Finanzen

US-Notenbank strafft unerbittlich - Ein Blick in die Fed-Bilanz

Die Fed hat ihre Bilanzsumme seit April um massive 289 Milliarden Dollar reduziert. Doch das Ziel ist noch weit entfernt und die Kollateralschäden werden erheblich sein.
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04.11.2022 17:00
Lesezeit: 4 min

Die Bilanzsumme der Federal Reserve beträgt aktuell 8,68 Billionen Dollar (Stand 2. November), wie aus der wöchentlichen Veröffentlichung der Notenbank hervorgeht. Dies ist ein Rückgang um 289 Milliarden Dollar gegenüber dem Rekordhoch vom 13. April dieses Jahres und der niedrigste Stand seit dem 8. Dezember 2021.

Staatsanleihen

Diese neuesten Daten belegen erneut, dass die Federal Reserve die geldpolitische Straffung unbeirrt fortsetzt. Der Bestand der Notenbank an kurzfristigen und langfristigen US-Staatsanleihen ist der mit Abstand größte Bilanz-Posten unter den von ihr gehaltenen Wertpapieren.

Seit dem Höchststand Anfang Juni hat die Fed ihren Bestand an US-Staatsanleihen um 196 Milliarden Dollar auf 5,57 Billionen Dollar reduziert. Das ist der niedrigste Stand seit dem 17. November 2021. Staatsanleihen werden zur Monatsmitte oder am Monatsende fällig. In der aktuellen Bilanz ist also die Ausbuchung vom 31. Oktober enthalten.

Hypothekarisch gesicherte Wertpapiere

Seit dem Höchststand ist der Bestand an Mortgage Backed Securities (MBS) um 62 Milliarden Dollar gesunken. Diese Papiere werden vor allem durch Kapitalrückzahlungen aus der Bilanz genommen, also wenn die zugrundeliegende Hypothek abbezahlt wird oder wenn regelmäßige Hypothekenzahlungen geleistet werden.

Hypotheken werden meist dann abbezahlt, wenn das Haus verkauft oder die Hypothek refinanziert wird. Seit die Hypothekenzinsen in den USA in die Höhe geschnellt sind, ist in der Folge die Refinanzierungsaktivität eingebrochen, wie Wolf Richter berichtet. Denn höhere Zinsen machen eine Refinanzierung unattraktiv.

Die Hypothekenzahlungen beim Hausverkauf sind stark zurückgegangen, weil die Hausverkäufe im Vergleich zu vor zwei Jahren um 30 Prozent zurückgegangen sind. In der Folge haben sich die durchlaufenden Tilgungszahlungen, die im Jahr 2021 erheblich waren, dieses Jahr stark verringert.

Swaps

Im September und Oktober schlossen die Fed und die Schweizerische Nationalbank eine Reihe von Dollar-Liquiditäts-Swaps ab. Dazu nutzten sie die seit vielen Jahren bestehende gemeinsame Swap-Linie. Insgesamt wurden ab dem 14. September fünf immer größere 7-Tage-Swaps in Folge durchgeführt. Über den Hintergrund ist viel spekuliert worden.

Der letzte Swap, der eine Höhe von 11,1 Milliarden Dollar hatte, wurde am 27. Oktober fällig. Seitdem gab es keine Swaps zwischen der Fed und der SNB mehr. Das folgende Diagramm zeigt, wie stark die Swap-Linien durch die angeschlossenen Notenbanken bisher genutzt wurden und wie gering der Umfang des jüngsten Vorfalls letztlich war.

Kreditvergabe an Banken

Die Fed leiht den Banken Geld und erhebt für diese Kredite Zinsen. Am Mittwoch hat die Fed im Rahmen ihrer jüngsten Zinserhöhungen am Mittwoch den Zinssatz für diese „Primärkredite“ um 75 Basispunkte auf 4 Prozent angehoben. Das ist der Zinssatz, den sie den Banken berechnet, wenn sie sich am Diskontfenster Geld leihen.

