Finanzen

Irland ist nach dem Bail-Out eine Kolonie der Großbanken

Lesezeit: 1 min
16.03.2014 00:06
Die Bankenrettung mit Steuergeldern hat in Irland dazu geführt, dass das Land faktisch keinen eigenen Bankensektor mehr hat. Alle wichtigen Geschäfte laufen über Schattenbanken, die den internationalen Großbanken gehören. Irland ist so zu einer Banken-Kolonie geworden.

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Irlands eigener Bankensektor bestimmt längst nicht mehr den Finanzdienstleistungs-Kreislauf der Insel. Das machen mit geschätzten 70 Prozent aller irischen Finanzgeschäfte die Schattenbanken. Das International Financial Services Centre (IFSC) in Dublin wurde inzwischen zum Zentrum von undurchsichtig agierenden Vermögensverwaltern wie Hedgefonds, Index- und Geldmarktfonds sowie Investmentbanken.

Irlands Banken hatten sich in der Vergangenheit massiv verspekuliert. Es gab zu viele große Banken und einen aufgeblasene Bauwirtschafts-Sektor. Als die Banken während der Finanzkrise in Schieflage gerieten, brachte das Irland in die Nähe des Staatsbankrotts. Der Staat musste unter den europäischen „Rettungsschirm“. Als Konsequenz daraus stieg die Staatsverschuldung.

Nun sind die irischen Banken gewissermaßen „tot“, dafür leben dort jetzt die Schattenbanken auf.

„Volkswirte der irischen Zentralbank schätzen, dass 70 Prozent des Finanzgeschäfts in Irland außerhalb des regulären Bankensektors stattfindet – die darbenden heimischen Kreditinstitute sind, so gesehen, nur noch ein Anhängsel der Schattenbanken“, meldete vor kurzem die FAZ.

Schattenbanken, oder auch "Nichtbanken-Bankensektor" genannt, sind Hedgefonds und Geldmarktfonds. Diese wiederum sind eng verflochten mit Investmentfonds und Versicherungsgesellschaften.

„Schatten-Banken-, Versicherungs-Riesen und „over the counter“- (OTC) Derivate sind die größten Herausforderungen der globalen Finanzaufsicht auf ihrer Liste der ‚unerledigten Aufgaben‘, erläuterte Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret Anfang des Jahres in einem Interview, mehr dazu hier.

„Trotz der schlechten Erfahrungen der vergangenen Jahre werden in Irland von Banken und Fonds auch heute noch mehr Zweckgesellschaften gegründet als in jedem anderen Land der Europäischen Union. Ende 2013 gab es auf der Grünen Insel 726 solcher Finanzvehikel, die mit einem extrem hohen Fremdkapitalhebel operieren und deren Eigentümerstrukturen häufig undurchsichtig sind“, schreibt die FAZ.

Das Problem dabei: Schattenbanken unterliegen in der EU bisher keiner Regulierung. Die neuen, von der EU-Kommission angedachten Regeln, werden erst nach drei Jahren in Kraft treten.

Der irischen Wirtschaft dagegen helfen die Schattenbanken so gut wie gar nichts. Im vierten Quartal 2013 schrumpfte die irische Wirtschaft um 2,3 Prozent, hier.

Das widerspricht den leidlich bekannten Aussagen: „Irland ist auf einem guten Weg“.

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