Finanzen

US-Aktienmarkt verzeichnet längste Verlustserie seit dem Crash von 2008

Der US-Aktienmarkt ist nun drei Quartale in Folge gefallen. Auch der noch viel größere Anleihenmarkt bricht ein. Investoren glauben, dass die Märkte der Fed derzeit egal sind.
Autor
01.10.2022 10:23
Aktualisiert: 01.10.2022 10:23
Lesezeit: 3 min
US-Aktienmarkt verzeichnet längste Verlustserie seit dem Crash von 2008
An der New Yorker Börse geht es seit drei Quartalen bergab. Die Fed verfolgt derzeit andere Ziele. (Foto: Pixabay)

Am Freitag, dem letzten Handelstag des Monats September, ist der US-Aktienindex S&P 500 um weitere 1,5 Prozent gefallen. Damit erhöhte sich der Verlust im Quartal von Juni bis September auf 5,3 Prozent erhöhte. Der Index ist nun bereits drei Quartale in Folge gefallen, so viel wie seit dem lang anhaltenden Bärenmarkt des Jahres 2008 nicht mehr, der die Globale Finanzkrise begleitete.

Der technologielastige Nasdaq Composite fiel am Freitag ebenfalls um 1,5 Prozent und erreichte damit den schlechtesten Schlussstand des Index seit Juli 2020. Er beendete das Quartal mit einem Minus von 4,1 Prozent. Der Dow Jones Industrial Average fiel diese Woche um 1,7 Prozent.

Das Jahr 2022 war bisher schlecht für die US-Aktienkurse. Der Dow Jones ist im laufenden Jahr schon um 21 Prozent gefallen, der S&P 500 hat 25 Prozent verloren und der technologielastige Nasdaq Composite ist um 32 Prozent eingebrochen. Alle drei Indizes schlossen auf den niedrigsten Schlussständen seit 2020. Alle drei Indizes sind bereits drei Quartale in Folge gefallen.

Hintergrund ist, dass die Zentralbanken die Zinsen stark angehoben haben und weiter stark anheben werden. Dadurch entfällt die entscheidende Stütze für Wirtschaft und Märkte. Der Ausverkauf von US-Wertpapieren setzte sich in dieser Woche fort, nachdem die Bank of England intervenieren musste, um die Turbulenzen auf dem britischen Staatsschuldenmarkt zu beruhigen. Lael Brainard, Vizepräsidentin des Board of Governors der Fed, bekräftigte am Freitag, dass sich die US-Notenbank zwar der Marktstörungen bewusst sei, aber an einer strafferen Geldpolitik festhalte.

Nach Ansicht von Peter Tchir, dem Leiter der Makrostrategie bei Academy Securities, müssen sich Anleger mit der strafferen Geldpolitik abfinden. „Ich denke, dass der Markt heute erkennt, dass sich die Wirtschaft möglicherweise schnell verlangsamt, aber dass die Fed nichts dagegen tun wird. Angesichts der Volatilität bei den Staatsanleihen und der sich verschlechternden Liquidität auf allen Märkten in den USA werden immer mehr Anleger nervös, weil es zu einem schnellen und starken Rückgang der Aktien- und Anleihekurse kommen könnte“, zitiert ihn die Financial Times.

Die Aktienmärkte hatten sich im Juni und Juli zwei Monate lang erholt, da Anleger hofften, die Inflation würde sich abkühlen und die Fed würde ihre aggressiven Zinserhöhungen zurückfahren. Doch die Inflation stieg weiter stark an und die Fed-Beamten machten deutlich, dass die geldpolitische Straffung fortgesetzt wird. In der vergangenen Woche kündigte die Zentralbank eine weitere große Zinserhöhung an und signalisierte, dass weitere große Zinserhöhungen wahrscheinlich seien.

Emmanuel Cau, Leiter der europäischen Aktienstrategie bei Barclays, sagte: „Die Zentralbanker sagen uns, dass sie die Inflation zähmen werden, was auf Kosten der Wirtschaft gehen wird, und die Märkte sind ihnen im Moment egal.“

Anleihen verzeichnen historische Verluste

US-Anleihen gaben am Freitag ebenfalls nach, hielten sich aber über den Anfang der Woche erreichten Rekordtiefs. Die Kurse waren letzten Freitag und diesen Montag abgestürzt, nachdem Großbritannien nicht finanzierte Steuersenkungen im Umfang von 45 Milliarden Pfund angekündigt hatte. Diese Woche stabilisierten sich britische und US-Anleihen wieder, nachdem die Bank of England mit einem neuen Programm zum Ankauf langlaufender Schuldtitel interveniert hatte.