Während des Corona-Crashs im März 2020 stiegen die Primärkreditsalden auf insgesamt 50 Milliarden Dollar. Während der Finanzkrise stiegen sie vorübergehend sogar auf 110 Milliarden Dollar. Die Salden verringerten sich in beiden Fällen schnell wieder und liegen außerhalb solcher akuten Krisen auf einem sehr niedrigen Niveau.

Als die Fed Anfang 2022 begann, die Zinsen zu erhöhen, stiegen die Primärkredite nur geringfügig an. Auf dem Höhepunkt Anfang Oktober belief sich die Summe auf 7,5 Milliarden Dollar. Zuletzt ist sie zwar auf 4,4 Milliarden Dollar gesunken, aber weiter leicht erhöht. Wenn der Wert stark steigen sollte, wäre dies ein Anzeichen für Stress im Bankensystem.

Quantitative Tightening

In den Jahren seit der Finanzkrise waren die umfangreichen Wertpapierkäufe neben den niedrigen Zinsen das zweite zentrale Mittel der Geldpolitik, man spricht auch von Quantitativer Lockerung (Quantitative Easing, QE). Das heißt, dass die Zentralbanken im großen Stil frisches Geld drucken und damit verschiedene Wertpapiere kaufen.

Diese Käufe trieben die Preise für Vermögenswerte in die Höhe und drückten die Renditen, Hypothekenzinsen und andere Zinssätze nach unten. Dies ermöglichte den Staaten und Unternehmen, sich stärker und günstiger zu verschulden. Doch die lockere Geldpolitik hat auch einen Preis.

So hat sie in den letzten Jahren zum Aufbau eines riesigen Schuldenberges beigetragen. Zudem ist die Schere zwischen Arm und Reich stark auseinander gegangen, da infolge der massiven Geldschwemme die Preise für praktisch alle Vermögenswerte in die Höhe geschossen sind.

Seit dem letzten Jahr schlägt die lockere Geldpolitik immer mehr auch auf die Verbraucherpreise durch. Und mit diesem Argument, also den hohen Inflationsraten, haben die Zentralbanken nun eine Wende zu steigenden Zinsen vollzogen, und die Quantitative Lockerung haben sie nicht nur beendet, sondern sogar umgekehrt.

Als erste unter den großen Zentralbanken startete die Federal Reserve dieses Jahr die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT). Dies bedeutet, dass sie den Umfang ihrer Vermögenswerte nun wieder reduziert. In der Folge fallen die Preise von Anleihen und allen anderen Vermögenswerten und die langfristigen Zinssätze steigen.

Dadurch werden die Kredite für Staaten und Unternehmen teurer, sie verteilen beziehungsweise investieren daher weniger, sodass sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Quantitative Straffung ist also das Gegenstück zur quantitativen Lockerung und wirkt genau in entgegengesetzter Richtung.

Wann fällt die Inflation?

Die Fed rechtfertigt die quantitative Straffung damit, dass sie auf diese Weise die Inflation bekämpfen will, die zum Teil das Ergebnis der jahrelangen quantitativen Lockerung war. Doch es dauerte viele Jahre, bis die quantitative Lockerung endlich zu einer starken Inflation führte, da die Geldschwemme zunächst nur eine Inflation der Vermögenspreise auslöste.

Doch nun schlägt die Geldschwemme seit dem letzten Jahr immer mehr auf die Inflation durch. Die Notenbanker geben sich davon überrascht. Noch vor einem Jahr sprachen sie davon, dass die Inflation nur vorübergehend sein werde. Doch seitdem sind die Verbraucherpreise weiter gestiegen und in den letzten Monaten geradezu explodiert.

Die folgende Grafik mit der Bilanzsumme der Fed zeigt, wie extrem viel Geld die Fed über einen langen Zeitraum gedruckt hat, bis die Inflation nun endlich außer Kontrolle geraten ist. Und die Grafik zeigt auch, wie wenig Geld die Fed im Vergleich dazu erst vernichtet hat. Die Wirkung von QE kommt erst noch und QT hat gerade erst begonnen.

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