Wirtschaft

Europas unrealistische Forderungen gefährden LNG-Deals

Europas Politiker suchen dringend neue Gaslieferanten. Doch dabei stellen sie den potentiellen Partnern unrealistische Forderungen und behindern mögliche Deals.
Autor
24.09.2022 17:38
Aktualisiert: 24.09.2022 17:38
Lesezeit: 2 min
Europas unrealistische Forderungen gefährden LNG-Deals
Olaf Scholz wird von Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud empfangen. Nach Saudi-Arabien besucht der Kanzler dieses Wochenende auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Europas verzweifelte Suche nach Gaslieferungen wird durch unrealistische Forderungen der Käufer behindert, sagte Patrick Pouyanne, der Vorstandsvorsitzende von TotalEnergies, in der katarischen Hauptstadt Doha.

„Wenn Europa eine gewisse Versorgungssicherheit will, hat das seinen Preis“, zitiert ihn Bloomberg. Wenn man einen billigen Preis für eine kurze Zeitspanne haben wolle, dann laute die Antwort natürlich „nein“, so der Vorstandsvorsitzende.

Die europäischen Käufer drängen auf kurzfristige Verträge zum Kauf von Flüssigerdgas (LNG), sind aber nicht bereit, höhere Preise zu zahlen, sagte Pouyanne. „Es ist keine Frage der Politik, es ist eine Frage des Preises und der Liefermengen.“

TotalEnergies wird einen Anteil von 9,375 Prozent an North Field South halten, sagte Katars Energieminister Saad Al-Kaabi am Samstag. Das Projekt wird Katars Flüssiggaskapazität auf 126 Millionen Tonnen erhöhen.

Total und andere internationale Ölgesellschaften werden sich mit 25 Prozent an dem Projekt beteiligen, während das Land den Rest behält, so Kaabi. Weitere Investitionen könnten in den kommenden Wochen angekündigt werden.

Katar steigert seine Gasproduktion und seine Verflüssigungskapazitäten, da die Nachfrage nach diesem Energieträger weltweit stark gestiegen ist. Das Angebot war bereits knapp, bevor der Beginn des Ukrainekriegs im Februar die Preise in die Höhe schnellen ließ.

Die Investition von TotalEnergies in das neue Projekt beläuft sich auf rund 1,5 Milliarden Dollar, sagte Patrick Pouyanne, Chairman und Chief Executive Officer des französischen Energieriesen, bei der Vertragsunterzeichnung in Katar.

„Wir sind in Katar nicht übermäßig exponiert, und wenn Saad etwas mehr geboten hätte, hätten wir auch etwas mehr genommen“, sagte er im Hinblick auf Energieminister Saad Al-Kaabi, der auch Vorstandsvorsitzender von Qatar Energy ist.

Kaabi zufolge laufen derzeit Gespräche mit den deutschen Energieunternehmen Uniper und RWE, da Bundeskanzler Olaf Scholz an diesem Wochenende die Region besucht, um Verträge über LNG- und Wasserstofflieferungen zu unterzeichnen.

Die Bundesregierung hält sich bisher bedeckt, ob auf der Reise tatsächlich Abschlüsse etwa zum Bezug von LNG-Gas abgeschlossen werden, wie es Wirtschaftsminister Robert Habeck angekündigt hatte. Katar sagt, dass Gespräche mit Deutschland über LNG-Verträge laufen.

TotalEnergies war das erste ausländische Unternehmen, das im Juni eine Beteiligung an einem anderen katarischen Projekt, North Field East, erwarb. TotalEnergies besitzt 6,25 Prozent dieses Projekts mit einer Kapazität von 33 Millionen Tonnen pro Jahr, dessen Bau 29 Milliarden Dollar kosten wird. Total investierte in dieser Phase etwa 2 Milliarden Dollar, so Pouyanne.

Katar wird Jahre brauchen, um LNG-Nachfrage zu bedienen

Die Expansionspläne werden es Katar zwar ermöglichen, die wachsende weltweite Nachfrage nach LNG zu bedienen, doch wird die Fertigstellung beider Projekte mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Nach den bisher angekündigten Zeitplänen werden die ersten Ladungen aus dem Nordfeld Ost Katar Ende 2025 oder Anfang 2026 verlassen. Das Nordfeld Süd soll ab 2027 erste Lieferungen beginnen.

Die Staaten Europas bemühen sich derzeit, die russischen Erdgaslieferungen, auf die sie über viele Jahrzehnten im Winter vertrauen konnten, durch alternative Importe zu ersetzen. Denn seit dem 31. August dieses Jahres fließt kein Gas mehr durch Nord Stream 1, Russlands größte Pipelineverbindung nach Europa. Auch gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass die Lieferungen wieder aufgenommen werden könnten.

Die europäischen Gaspreise sind auf mehr als das Siebenfache ihres saisonüblichen Niveaus angestiegen und haben die Wirtschaft des Kontinents an den Rand einer Rezession gebracht.

Mehrere europäische Staats- und Regierungschefs sind bereits in die katarische Hauptstadt Doha gereist, um sich dort mehr Gas zu sichern. Der jüngste ist der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz, der für Sonntag einen Besuch in Katar geplant hat.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
25.09.2026

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
25.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
25.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Defekte Schraube an der Lenkung: Großrückruf bei VW, Audi und Seat
25.09.2026

Wegen möglicher Mängel an der Lenkung muss der Volkswagen-Konzern bundesweit fast eine Million Fahrzeuge der Marken VW, Audi und Seat in...

DWN
Politik
Politik Protest gegen den Zwang: Zehntausende Schüler gehen gegen drohende Wehrpflicht auf die Straße
25.09.2026

Die Sorge vor einer Rückkehr der Wehrpflicht treibt die Jugend auf die Straße. Mit einem bundesweiten Aktionstag fordert eine...

DWN
Politik
Politik Neue Sitzordnung und Streit um Ausschüsse: Landtag von Sachsen-Anhalt vor Neuausrichtung
25.09.2026

Im Landtag von Sachsen-Anhalt stehen vor der anstehenden konstituierenden Sitzung spürbare Veränderungen an. Neben optischen Anpassungen...