Politik

Deutschland erhält Flüssiggas aus den Emiraten

Die Vereinigten Arabischen Emirate werden Deutschland Flüssiggas liefern. Bundeskanzler Olaf Scholz unterzeichnete dazu in Abu Dhabi ein Rahmenabkommen.
26.09.2022 10:08
Aktualisiert: 26.09.2022 10:08
Lesezeit: 2 min
Deutschland erhält Flüssiggas aus den Emiraten
Scheich Mohammed Bin Sajid, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, und Bundeskanzler Olaf Scholz am Sonntag im Al Shati Palast in Abu Dhabi. (Foto: dpa/UAE Presidential Court/AP | Mohamed Al Hammadi) Foto: Mohamed Al Hammadi

Als Ersatz für ausbleibende Energielieferungen aus Russland erhält Deutschland Flüssiggas (LNG) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Während des Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz in dem Golfstaat schloss der Essener Energiekonzern RWE am Sonntag einen Vertrag über eine erste Lieferung von 137 000 Kubikmetern LNG ab. Es soll die erste Lieferung sein, die im Dezember 2022 am neuen LNG-Terminal in Brunsbüttel bei Hamburg eintreffen soll. Laut RWE wurde ein Memorandum über mehrjährige Lieferungen ab 2023 unterzeichnet.

Zum Vergleich: Vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine floss allein am 1. Februar nach Angaben des Betreibers Gas mit einer Energiemenge von circa 1,76 Milliarden Kilowattstunden durch die Pipeline Nord Stream 1. Die jetzt vereinbarte erste Lieferung von 137 000 Kubikmetern Flüssiggas für RWE per Schiff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten entspricht etwa 0,95 Milliarden Kilowattstunden.

Scholz kündigte während des Besuchs an, die Zusammenarbeit mit den Emiraten im Energiebereich weiter vorantreiben zu wollen. Man habe bereits "eine ganze Reihe" von Diesel- und Flüssiggasprojekten mit dem Golfstaat vorangebracht, sagte der SPD-Politiker in Abu Dhabi. Bei der Energieversorgung müsse man auf möglichst viele Anbieter setzen. Die Abhängigkeit von einem Lieferanten "wird uns sicherlich nicht wieder passieren", betonte Scholz.

Laut der Vereinbarung vom Sonntag soll der emiratische Staatskonzern ADNOC ab 2023 monatlich auch bis zu 250 000 Tonnen Dieseltreibstoff nach Deutschland liefern. Die Vereinbarung darüber wurde mit dem niedersächsischen Energieunternehmen Hoyer geschlossen.

Die emiratische Staatsagentur WAM teilte mit, der emiratische Präsident Mohammed bin Sajid und Scholz hätten "Zusammenarbeit, Dialog und Vorrang diplomatischer Lösungen" als Schlüssel bezeichnet im Umgang mit "verschiedenen Problemen und Krisen".

Bis zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bezog Deutschland noch 55 Prozent seines Erdgases aus Russland. Inzwischen sind die Lieferungen von dort zum größten Teil eingestellt und die deutschen Gasversorger suchen nach neuen Bezugsquellen. Die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über die siebtgrößten Erdgasvorkommen weltweit. Es wurde erwartet, dass während des Kanzlerbesuchs ein Vertrag über die Lieferung von Flüssiggas (LNG) nach Deutschland unterzeichnet wird.

Der emiratische Staatskonzern ADNOC mit Sitz in der Hauptstadt Abu Dhabi wurde nach seiner Gründung 1971 mit einer Tochterfirma zu einem Vorreiter bei der LNG-Produktion am Persischen Golf. Im Februar hatte ADNOC erstmals die Entdeckung bedeutender Mengen Erdgas in Offshore-Feldern vor der Küste Abu Dhabis verkündet.

Die Gewinne aus den Öl- und Gasexporten machen für die Emirate weiterhin den Großteil im Staatshaushalt aus. Das Land hält nach Angaben der US-Energiebehörde EIA die siebtgrößten nachgewiesenen Erdgas-Vorkommen der Welt mit rund sechs Billionen Kubikmetern. 2008 wurde das Land zum Netto-Gasimporteur wegen der steigenden Nachfrage zu Hause. Die Flüssiggas-Exporte gingen bisher vor allem nach Asien.

Jenseits von Fragen der Energieversorgung in Deutschland unterzeichnete der deutsche Softwarekonzern SAP im Zuge der Scholz-Reise eine Absichtserklärung mit der Regierung von Abu Dhabi für eine engere Zusammenarbeit. Laut SAP geht es um eine Industriestrategie zur Transformation der Wirtschaft Abu Dhabis. Unter anderem soll nachhaltiges Wachstum vorangetrieben, das Ökosystem für lokale Händler gestärkt und der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft gefördert werden. Das Emirat Abu Dhabi ist das größte der insgesamt sieben Emirate des Landes.

Am Sonntag sollte Scholz noch weiter nach Katar reisen. Das reiche Emirat verfügt nach Russland und dem Iran über die drittgrößten Gasreserven weltweit und ist der führende Exporteur von Flüssiggas (LNG). In Katar wurden aber keine Vertragsabschlüsse erwartet.

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