Wirtschaft

Rüstungskonzern: Artilleriemunition wird im Westen knapp

Einem bedeutenden Rüstungskonzern zufolge leeren sich die Bestände an Artilleriemunition im Westen schnell. Erste konkrete Folgen zeichnen sich bereits ab.
05.12.2022 16:00
Aktualisiert: 05.12.2022 16:08
Lesezeit: 1 min
Rüstungskonzern: Artilleriemunition wird im Westen knapp
Irak im Jahr 2003: Britische Soldaten mit einer Artilleriegranate. (Foto: dpa) Foto: Stephen_Hird

Der tschechische Rüstungskonzern CSG warnt angesichts des Ukraine-Kriegs vor massiven Engpässen bei Artilleriemunition im Westen. „Artilleriemunition ist heute ein sehr knappes Gut“, sagte Konzerneigner Michal Strnad der Nachrichtenagentur Reuters. Er schätze, dass es aufgrund der Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen die russische Invasion zehn bis 15 Jahre dauern werde, um die Bestände der westlichen Armeen wieder aufzufüllen. Hintergrund seien die begrenzten Produktionskapazitäten.

Diesen Mangel bekämen die ukrainischen Streitkräfte bereits zu spüren, sagte Strnad. Die europäischen Länder hätten ihre Waffenarsenale inzwischen erheblich geleert, um die Ukraine zu unterstützen, die laut Strnad wöchentlich 40.000 Granaten aus mehreren hundert vom Westen gelieferten Haubitzen gegen die russischen Angreifer abfeuert. „Es ist wirklich viel an die Ukraine geliefert worden“, sagte er. „Aber Tatsache ist, dass die Ukrainer heute weniger schießen, als sie könnten, weil sie nicht genug Munition haben.“

Sein Unternehmen, die Czechoslovak Group, sei derzeit für etwa 25 bis 30 Prozent der europäischen Produktion von 155-mm-Artillerie der Nato-Norm verantwortlich, sagte Strnad. Es verfüge über eine jährliche Produktionskapazität von 80.000 bis 100.000 Artilleriegranaten. Dies mache einen erheblichen Teil der jährlichen Kapazität in Europa aus, die er auf 270.000 bis 300.000 Granaten bezifferte.

Das Unternehmen wolle 250 bis 300 neue Mitarbeiter einstellen und die Kapazität auf 150.000 erhöhen, was jedoch wegen langer Lieferzeiten für die Produktionsausrüstung etwa zwei Jahre dauern würde. CSG ist für die Ukraine ein wichtiger Lieferant modernisierter Waffen aus der Sowjetzeit. Allerdings würden auch hier die Bestände und Liefermöglichkeiten knapp, sagte Strnad.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autonomes Fahren: Musk sieht zeitnahe Fortschritte bei der EU-Genehmigung
23.01.2026

Globale Machtverschiebungen und technologische Umbrüche verdichten sich derzeit spürbar. Welche Folgen ergeben sich daraus für Europas...

DWN
Politik
Politik Grönlands Ressourcen: NATO und USA sprechen über Zugriff auf seltene Erden
23.01.2026

Die strategische Bedeutung Grönlands rückt stärker in den Fokus westlicher Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen. Welche Folgen hat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zalando-Aktie: Osten ringt um Erfurter Logistikzentrum – Ramelow setzt auf Rettung
23.01.2026

Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow sieht die Zukunft des von Schließung bedrohten Zalando-Standorts in Erfurt mit 2.700...

DWN
Politik
Politik Kriegstüchtigkeit in Europa: Deutschland und Italien stärken Rüstungspartnerschaft
23.01.2026

Kanzler Merz und Ministerpräsidentin Meloni bauen die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien in den Bereichen Rüstung,...

DWN
Finanzen
Finanzen Intel-Aktie fällt vorbörslich stark - von Lieferengpässen ausgebremst
23.01.2026

Intel kämpft auf seinem Sanierungskurs weiterhin mit Kapazitätsengpässen. Die für das laufende Quartal prognostizierten Umsätze von...

DWN
Finanzen
Finanzen Bund überschreitet fast die Schuldenbremse – Finanzminister warnt vor anderem Risiko
23.01.2026

Das Grundgesetz legt dem Bund enge Grenzen bei der Kreditaufnahme auf. Die jüngste Abrechnung für 2025 zeigt, dass die erlaubte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eurozonen-Stimmung stagniert: Deutschland sieht Hoffnungsschimmer
23.01.2026

Während die Unternehmensstimmung in der Eurozone insgesamt zum Jahresbeginn auf der Stelle tritt, zeichnet sich in Deutschland eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Herzklopfen vor dem Chefgespräch? Wie Sie Angst im Job überwinden – und Vorgesetzte Signale erkennen
23.01.2026

Ein Gespräch mit dem Chef steht an – und plötzlich werden Puls und Gedanken schneller. Viele erleben Angst vor Vorgesetzten, obwohl...