Technologie

US-Chip-Sanktionen gegen China: Die Verbündeten zögern

Obwohl Washington auf internationale Unterstützung der Sanktionen gegen Chinas Halbleiter-Industrie drängt, halten sich Verbündete der USA noch zurück.
Autor
26.11.2022 09:15
Lesezeit: 2 min

Im Oktober schränkte die Biden-Regierung die Ausfuhr von Halbleiter-Chips sowie dafür benötigter Technologien und Arbeitskräfte nach China ein. Experten schätzen die US-amerikanische Exportbeschränkung als valides Mittel ein, die zügige Fortentwicklung chinesischer Militärtechnologie zu hemmen. Indes droht Peking zunehmend eine Isolation von der Hightech-Branche Ostasiens. Mithilfe der sogenannten „Chip 4“-Allianz, die neben den USA aus Japan, Südkorea und Taiwan besteht, will sich Washington für den Fall eines chinesischen Angriffes auf Taiwan absichern und die chinesische Position im Chipkrieg schwächen.

Doch auch Japan ist auf resiliente Lieferketten angewiesen. Die Chipknappheit infolge des russischen Angriffes auf die Ukraine traf die Industrie Japans – vor allem die japanischen Autohersteller – schwer. In welchem Ausmaß das Land den Sanktionen der USA Folge zu leisten plant, ist jedoch unklar. Bislang zeigten sich japanische Regierungsvertreter noch verschwiegen und verwiesen lediglich auf anhaltende Gespräche mit betroffenen Industrievertretern und Diplomaten. Dennoch betonte Yasutoshi Nishimura, Japans Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, dass Japan „angemessene Maßnahmen“ einzuleiten gedenkt.

Niederlande wollen Maßnahmen Washington „nicht eins zu eins kopieren“

Die Situation Japans gilt – genauso wie die der Niederlande – als schwierig. Auf der einen Seite stehen geopolitische Befürchtungen, auf der andere Seite eigene Chip-Exporte nach China und die damit verbundenen Profite. Beide Länder forderten US-Regierungsvertreter zuletzt zum Handeln auf. Doch während Japan sich noch bedeckt zu halten scheint, betonte Hollands Außenhandelsministerin Liesje Schreinemacher kürzlich, dass die Niederlande die Maßnahmen Washingtons „nicht eins zu eins kopieren“ wollten. „Wir treffen unsere eigene Einschätzung – und wir tun dies in Absprache mit Partnerländern wie Japan und den USA“, erklärte Schreinemacher der niederländischen Zeitschrift „NRC“.

Die Aussage der Politikerin gilt als die erste der Rutte-Regierung zum sich zuspitzenden Chipkrieg zwischen China und den USA. Der unter der Schirmherrschaft der chinesischen Regierung stehenden Zeitschrift „Global Times“ zufolge sollen Industrie-Insider erklärt haben, dass der erhöhte Druck der USA auf Japan und die Niederlande letztlich nur Widerwillen wecke. Klar ist, dass die gegenwärtige Situation zum Prüfstein taugt. Denn nicht nur Niederlande und Japan müssen in Anbetracht der zunehmenden Verflechtung von globalem Handel und geopolitischen Konflikten eine Strategie entwickeln.

Historiker und Bestseller-Autor Chris Miller: „Chips sind das neue Öl“

Die Produktion von immer mehr und immer fortschrittlicheren Halbleiter-Chips dürften mit ihrer grundlegenden Bedeutung für digitale Technologien vom Internet bis hin zur Künstlichen Intelligenz einen zentrale Rolle in diesen geopolitischen Konflikten spielen. So bezeichnete der US-amerikanische Historiker und Bestseller-Autor Chris Miller, dessen neuestes Buch sich dem Chipkrieg widmet, Chips schon als „das neue Öl“.

Auf einer vom „Commonwealth Club of California“ organisierten Podiumsdiskussion unterstrich Miller, dass „die Frage, wer diese Rechenleistung [der Chips] kontrolliert, sie produziert und sie nutzen kann“, heute die wichtigste Frage internationaler Politik und Wirtschaft darstelle. Zudem könnten, anders als beim Öl, nur wenige Länder fortgeschrittene Halbleiter-Chips produzieren. So kämen 90 Prozent der fortgeschrittensten Chips aus Taiwan.

Wer nicht darüber nachdenke, so Miller lakonisch, „in welchem Ausmaß dringend notwendige Technologie durch einen kleinen Notfall in Taiwan außer Gefecht gesetzt werden könnten“, schlafe besser.

Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spieler verfolgen lokale Nachrichten, um Streaming-Schnäppchen zu finden

Die Suche nach den besten Streaming-Angeboten über bekannte Marken und Pop-up-Anzeigen läuft für Spieler selten so, wie sie es sich...

DWN
Finanzen
Finanzen So haben die Börsenprofis ihre Portfolios in der Iran-Krise angepasst
21.05.2026

Die Iran-Krise und hohe Bewertungen im Technologiesektor spalten die größten Investoren der Welt. Besonders die Microsoft-Aktie zeigt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Ubisoft-Aktie stürzt ab: Anleger enttäuscht über Milliardenverlust – wie geht es weiter?
21.05.2026

Nach der aktuellen Zahlenvorlage steht die Ubisoft-Aktie am Donnerstag unter massivem Druck. Der französische Spielekonzern meldet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rohstoffpreise explodieren und Deutschland zahlt den Preis des Iran-Kriegs
21.05.2026

Erst blockiert der Krieg im Iran eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt, dann springen Öl, Gas, Metalle und Düngemittel an. Was nach...

DWN
Politik
Politik Straße von Hormus: Nato prüft Eingreifen bei anhaltender Blockade
21.05.2026

Eine blockierte Meerenge reicht aus, um die Weltwirtschaft nervös zu machen. In der Straße von Hormus entscheidet sich, ob Öl und Gas...

DWN
Politik
Politik NATO-Hilfe schrumpft und Deutschland wird zur Schwachstelle Europas
21.05.2026

Trump rüttelt an einem Kernversprechen des westlichen Bündnisses. Die USA wollen ihre NATO-Hilfe für Krisenfälle reduzieren, Europa...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland verliert Investoren – EY schlägt Alarm
21.05.2026

Der Standort Deutschland verliert weiter an Zugkraft: Immer weniger ausländische Unternehmen investieren hierzulande, während andere...

DWN
Politik
Politik Merz schlägt EU-Sonderstatus für die Ukraine vor: Kein schneller EU-Beitritt, dennoch mehr Nähe zu Europa
21.05.2026

Die Ukraine drängt auf eine schnelle Aufnahme in die Europäische Union – doch ein regulärer Beitritt dürfte noch Jahre dauern....

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO: Mega-Börsengang steht für SpaceX-Aktie bevor – trotz Milliardenverlusten
21.05.2026

Mit der SpaceX-Aktie könnte der größte Börsengang aller Zeiten bevorstehen. Elon Musk verspricht nicht weniger als die Zukunft der...