Unternehmen

Cyber-Angriffe werden "unversicherbar"

Die Furcht der großen Versicherer vor teuren Hacker-Angriffen wächst. Laut Zurich-Chef Mario Greco können die wachsenden Schäden bald nicht mehr versichert werden.
Autor
27.12.2022 10:32
Aktualisiert: 27.12.2022 10:32
Lesezeit: 2 min

Mario Greco, der Vorstandsvorsitzende von Zurich, einem der größten europäischen Versicherer hat davor gewarnt, dass Cyberangriffe - im Gegensatz zu Naturkatastrophen - bald "nicht mehr versicherbar" sein werden, da Störungen durch Hackerangriffe weiter zunehmen werden. "Was ist, wenn jemand die Kontrolle über lebenswichtige Teile unserer Infrastruktur übernimmt, was sind die Folgen?", so Greco gegenüber der der Financial Times.

Jüngste Angriffe, die Krankenhäuser lahmlegten, Pipelines zum Stillstand brachten und auf Behörden abzielten, haben die Sorgen der Manager in Hinblick auf dieses wachsende Risiko geschürt. Dabei sind die Angriffe auf die Privatsphäre der Bürger Greco zufolge noch nicht einmal das größte Problem. "Zunächst einmal muss die Erkenntnis entstehen, dass es nicht nur um Daten geht. . es geht um die Zivilisation. Diese Leute können unser Leben ernsthaft stören."

Die in den letzten Jahren sprunghaft angestiegenen Schäden durch Cyberangriffe haben die Versicherer dieses Sektors dazu veranlasst, Sofortmaßnahmen zu ergreifen, um ihr Risiko zu begrenzen. Einige Versicherer haben nicht nur die Preise in die Höhe getrieben, sondern auch die Policen so angepasst, dass die Kunden für einen größteren Teil der Verluste selbst aufkommen müssen.

Für bestimmte Arten von Angriffen sind in den Policen Ausnahmen vorgesehen. Im Jahr 2019 lehnte Zurich zunächst eine Forderung des Lebensmittelkonzerns Mondelez in Höhe von 100 Millionen Dollar ab, die aus dem NotPetya-Angriff resultierte, mit der Begründung, dass die Police eine "kriegerische Handlung" ausschließe. Die beiden Seiten einigten sich später.

Im September verteidigte Lloyd's of London einen Schritt zur Begrenzung des systemischen Risikos von Cyberangriffen, als der Versicherer forderte, dass die auf dem Markt abgeschlossenen Versicherungspolicen eine Ausnahme für staatlich unterstützte Angriffe enthalten sollten. Allerdings ist es schwierig, die Hintermänner von Angriffen und ihre Verbindungen zu identifizieren.

Greco sagt, es gebe eine Grenze, wie viel der Privatsektor auffangen könne, wenn es darum gehe, alle durch Cyberangriffe entstehenden Verluste zu versichern. Er forderte die Regierungen auf, "privat-öffentliche Systeme zu schaffen, um systemische Cyber-Risiken zu handhaben, die nicht quantifiziert werden können, ähnlich denen, die in einigen Ländern für Erdbeben oder Terroranschläge existieren".

In einem Bericht des US Government Accountability Office vom Juni wurde die Gefahr hervorgehoben, dass Cybervorfälle auf andere verbundene Unternehmen übergreifen können. Beispiele wie der Hack der Colonial Pipeline, der zu einer vorübergehenden Benzinknappheit im Südosten der USA führte, zeigten, "dass ein einziger Cybervorfall auf kritische Infrastrukturen übergreifen und katastrophale Folgen haben kann", hießt es.

Greco lobte auch die Maßnahmen der US-Regierung, um der Zahlung von Lösegeldern entgegenzuwirken. "Wenn man die Zahlung von Lösegeldern einschränkt, wird es weniger Angriffe geben", so der Zurich-Chef.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volkswagen unter Druck: Wie umfangreich muss der Konzern sparen?
29.08.2026

Hohe Kosten, Überkapazitäten und ein unerbittlicher Wettbewerb setzen Volkswagen massiv unter Druck. Mehrere Werke fürchten um ihre...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Engpass bei Diesel: Warum Autofahrer einen teuren Winter fürchten müssen
29.08.2026

Die Straße von Hormus bleibt ein Nadelöhr für den weltweiten Ölhandel. Trumps neue Sanktionen sollen den Iran wirtschaftlich treffen,...

DWN
Technologie
Technologie Neue KI-Offensive könnte Bäckereien Millionen sparen
29.08.2026

Die Bäckereikette Bodenhoff will mit einem neuen KI-Werkzeug Abfall reduzieren und Mehrverkäufe sichern. Es soll die Planung der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deindustrialisierung schreitet voran: Deutschlands Industrie verliert weiter Arbeitsplätze
29.08.2026

Laut Daten des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) verliert Deutschland derzeit monatlich durchschnittlich rund 15.000...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld: Hamburg Direct Bank hebt Aktionszins für Tagesgeldkonto an
29.08.2026

Ein höherer Aktionszins und eine verlängerte Garantie machen das Tagesgeld der Hamburg Direct Bank noch interessanter. Weil Experten eine...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Warsh verspricht Kampf gegen die Inflation; S&P 500 und Chipwerte geben nach
28.08.2026

Wie die jüngsten Signale der US-Notenbank und überraschende Einzelmeldungen die Wall Street in Bewegung versetzen.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt 2.000 Fälle pro Tag: Wie das Legal-KI JUPUS aus Köln von der Kanzleikrise profitiert
28.08.2026

Weil Anwaltskanzleien keine Fachkräfte finden, boomt das Legal Tech von René Fergen. Das Unternehmen lässt eine KI die...

DWN
Immobilien
Immobilien Nebenkostenabrechnung prüfen: Wo Mieter sparen und widersprechen können
28.08.2026

Heizung, Wasser, Müllabfuhr oder Hausreinigung – Nebenkosten umfassen viele laufende Ausgaben rund ums Wohnen. Doch nicht jede Position...