Politik

Nach Referenden: Regionen beantragen Anschluss an Russland

Nachdem die Referenden in vier Regionen der Ukraine eine hohe Zustimmung ergeben haben, beantragen deren Verwalter nun offiziell die Eingliederung in die Russische Föderation.
28.09.2022 14:09
Aktualisiert: 28.09.2022 14:09
Lesezeit: 2 min
Nach Referenden: Regionen beantragen Anschluss an Russland
Nach Angaben aus Kiew wurden die Menschen „mit vorgehaltener Waffe gezwungen“, an den Referenden über den Anschluss an Russland teilzunehmen. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Nach dem Abschluss der Referenden in besetzten Teilen der Ukraine haben von der Regierung in Moskau unterstützte Regierungen dort um einen Anschluss an Russland gebeten. Der Verwalter von Luhansk, der Separatistenführer Leonid Pasetschnik, sagte am Mittwoch, er habe Präsident Wladimir Putin entsprechend formell angerufen.

Der Verwalter von Cherson, Wladimir Saludo, erklärte ebenfalls, er habe sich an Putin gewandt. Die Bewohner seiner Region hätten eine „historische Entscheidung“ zugunsten Russlands getroffen, schrieb er auf Telegram.

Die Ukraine und der Westen bezeichnen die Abstimmungen als Scheinreferenden und haben angekündigt, die Ergebnisse nicht anzuerkennen.

Die Endergebnisse der Befragungen waren in der Nacht veröffentlicht worden. Demnach stimmte die Bevölkerung in Luhansk, Donesk, Saporischschja und Cherson mit zwischen 87 und gut 99 Prozent für einen Anschluss an Russland. Die Gebiete entsprechen zusammen grob der Fläche Portugals und würden 15 Prozent des ukrainischen Staatsgebietes ausmachen.

In einer Erklärung des Außenministeriums in Kiew hieß es, die Referenden seien null und nichtig. Man werde weiter für eine Befreiung des Territoriums kämpfen. „Dass die Menschen in diesen Gebieten mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurden, einige Papiere auszufüllen, ist ein weiteres russisches Verbrechen im Rahmen der Aggression gegen die Ukraine.“

Der Vorsitzende des russischen Oberhauses hat Beratungen der Kammer über die Eingliederung der Regionen für Dienstag ins Spiel gebracht.

Früheren Angaben zufolge könnte Putin bei einer Ansprache vor dem Parlament am Freitag die Aufnahme der besetzten Gebiete in die Russische Föderation ankündigen. Dann könnte die Regierung in Moskau die ukrainische Offensive zur Rückeroberung der Gebiete als einen Angriff auf Russland darstellen. Vergangene Woche erklärte Putin, er sei bereit, Atomwaffen einzusetzen, um die „territoriale Integrität“ seines Landes zu verteidigen.

Ehemaligen Einwohnern zufolge haben die Referenden zu einer Fluchtbewegung aus den betroffenen Gebieten geführt. Die größte Angst sei, dass dort sofort mit der Einberufung von Männern in die russische Armee begonnen werde, sobald die Regionen zu russischem Territorium erklärt würde, erklärte ein 43-jähriger Mann aus Dorf Golo Pristan in Cherson, der mit seiner Familie geflüchtet war. „Viele Leute lassen einfach alles hinter sich. Es gibt Orte, die komplett verlassen sind.“ Zudem herrsche in den besetzten Gebieten Gesetzlosigkeit. „Ganze Dörfer brechen auf.“ Die russischen Truppen ließen Personen aus den besetzten Teilen von Cherson und Saporischschja über einen Checkpoint weiter in die von der Ukraine kontrollierten Gebiete reisen.

Russland beschreibt den Einmarsch in die Ukraine als militärischen Sondereinsatz unter anderem mit dem Ziel, die russischsprachige Bevölkerung zu schützen. Der Westen und die Ukraine sprechen von einem Angriffskrieg. Zuletzt haben die ukrainische Streitkräfte einen Teil der besetzten Gebiete zurückerobert. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldreserven wachsen rasant: China kauft so viel Gold wie seit drei Jahren nicht
12.10.2026

Die chinesische Zentralbank ist auf dem besten Weg, bei den Goldreserven an den Zentralbanken Frankreichs und Italiens vorbeizuziehen. Nach...

DWN
Panorama
Panorama Klimaschutz bis 2045: Welche Kosten auf Deutschland zukommen
12.10.2026

Elektroautos, erneuerbare Energien und ein angepasstes Stromnetz: Deutschlands Weg zur Klimaneutralität verlangt hohe Investitionen. Eine...

DWN
Technologie
Technologie Handy-Sicherheit im Unternehmen: Ein verlorenes Smartphone kann alles lahmlegen
12.10.2026

Ein verlorenes Smartphone wirkt zunächst wie ein überschaubares Problem. Doch auf dem Gerät liegen längst E-Mails, Zugänge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ryanair-Aktie: Airline ändert Check-in-Regeln und verkürzt Zeit für die Gepäckaufgabe
12.10.2026

Ryanair-Passagiere müssen aufgegebenes Gepäck am Flughafen künftig früher abgeben. Die Fluggesellschaft verkürzt die Öffnungszeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Plus 20 Prozent: Briefporto könnte stärker steigen als jemals zuvor
12.10.2026

Das Briefporto könnte in Deutschland so stark steigen wie noch nie. Die Bundesnetzagentur hat einen neuen Preisspielraum vorgeschlagen,...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie steigt trotz sinkender Verkäufe: Was den Anlegern und dem Konzern Hoffnung gibt
12.10.2026

Volkswagen verkauft deutlich weniger Autos, doch die VW-Aktie legt zu. Vor allem China belastet den Konzern, während sich in Europa ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche Cayenne Elektro im Test: Dieser Luxus-SUV sprengt die Leistungsgrenzen
12.10.2026

1.156 PS, null auf 100 Kilometer pro Stunde in 2,5 Sekunden und bis zu 400 Kilowatt Ladeleistung: Der elektrische Porsche Cayenne Turbo...

DWN
Technologie
Technologie „Die Super-Firewall wird nicht reichen“: Ex-BND-Chef Gerhard Schindler über die Zukunft des Wirtschaftsschutzes
12.10.2026

Künstliche Intelligenz, Cyberangriffe und klassische Spionage verschmelzen zunehmend miteinander. Gerhard Schindler, von 2012 bis 2016...