Unternehmen

Mehr Gas-Sparen geht nicht: Deutsche Unternehmen am Limit

Die deutschen Unternehmen sehen ihre Einsparmöglichkeiten beim Gasverbrauch weitgehend ausgeschöpft. Laut DIHK sollen stattdessen nun andere sparen.
26.10.2022 11:59
Aktualisiert: 26.10.2022 11:59
Lesezeit: 1 min

Rund 60 Prozent der Betriebe sehen hier in den kommenden fünf Jahren keine oder nur sehr geringe Einsparpotenziale von bis zu zwei Prozent, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der Industrie- und Handelskammern unter mehr als 3500 Firmen aller Branchen hervorgeht. 20 Prozent können nach eigener Einschätzung auf zwei bis fünf Prozent ihres bisherigen Verbrauchs verzichten. Lediglich ein weiteres Fünftel hält bei seinem Energieverbrauch noch mehr als fünf Prozent an Verringerung für möglich.

"Der Überlebenskampf der Betriebe angesichts der explodierenden Energiepreise hat dazu geführt, dass die kurzfristigen betrieblichen Potenziale ausgeschöpft wurden", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian. "Deshalb sind weitergehende Ziele, den Gasverbrauch im laufenden Produktionsbetrieb noch stärker zu verringern, einfach unrealistisch." Der Rückgang des Gasverbrauches in der Wirtschaft sei inzwischen immer öfter Folge von Betriebsstilllegungen oder Produktionseinschränkungen.

"Wir müssen daher nach anderen Möglichkeiten suchen, um zusätzliches Gas zu mobilisieren oder Gas zum Beispiel bei der Stromerzeugung einzusparen", sagte Adrian. "Nur so werden wir Insolvenzen vermeiden und Wertschöpfungsketten erhalten."

Chancen hierfür sieht der DIHK bei der sogenannten Gasauktion. Unternehmen reduzieren dabei ihren Gasbedarf gegen Entschädigungen. In Firmen, in denen ein Verzicht auf Gas möglich ist, besteht den Angaben zufolge großes Interesse an Abschaltleistung gegen Entschädigung. "Damit sich genügend Firmen beteiligen, brauchen wir ein Modell, das darauf abzielt, zusätzliches Gas für die Einspeicherung zu haben, damit solche Engpässe erst gar nicht entstehen", sagte Adrian. Größere Gasabnehmer erhielten auf diesem Weg weitere Anreize, ihren Verbrauch zu reduzieren und eine weitere Befüllung der Speicher zu ermöglichen.

Der EU-Gasnotfallplan sieht Einsparungen der einzelnen Mitgliedsländer von jeweils 15 Prozent vor. Von August 2022 bis März 2023 solle so viel Gas im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch desselben Zeitraums in den Jahren 2016 bis 2021 eingespart werden, so die EU-Kommission. "Für die überwiegende Mehrheit der Betriebe ist es unrealistisch, auf der Basis der bisherigen Reduktionen noch einmal 15 Prozent draufzulegen, ohne dass wir weiter schmerzhafte Produktionseinschränkungen sehen", sagte Adrian.

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