Deutschland

Bundesregierung beschließt Strompreisbremse ab 2023

Die Bundesregierung will den Strompreis für Privathaushalte ab Anfang kommenden Jahres bei 40 Cent pro Kilowattstunde deckeln, als Ergänzung zur Gaspreisbremse.
01.11.2022 18:43
Lesezeit: 3 min
Bundesregierung beschließt Strompreisbremse ab 2023
Bundeskanzler Olaf Scholz und BASF-Chef Martin Brudermüller am Dienstag auf dem Werksgelände in Schwarzheide. (Foto: dpa) Foto: Lisi Niesner

Die Bundesregierung will den Strompreis für Privathaushalte ab Anfang kommenden Jahres bei 40 Cent pro Kilowattstunde deckeln. Dies soll für ein Grundkontingent von 80 Prozent des Jahresverbrauchs gelten, wie aus einem Reuters am Dienstag vorliegenden Beschlussentwurf des Kanzleramtes für die Beratungen mit der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch hervorgeht.

Die zusätzlich geplante Gaspreisbremse werde zum 1. März eingeführt, soll aber womöglich bereits einen Monat früher greifen: "Eine Rückwirkung zum 1. Februar 2023 wird angestrebt." Bei Industrieunternehmen würden die Strompreise bei 13 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt für 70 Prozent des Vorjahresverbrauchs. Aus Regierungskreisen wurde zudem bekannt, dass die Abschöpfung von sogenannten Zufallsgewinnen bei Energieunternehmen bereits rückwirkend ab dem 1. September 2022 greifen soll.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Regierungschefinnen und -chefs der Ländern kommen am Mittwochnachmittag in Berlin zusammen, um sich auf Entlastungen bei den Energiepreisen zu verständigen. Der Reuters vorliegende Beschlussvorschlag dafür datiert vom Dienstagmittag.

Der Entwurf gibt die Linie des Kanzleramtes wieder. Darin macht das Kanzleramt Kompromissangebote bei anderen Streitpunkten, die bisher einer Einigung mit den Ländern auf das dritte Entlastungspaket im Wege standen. So bietet der Bund für das geplante 49-Euro-Ticket wie auch für die Flüchtlingsausgaben mehr Geld an. Änderungen durch die Länder-Wünsche sind zu erwarten.

Strompreisbremse ab 1. Januar 2023

Die Bundesregierung hatte die Strompreisbremse zum Jahresanfang angekündigt, bisher aber offengelassen, bei welchen Preisen die Bremse greift. Mit Blick auf Privathaushalte heißt es zur Deckelung bei 40 Cent pro Kilowattstunde für das Grundkontingent: "Die Differenz zwischen dem zu zahlenden Marktpreis und der Deckelung wird als Entlastung monatlich von den Versorgern direkt mit dem Abschlag verrechnet."

Das Geld für die Entlastung im Strombereich soll zum Teil bei Unternehmen durch eine Abschöpfung sogenannter Zufallsgewinne wieder eingesammelt werden. "Zur Finanzierung der Entlastungen im Strombereich werden befristet Zufallsgewinne bei der Stromerzeugung sowie bei Gas-, Öl- und Kohleunternehmen sowie Raffinerien abgeschöpft", heißt es in dem Entwurf. Konkrete Details nennt das Papier dazu noch nicht.

In einem Erläuterungspapier der Bundesregierung zu Eckpunkten der Entlastungsmaßnahmen heißt es ergänzend, die Abschöpfung der Zufallsgewinne solle "rückwirkend ab dem 1. September 2022" erfolgen. Dies solle für erneuerbare Energien, Kernenergie, Mineralöl, Abfall und Braunkohle gelten: "Ausgenommen sind Speicher, Steinkohle, Erdgas, Biomethan und Sondergase."

