Wirtschaft

OPEC+ beschließt massive Kürzung der Öl-Fördermenge

Mit der größten Kürzung der Öl-Produktion seit 2020 bemüht sich OPEC+ darum, den Ölpreis über der Marke von 90 Dollar zu halten. Der Benzinpreis hat bereits reagiert.
Autor
05.10.2022 17:49
Aktualisiert: 05.10.2022 17:49
Lesezeit: 2 min

Die von Saudi-Arabien geführte Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und eine von Russland angeführte Koalition von Produzenten zusammen sind sie als OPEC+ bekannt haben sich erneut den Forderungen des Westens widersetzt, die Ölförderung hoch und somit den Ölpreis niedrig zu halten.

Die OPEC+ hat sich darauf geeinigt, die gemeinsame Fördermenge um 2 Millionen Barrel pro Tag zu drosseln. Auf diese Weise will das Bündnis den Rückgang der Ölpreise aufhalten, der eine Folge der schwächelnden Weltwirtschaft ist, die weniger von dem Rohstoff benötigt.

Der Schritt ist die größte Drosselung der Produktion durch die Organisation erdölexportierender Länder OPEC und ihre Verbündeten seit 2020. Der Ölpreis in London stieg in der Folge um bis zu 1,5 Prozent auf 93,20 Dollar pro Barrel und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Wochen. Vor drei Monaten hatte der Ölpreis noch bei 120 Dollar gelegen.

Allerdings werden die Auswirkungen auf das weltweite Angebot wohl geringer sein, als der Beschluss vermuten lässt. Denn mehrere Mitgliedsländer fördern bereits deutlich weniger, als durch die neuen Quoten vorgegeben. De facto wurden die nun beschlossenen neuen Quoten zuletzt schon eingehalten.

Auch wenn sich an den Ölpumpen wenig ändern wird, birgt die Entscheidung des Kartells die Gefahr eines weiteren Schocks für die Weltwirtschaft, die bereits mit einer durch hohe Energiekosten bedingten Inflation kämpft.

Der Schritt könnte auch die USA verärgern und dort eine Gegenreaktion auslösen. US-Präsident Joe Biden besuchte Anfang des Jahres Saudi-Arabien, um vor den Zwischenwahlen im November eine höhere Produktion und niedrigere Benzinpreise für die Amerikaner zu erreichen.

„Die OPEC will Preise um die 90 Dollar“, sagte der nigerianische Staatsminister für Erdölressourcen, Timipre Sylva, nach dem Treffen. Viele Mitgliedsländer haben ihre Haushalte für 2023 auf diesen Preis ausgerichtet, und „es würde einige Volkswirtschaften destabilisieren“, wenn dies nicht der Fall wäre, zitiert ihn Bloomberg.

Die Drosselung um 2 Millionen Barrel pro Tag wird an derselben Basislinie gemessen wie die vorherigen OPEC+-Vereinbarungen, sagte Amir Hossein Zamaninia, OPEC-Gouverneur für den Iran, nach dem Treffen in Wien zu Reportern.

Bei einer anteiligen Aufteilung auf die Mitglieder müssten tatsächlich nur acht Länder ihre Produktion drosseln, was nach Berechnungen von Bloomberg auf der Grundlage der Produktionszahlen vom September eine reale Senkung um etwa 900.000 Barrel pro Tag bedeuten würde.

Keine monatlichen Treffen mehr

Die OPEC+ wird laut Zamaninia, dem OPEC-Gouverneur für den Iran, vorerst keine monatlichen Treffen mehr abhalten. Nur der Gemeinsame Ministerielle Überwachungsausschuss, der die Umsetzung der Produktionskürzungen überwacht, werde alle zwei Monate zusammentreten.

„Es ist sehr wichtig, dass es sich um eine technische Entscheidung handelt und nicht um eine politische“, sagte Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Al Mazrouei. „Deshalb ist es wichtig, die technische Seite der Gleichung zu betrachten und alle Bedenken hinsichtlich der Wirtschaft und des Zustands der Wirtschaft zu berücksichtigen.“

Am Mittwoch telefonierten US-Beamte mit ihren Amtskollegen in der Golfregion, um sie von der Produktionskürzung abzubringen, wie mit der Situation vertraute Personen sagten. Doch bereits im September hatte sich OPEC+ dem Westen widersetzt und die Ölförderung reduziert, um höhere Öl-Preise zu erreichen.

Das Weiße Haus hat das US-Energieministerium kürzlich darum gebeten zu prüfen, ob ein Exportverbot für Benzin, Diesel und andere raffinierte Erdölprodukte die Preise in den USA senken würde, wie Bloomberg am Dienstag berichtete. Die Idee ist umstritten, findet aber in einigen Kreisen der Biden-Administration immer mehr Anklang.

„Höhere Ölpreise, wenn sie durch beträchtliche Produktionskürzungen angetrieben werden, würden die Biden-Regierung vor der US-Zwischenwahlen wahrscheinlich verärgern“, schrieben die Analysten der Citi. „Es könnte weitere politische Reaktionen aus den USA geben, einschließlich zusätzlicher Freisetzungen von strategischen Vorräten.“ Auch die Experten von JP Morgan schließen nicht aus, dass Washington durch die Freigabe weiterer Ölvorräte Gegenmaßnahmen ergreift.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Topberater des Weißen Hauses: Trump gibt Tech-Milliardären beängstigend viel Macht
22.09.2026

Künstliche Intelligenz könnte die Welt ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das Manhattan-Projekt. Doch diesmal liegt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Heizkosten steigen 2026: So teuer wird das Heizen
22.09.2026

Für viele Haushalte wird das Heizen 2026 teurer – besonders bei Öl und Holzpellets. Eine neue Prognose zeigt, welche Heizarten stärker...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz: So schützen Unternehmer ihr Privatvermögen
22.09.2026

Gerät die Firma ins Wanken, kann es schnell um mehr gehen als das Unternehmen. Plötzlich stehen auch Haus, Depot und Ersparnisse auf dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz-Aktie: Arbeitszeit in der Diskussion – Konzern setzt deutsche Werke unter Druck
22.09.2026

Mercedes hält seine deutschen Werke für zu teuer und fordert mehr Arbeit für das gleiche Geld. Um den Druck zu erhöhen, legt der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quereinstieg wird zum Karrieremodell: Wo Quereinsteiger gefragt sind
22.09.2026

Ein neuer Job, ein anderer Berufsweg, neue Perspektiven: Für immer mehr Menschen in Deutschland ist der Quereinstieg eine attraktive...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie unter Druck: Enteignungsdebatte kehrt zurück
22.09.2026

Die Vonovia-Aktie gerät nach der Berlin-Wahl erneut unter Druck und fällt auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2023. Der Wahlsieg der...

DWN
Technologie
Technologie Datendurst: Rechenzentren verschärfen Deutschlands Wasserproblem
22.09.2026

Deutschlands Rechenzentrumskapazitäten sollen bis 2030 massiv wachsen, sich mindestens verdoppeln – und brauchen dafür nicht nur immer...