Finanzen

Japan droht Crash der globalen Finanzmärkte auszulösen

Sobald auch die Bank of Japan die Wende zu einer strafferen Geldpolitik vollzieht, wird dies einen Schock auf den globalen Märkten auslösen, warnen Analysten.
Autor
07.10.2022 12:24
Aktualisiert: 07.10.2022 12:24
Lesezeit: 3 min
Japan droht Crash der globalen Finanzmärkte auszulösen
Japans Kabinettschef Hirokazu Matsuno. Die Notenbank des Landes droht die globalen Finanzmärkte zu crashen. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Noch immer weigert Japan sich beharrlich, dem globalen Trend zu folgen und die Phase extrem niedriger Zinsen hinter sich zu lassen. Doch der Tag, an dem die Bank of Japan die Zinsen anhebt, wird kommen. Und für diesen Tag erwarten Analysten einen massiven Schock auf den globalen Märkten.

Wenn die Bank of Japan die Zinsen anhebt, stärkt sie damit den Yen. Damit würde sie jenen Anleihemärkten, wo japanische Investoren bedeutende Bestände haben, einen erheblichen Schlag versetzen, zitiert Bloomberg Analysten der UBS Group AG. Betroffen wären vor allem Anleihen von Australien, Frankreich und den USA.

Zwar hält die Schweizer Bank es für unwahrscheinlich, dass die Bank of Japan sich ganz von der Kontrolle der Renditekurve verabschiedet. UBS warnt jedoch, ein solcher Schritt könne japanische Aktien in einen Bärenmarkt stürzen und die Börsen in Europa und den USA um 10 Prozent einbrechen lassen.

Auch nach Ansicht von JPMorgan Chase sollten sich Investoren darauf einstellen, dass die Kontrolle der BOJ über die Renditen in ihr „letztes Kapitel“ eintritt. Standard Chartered erwartet, dass die steigende Inflation den Weg dafür ebnet, dass auch die letzte große Zentralbank der Welt endlich eine geldpolitische Straffung einleitet.

„In Anbetracht der Tatsache, dass die Renditen japanischer Staatsanleihen ein Anker für globale festverzinsliche Wertpapiere waren, wird der Nachhall einer Änderung der Politik wahrscheinlich weit und breit über die globalen Vermögenswerte widerhallen“, schrieben die UBS-Analysten diese Woche. „Die Märkte, die am stärksten von einer Änderung der BOJ-Politik betroffen wären, sind diejenigen, in denen japanische Anleger am stärksten vertreten sind.“

Was passiert, wenn Japan die Geldpolitik strafft

Das andauernde Beharren der Bank of Japan auf niedrigen Zinssätzen, während die anderen großen Notenbanken ihre Zinsen aggressiv angehoben haben, hat die japanischen Anleger auf ihrer Suche nach Rendite ins Ausland getrieben und den Yen unter Druck gesetzt.

Eine Kehrtwende bei der Bank of Japan würde den Yen stärken, eine massive Welle von Geldströmen aus dem Ausland zurück nach Japan auslösen und in der Folge den Ausverkauf auf den globalen Anleihemärkten beschleunigen.

Auch wenn UBS nicht von einer bevorstehenden Änderung der Geldpolitik in Japan ausgeht, hat ein Team der Schweizer Bank in einer Antwort auf die „schwierigsten Kundenfragen“ in dieser Woche die möglichen Folgen eines überraschenden Kurswechsels durchgespielt.

Wenn die Bank of Japan die Obergrenze der Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen anhebt, so würde dies beispielsweise dazu beitragen, „spekulative Yen-Shorts zu vernichten“ und die Währung auf 130 Yen pro Dollar zu stärken. Und wenn die Bank of Japan ihre Rendite-Obergrenze ganz aufgibt, könnten die Renditen von US-Hypothekenpapieren massiv in die Höhe schnellen, da japanische Anleger einen großen Teil dieser Papiere halten.

JPMorgan sagte, dass eine Änderung früher kommen könnte, als manche denken, da die Bank of Japan mit zwei „unvereinbaren Problemen“ konfrontiert ist: die Aufrechterhaltung der Funktionalität des zweitgrößten Anleihenmarktes der Welt und die Vermeidung von schnellen Yen-Verlusten, da Japans Geldpolitik von der anderer Länder abweicht.

Warum ein Zinsanstieg absehbar ist

Die anhaltend lockere Geldpolitik von Gouverneur Haruhiko Kuroda steht im Widerspruch zu den eigenen Prognosen der Bank of Japan im Hinblick auf den steigenden Preisdruck, schreibt die JPMorgan-Ökonomin Ayako Fujita in einer kürzlich erschienenen Mitteilung. „Dieser Mix von Maßnahmen ist von Natur aus nicht nachhaltig, er geht in sein letztes Kapitel.“ Die US-Bank hat ihre Prognose für die Änderung der Renditekurve von Mitte 2023 auf März nächsten Jahres vorgezogen.

Dennoch warnt UBS, dass die Bank of Japan Angst hat, einen Fehler zu begehen, indem sie die Geldpolitik in einem globalen wirtschaftlichen Abschwung verschärft. „Der Markt wird nicht in der Lage sein, die BOJ zum Handeln zu zwingen“, so die Strategen.

Steve Englander von Standard Chartered ist jedoch der Ansicht, dass die steigenden Preise in Japan in Verbindung mit dem Druck der Finanzmärkte zu einer Änderung bei der Bank of Japan führen könnten. Zwar könnte die Dringlichkeit für eine Straffung der Notenbankpolitik von den höheren globalen Zinssätzen und der daraus resultierenden Yen-Schwäche herrühren. Doch angestoßen werden könnte eine solche Änderung der Politik durch den jüngsten Anstieg der Inflation und der Inflationserwartungen in Japan, schrieb er am Dienstag.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Mehrheit fordert Rücktritt von Kanzler Merz
22.09.2026

Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich für einen Rücktritt des Kanzlers aus. Unter den Anhängern einer Partei ist der Anteil...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Planet Labs: Berlin bekommt eine neue Satellitenfabrik
22.09.2026

In der Hauptstadt soll ein neuer Produktionsstandort für Satelliten entstehen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in den USA, will aber...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Topberater des Weißen Hauses: Trump gibt Tech-Milliardären beängstigend viel Macht
22.09.2026

Künstliche Intelligenz könnte die Welt ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das Manhattan-Projekt. Doch diesmal liegt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Heizkosten steigen 2026: So teuer wird das Heizen
22.09.2026

Für viele Haushalte wird das Heizen 2026 teurer – besonders bei Öl und Holzpellets. Eine neue Prognose zeigt, welche Heizarten stärker...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz: So schützen Unternehmer ihr Privatvermögen
22.09.2026

Gerät die Firma ins Wanken, kann es schnell um mehr gehen als das Unternehmen. Plötzlich stehen auch Haus, Depot und Ersparnisse auf dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz-Aktie: Arbeitszeit in der Diskussion – Konzern setzt deutsche Werke unter Druck
22.09.2026

Mercedes hält seine deutschen Werke für zu teuer und fordert mehr Arbeit für das gleiche Geld. Um den Druck zu erhöhen, legt der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quereinstieg wird zum Karrieremodell: Wo Quereinsteiger gefragt sind
22.09.2026

Ein neuer Job, ein anderer Berufsweg, neue Perspektiven: Für immer mehr Menschen in Deutschland ist der Quereinstieg eine attraktive...