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen stieg um 0,03 Prozentpunkte auf 3,81 Prozent, nachdem sie am Mittwoch zum ersten Mal seit 2010 vorübergehend über 4 Prozent gestiegen war. Wenn die Renditen von Anleihen steigen, so bedeutet dies, dass die Kurse der bereits bestehenden Anleihen entsprechend fallen. Die Anlageportfolios werden in diesem Jahr also durch einen doppelten Rückgang sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen in Mitleidenschaft gezogen.

Doch trotz einer gewissen Erholung der Staatsanleihen seit der Intervention durch die Bank of England hat die rasche Straffung der Geldpolitik in diesem Jahr dazu geführt, dass sowohl das zweijährige Papier, das sehr empfindlich auf die geldpolitischen Erwartungen reagiert, als auch die zehnjährige Note auf dem besten Weg zu ihren größten jährlichen Verlusten der Geschichte sind.

Am Freitag fiel die Rendite der zehnjährigen britischen Anleihe um 0,05 Prozentpunkte auf 4,08 Prozent. Die britischen Renditen aller Laufzeiten schwankten in den letzten Sitzungen in historischen Größenordnungen, wobei die 10-jährige Anleihe am Montag um mehr als 0,4 Prozentpunkte anstieg, bevor sie am Mittwoch um fast 0,5 Prozentpunkte fiel.

Cau sagte, die Zentralbanker hätten sich bemüht, dem Markt mitzuteilen, dass der Eingriff der Bank of England in dieser Woche nicht als Beginn einer breiteren Rückkehr zu einer lockeren Geldpolitik angesehen werden sollte. „Die Federal Reserve hat sehr deutlich gemacht, dass das, was die BoE tut, als isoliert zu betrachten ist, und die Fed wird an ihrem Plan festhalten. Die Europäische Zentralbank tut dasselbe“, fügte er hinzu.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Warum kauft China so viele deutsche Firmen?
16.07.2026

China kauft Deutschlands Kronjuwelen: Das ehrgeizige Reich der Mitte übernimmt immer mehr deutsche Traditionsunternehmen – und mit ihnen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Sandisk und Intel leiden unter Ausverkauf bei Chipaktien, während Händler weitere Inflationsdaten verarbeiten
15.07.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street bewegten und warum einige Schwergewichte trotz Marktdrucks kräftig...

DWN
Politik
Politik Energiekrise in Europa: Die nächste gefährliche Abhängigkeit bedroht die EU
15.07.2026

Die Straße von Hormus ist blockiert, Europas Energiepreise bleiben hoch und selbst Diesel könnte knapp werden. Zwei der wichtigsten...

DWN
Politik
Politik Merz sieht Koalition auf gutem Weg - aber nicht am Ziel
15.07.2026

Die Sommerpressekonferenz des Bundeskanzlers hat Tradition. Diesmal stellte sich Amtsinhaber Friedrich Merz den Fragen der Journalisten...

DWN
Politik
Politik EU schmiedet Drohnen-Pakt mit der Ukraine
15.07.2026

Die EU und die Ukraine wollen ihre Drohnenproduktion gemeinsam ausbauen, während Kiew den Seekrieg gegen Russland auf eine neue Stufe...

DWN
Finanzen
Finanzen ASML-Aktie überrascht mit starken Quartalszahlen
15.07.2026

Die ASML-Aktie setzt ihren Höhenflug fort: Der Chipausrüster hebt nach überraschend starken Quartalszahlen erneut seine Prognose an und...

DWN
Technologie
Technologie Absatzkrise der Autobauer: Nicht nur VW und Co. verlieren
15.07.2026

Deutsche Autobauer verlieren beim Absatz, doch auch andere große Hersteller kämpfen mit Rückgängen. Am stärksten leidet dabei ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 220 Euro pro Kopf: War das der Höhepunkt der Bahn-Investitionen?
15.07.2026

Der Bund investiert so viel wie nie in die Schiene – doch schon in wenigen Jahren droht wieder der Rückwärtsgang. Die Bahnbranche warnt...