Gemischtes

Gesundheits-Apokalypse droht: Antibiotika verlieren Wirkung

Lesezeit: 2 min
08.12.2013 01:53
Der massive Einsatz von Antibiotika in Medizin und Landwirtschaft führt dazu, dass Bakterien mutieren und resistent werden. Innerhalb nur einer Generation könnten alle vorhandenen Antibiotika wirkungslos werden. Wissenschaftler sehen in dieser Entwicklung die größte Gefahr der Zukunft für die westlichen Gesellschaften.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Wirkung von Antibiotika gegen Infektionskrankheiten geht massiv zurück. Denn die Bakterien mutieren und werden resistent. Wissenschaftler warnen: Nicht die Schulden-Krise, nicht der Klima-Wandel - das Ende der Wirksamkeit von Antibiotika ist die größte Gefahre für die westliche Welt. In der FT, nicht gerade bekannt für alarmistische Töne, fragt Gillian Tett, ob wir die Apokalypse der Antibiotika vermeiden können. Tett ist irritiert, dass sich die breite Öffentlichkeit mit dieser immer drängender werdenden Frage bisher nicht beschäftigt hat.

Sie hält diese Ignoranz für einen schweren Fehler.

Vor sieben Jahrzehnten begannen die Ärzte im Westen damit, Antibiotika wie Penicillin im großen Stil einzusetzen, um Infektionen zu bekämpfen. Die Leute haben sich an diese Wundermedizin gewöhnt, zitiert die FT Sally Davies, Professorin für Medizin und Beraterin der britischen Regierung.

In ihrem neuesten Buch schreibt Davies, dass die Bakterien, die mithilfe der Antibiotika bekämpft werden, mutieren und resistent werden. Dies sei auf den massiven Einsatz von Antibiotika zurückzuführen, mitunter auch auf Missbrauch.

Innerhalb einer Generation könnten die vorhandenen Antibiotika wirkungslos werden. Die moderne Medizin könnte die Fähigkeit verlieren, viele Krankheiten und Infektionen zu bekämpfen.

Davies rechnet vor, dass schon heute jedes Jahr 25.000 Menschen in Europa sterben, weil Bakterien resistent gegen Antibiotika geworden sind. In den USA ist die Situation ähnlich. „Das ist dieselbe Zahl von Todesfällen [wegen Antibiotika-Resistenzen] wie die Zahl der Verkehrstoten“, sagt Davies.

Die Öffentlichkeit hat das Problem nicht erkannt, obwohl die Zahlen zur Antibiotika-Resistenz öffentlich verfügbar sind. Kürzlich warnte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, dass eines der stärksten Antibiotika, Carbapenem, seine Wirkung zu verlieren droht (mehr hier).

Davies sagt, es sei äußerst schwer, den Leuten die Gefahr bewusst zu machen. Es hat allerdings einige Maßnahmen gegeben. Einige Krankenhäuser haben ihre Hygiene verbessert und dadurch die Verbreitung resistenter Keime eingeschränkt.

Verschieden Staaten bemühen sich zudem, den Einsatz von Antibiotika in Medizin und Landwirtschaft zu senken, um die Bildung von Resistenzen verringern. Westliche Agrarunternehmen mischen dem Tierfutter große Mengen Antibiotika bei. In den USA werden 80 Prozent der Antibiotika in der Landwirtschaft eingesetzt.

Die Pharmakonzerne stellen heute keine neuen antibakteriellen Medikamente her. Denn die Wirksamkeit neuer Antibiotika lässt zu schnell nach. Davies sagt:

Seit 1987 ist kein neues Antibakterium mehr entwickelt worden (…) zum Teil deshalb, weil die Unternehmen nicht mehr genug Geld mit antimikrobiellen Substanzen verdienen, um Investitionen in die Forschung zu rechtfertigen.“

Künftige Generationen werden ohne das lebensrettende Medikament auskommen müssen. Denn die Politik erweist sich als unfähig, die Gefahr abzuwenden. Es drohen drastisch hohe Todeszahlen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Finanzen
Finanzen Zinswende: Mit Vorsatz in den nächsten Crash

Die Fed befindet sich in einem Teufelskreis: Lässt sie die Zinsen unangetastet, steigt die Inflation. Erhöht sie die Zinsen, brechen die...

DWN
Technologie
Technologie Wenn Russland den Hahn zudreht: "Dann gnade uns Gott"

Kernenergie, sagt der Diplomingenieur für Kernenergetik, Manfred Haferburg, ist sicher. Die deutsche Energiewende hingegen sieht er...

DWN
Deutschland
Deutschland Andrij Melnyk: Der Mann mit dem Zeigefinger

Der ukrainische Botschafter mag noch so sehr im Recht sein - er läuft Gefahr, potentielle Unterstützer zu verprellen.

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Warum die Sanktionen des Westens an Russland abprallen

Analysten sind überrascht, dass die Sanktionen des Westens der russischen Wirtschaft kaum Schaden zufügen. Russland war offenbar gut auf...

DWN
Politik
Politik Nach Niederlage in Mariupol: Ukraine fürchtet russische Offensive im Donbass

Nachdem die russischen Truppen die Hafenstadt Mariupol erobert haben, befürchtet die Ukraine nun eine Offensive im nahegelegenen Donbass.

DWN
Politik
Politik Machtwechsel in Australien: Premier räumt Wahlniederlage ein

Australiens Konservativen von Ministerpräsident Scott Morrison müssen nach fast neun Jahren abtreten. Doch die Labor-Partei benötigt...

DWN
Deutschland
Deutschland ADAC startet bundesweite Fahrrad-Pannenhilfe

Pannenhilfe und individuelle Mobilität stehen für den ADAC weiterhin an erster Stelle. Nun auch, wenn ein Mitglied mit dem Fahrrad...