Vorgesehen ist auch ein Härtefallfonds für Bereiche, in denen trotz Strom- und Gaspreisbremse finanzielle Belastungen bestünden, die von den Betroffenen nicht ausgeglichen werden könnten. "Hierfür sieht der Bund insgesamt 12 Milliarden Euro vor", heißt es im Kanzleramtsentwurf. Diese sollten insbesondere auch für Krankenhäuser, Universitätskliniken und Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen, um sie bei den gestiegenen Energiekosten zu unterstützen. Für sie seien daher bis zu 8 Milliarden Euro der Gesamtsumme vorgesehen.

Die Gas- und Strompreisbremse fallen unter den sogenannten Abwehrschirm von bis zu 200 Milliarden Euro, die der Bund bis zum Frühjahr 2024 durch neue Schulden zur Abfederung der Energiekosten bei Verbrauchern und Wirtschaft vorgesehen hat. Die Energiepreisbremsen sollen bis Ende April 2024 gelten.

Stromversorger: Preisbremse ab Januar unmöglich

Die Stromversorger haben die von der Regierung angepeilte Preisbremse ab Beginn nächsten Jahres für nicht umsetzbar erklärt. "Diese geplante Strompreisbremse ist zum ersten Januar nicht zu schaffen", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energiewirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Es solle am 17. November ein Gesetz auf den Weg gebracht werden, das die Kontingentlösung für Strom ab Januar und auch noch die Abschöpfung von sogenannten Zufallsgewinnen der Stromerzeuger beinhalte. "Das ist zeitlich völlig unrealistisch. Das Gesetz wird erst kurz vor Weihnachten in Kraft treten", sagte sie.

Die Regierung will am Mittwoch Eckpunkte sowohl für die Gaspreis- als auch die Strompreisbremse im Kabinett beschließen. Der Strompreis für Haushalte soll ähnlich wie bei der Gaspreisbremse für einen Basisverbrauch von 80 Prozent des Vorjahres auf 40 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werden. Bei der Industrie sollen es 13 Cent sein. Zugleich sollen die aktuell hohen Gewinne der Stromproduzenten rückwirkend ab September teilweise abgeschöpft und die Milliarden-Erlöse zur Gas- und Strompreisdämpfung mit eingesetzt werden. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

DWN
Panorama
Panorama Sechs tote Mitarbeiter in Stade – Schwiegermutter von SPD-Migrationsbeauftragtem fuhr Fluchtwagen
03.07.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind sechs Mitarbeiter erschossen wurden. Nun werfen sowohl die Recherchen zur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Varso Tower: Zweite Glasscheibe fällt vom höchsten Gebäude der EU
03.07.2026

Erst fiel Glas auf eine Straße, jetzt beschädigte eine Scheibe ein Auto: Am Varso Tower in Warschau häufen sich Vorfälle an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Ethisches Investieren: Der Vatikan predigt Moral und kauft Tech-Aktien
03.07.2026

Der Vatikan will Geld nach moralischen Kriterien anlegen und landet dabei ausgerechnet bei Meta, Nvidia, Apple, Amazon und Alphabet. Was...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Vogelhaus mit Kamera: Wie Bird Buddy an Amerikaner vier Mal so teuer verkauft wie an Chinesen
03.07.2026

Wer ein Vogelhaus mit Kamera sucht, um Meise, Spatz und andere heimische Singvögel zu beobachten, kommt an Bird Buddy kaum vorbei. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase: Warum Anleger wieder an die nächste Wunderwelt glauben
03.07.2026

Erst kaufen Kleinanleger Chipaktien auf Kredit, dann sammelt SpaceX Milliarden ein, obwohl das Unternehmen weiter Verluste schreibt. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis startet gut in den Juli: Erholung oder nur eine Atempause vor neuen Kursverlusten?
03.07.2026

Ist der diesjährige Ausverkauf lediglich eine starke Korrektur nach einem außergewöhnlichen Anstieg oder der Beginn einer längeren...

DWN
Immobilien
Immobilien Explosionsartige Mietsteigerungen: Wie Sie sich gegen den Mietenwahnsinn wehren können
03.07.2026

Die Wohnkosten in Deutschlands Großstädten kennen seit Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. Eine aktuelle Auswertung des Deutschen...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 32: Die Woche im Rückblick – KW 27
03.07.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in sieben Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...