politik
Politik Wohin ist das Sondervermögen verschwunden? Bis zu 95 Prozent sind versickert
09.04.2026

Ein Jahr nach dem 500-Milliarden-Euro-Versprechen für Schiene, Brücken und Klima ziehen Top-Ökonomen eine ernüchternde Bilanz. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen Frankreich zieht Goldreserven aus den USA ab: Welche Folgen hat das für Europa?
08.04.2026

Frankreich ordnet seine Goldreserven neu und verlagert zentrale Bestände aus den USA nach Europa. Steht Europa damit vor einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreis-Entlastung: Streit in der Koalition verschärft sich
08.04.2026

Die Hoffnung auf sinkende Energiepreise nach geopolitischer Entspannung erfüllt sich bislang nicht. Stattdessen rückt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis aktuell unter Druck: Märkte reagieren auf Feuerpause
08.04.2026

Nach politischen Signalen der Entspannung fällt der Ölpreis aktuell deutlich. Anleger reagieren nervös, während Unsicherheiten weiter...

DWN
Politik
Politik Trump droht mit 50-Prozent-Zöllen gegen Iran-Partner – das könnten die Folgen sein
08.04.2026

Mit drastischen 50-Prozent-Zöllen erhöht Donald Trump den Druck auf Irans Unterstützer. Gleichzeitig kündigt er weitreichende...