Finanzen

Erstmals seit 1998: Japan plant Stützung des Yen

Japans Notenbank bereitet einen Eingriff am Devisenmarkt vor, um den Yen zu stützen, der zuletzt massiv abgestürzt ist. Solche Eingriffe sind in Japan äußerst selten.
14.09.2022 10:19
Aktualisiert: 14.09.2022 10:19
Lesezeit: 1 min
Erstmals seit 1998: Japan plant Stützung des Yen
Steigende Aktienkurse bringen Anlegern keinen Gewinn, wenn zugleich der Yen zusammenbricht. (Foto: dpa) Foto: Eugene Hoshiko

Die japanische Notenbank bereitet sich einem Medienbericht zufolge wegen der starken Abwertung der Landeswährung Yen auf einen Eingriff am Devisenmarkt vor. Die Währungshüter hätten einen Kurstest durchgeführt, wie die japanische Zeitung Nikkei am Mittwoch unter Berufung auf Insider berichtete. Dabei werden Devisenhändler angerufen und nach dem Preis für Kauf und Verkauf des Yen gefragt. Diese Kursüberprüfung wird als möglicher Vorläufer für eine Intervention gesehen.

Der Yen-Kurs stieg nach dem Bericht leicht von einem fast 24-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar an und wurde zuletzt bei 143,89 gehandelt. Die Währung hat in diesem Jahr bisher rund 20 Prozent an Wert verloren. Grund dafür ist, dass die Notenbank an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festhält, während andere große Industriestaaten wegen der Inflation ihre Zinsen stark angehoben haben. Das macht japanische Vermögenswerte für Investoren weniger attraktiv.

Abgesehen von verbalen Warnungen haben die japanischen Entscheidungsträger mehrere Möglichkeiten, den Kursverfall des Yen zu stoppen. Eine davon ist die direkte Intervention auf dem Devisenmarkt, indem sie Dollar verkauft und große Mengen Yen aufkauft.

Finanzminister Shunichi Suzuki hatte zuvor gesagt, dass die Regierung Interventionen in Betracht ziehe. "Die jüngsten Kursbewegungen sind schnell und einseitig, und wir sind sehr besorgt", sagte Suzuki. "Wenn sich solche Bewegungen fortsetzen, müssen wir darauf reagieren, ohne irgendwelche Optionen auszuschließen." Dabei müssten alle verfügbaren Optionen abgewogen werden.

Diese Bemerkung war die bisher deutlichste Äußerung von Regierungsvertretern, die auf einen Eingriff am Devisenmarkt hindeuten. Die Yen-Schwäche, die einst zur Ankurbelung der Exporte begrüßt wurde, bereitet den japanischen Entscheidungsträgern inzwischen zunehmend Kopfzerbrechen. Der Grund: Sie schadet Haushalten und Einzelhandel, da dadurch die ohnehin schon steigenden Preise für importierte Kraftstoffe und Lebensmittel zusätzlich in die Höhe getrieben werden.

Interventionen zum Ankauf des Yen waren bisher sehr selten. Das bislang letzte Mal, dass Japan zur Stützung seiner Währung intervenierte, war im Jahr 1998. Damals hatte die asiatische Finanzkrise einen Yen-Ausverkauf und einen raschen Kapitalabfluss aus der Region ausgelöst. Davor hatte Tokio in den Jahren 1991 bis 1992 interveniert. (rtr)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Chip-Aktien: China könnte den Markt verändern
30.07.2026

Ein weiterer neuer chinesischer KI-Akteur hat den Markt im Sturm erobert. Investoren glauben, dass er den Markt unter Druck setzen könnte,...

DWN
Politik
Politik Wahlen im Osten: AfD bleibt in Sachsen-Anhalt klar vorn – kleinere Parteien legen zu
30.07.2026

Mehrere Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt behauptet die AfD ihren deutlichen Vorsprung. Eine neue Umfrage zeigt zugleich: Auch...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Zinsen bleiben stabil: Kommt die Erhöhung im September?
30.07.2026

Die US-Zinsen bleiben vorerst unverändert, doch die Debatte über eine mögliche Erhöhung im September läuft bereits. Der KI-Boom macht...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Warum der Osten gegen Merz rebelliert
30.07.2026

Kaum ist der CDU-interne Streit um die Kabinettsumbildung entschärft, droht Bundeskanzler Friedrich Merz neuer Ärger. Drei ostdeutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt nach Ende des Tankrabatts auf 2,8 Prozent
30.07.2026

Der Tankrabatt ist ausgelaufen, der Iran-Krieg hält an: Für Verbraucher in Deutschland sind das schlechte Vorzeichen. Im Juli zog die...

DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie unter Druck: Wall Street zweifelt an Zuckerbergs KI-Offensive
30.07.2026

Mark Zuckerberg setzt bei Meta weiter auf große KI-Visionen. Doch an der Börse wächst die Skepsis: Trotz ambitionierter Pläne für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF verdient wieder Geld – doch die Last bleibt
30.07.2026

ZF schreibt nach zwei Verlustjahren wieder schwarze Zahlen und bestätigt seine Jahresziele. Doch fast zehn Milliarden Euro Schulden,...

DWN
Technologie
Technologie EU startet Milliardenprojekt für sieben KI-Gigafactories
30.07.2026

Knapp 10 Milliarden Euro Fördermittel stehen bereit – wer setzt sich im Rennen um Europas KI-Zukunft durch? Die Telekom, Schwarz Digits...