Politik

Silvester-Krawalle: CSU erwägt, Berlin den Geldhahn zuzudrehen

Die CSU erhebt schwere Vorwürfe gegen die Berliner Regierung. Diese habe die Lage in der Stadt teilweise nicht mehr unter Kontrolle. Notfalls müsse man Sanktionen erlassen, um Druck aufzubauen.
06.01.2023 16:00
Aktualisiert: 06.01.2023 16:38
Lesezeit: 2 min
Silvester-Krawalle: CSU erwägt, Berlin den Geldhahn zuzudrehen
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. (Foto: dpa) Foto: Daniel Karmann

Nach den Silvester-Krawallen in Berlin fordert die CSU notfalls finanzielle Konsequenzen für die Hauptstadtregierung. Wenn das Land Berlin weiterhin politisch nicht willens und nicht bereit sei, Recht und Gesetz in der Hauptstadt durchzusetzen, dann müsse es finanzielle Sanktionen geben können, sagte der Chef der Bundestags-CSU, Alexander Dobrindt, am Freitag zu Beginn der Winterklausur der CSU-Landesgruppe im oberbayerischen Kloster Seeon. Der Länderfinanzausgleich wäre dafür der mögliche Hebel, betonte er.

Man kenne das eigentlich aus der Europäischen Union, sagte Dobrindt. „In Europa wissen wir, dass die Rechtsstaatlichkeit in allen Ländern umgesetzt werden muss. Wenn das nicht in dem Maße stattfindet, wie die Gemeinschaft das erfordert, dann kann das finanzielle Sanktionen haben.“ Der CSU-Politiker fügte hinzu: „Und was in Europa funktioniert, kann natürlich in Deutschland auch funktionieren.“

Maximale Strafen für Gewalttäter

Es brauche an der Stelle keine Integrationsdebatte, sondern eine Rechtsstaatsdebatte, forderte Dobrindt. „Berlin muss in der Lage sein, das Recht und Gesetz auf seinen Straßen mit umzusetzen.“ Dieser Verantwortung komme der Senat in Berlin seit längerem nicht nach. Stattdessen werde nun versucht, „Stellvertreterdebatten über Sozialarbeit oder über Böllerverbot zu initiieren“, sagte Dobrindt. Es gehe jetzt aber um Strafen und die Umsetzung von Strafen. Es brauche „maximale Strafen“ für die „unglaublichen Gewalttäter.“

CSU-Chef Markus Söder sagte, es gebe zig Beispiele, „wo der Staat Berlin nicht funktioniert“. Das könne in Zukunft nicht so bleiben. Söder kritisierte, in Berlin würde „Chaoten“ geradezu ermuntert, wenn sich Staat und Polizei zurückzögen beziehungsweise zurückziehen müssten. Der Polizei in der Hauptstadt fehle es an politischer Rückendeckung durch den Senat, an Bezahlung und Ausrüstung.

„Der Senat in Berlin schafft es ja nicht einmal, Wahlen zu organisieren: Wie soll er dann ernsthaft die Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger organisieren“, fragte Söder erneut. Es brauche jetzt keine „endlosen Gesellschaftsforen“. „Sondern schlichtweg: Die Polizei braucht mehr Rückendeckung in jeder Beziehung in Berlin.“

In Berlin muss die Wahl zum Abgeordnetenhaus wiederholt werden, nachdem das Landesverfassungsgericht die Wahl 2021 wegen vieler Pannen und „schwerer systemischer Mängel“ für ungültig erklärt hatte.

Berliner Feuerwehr spricht von gezielten Hinterhalten

In der Silvesternacht waren in mehreren deutschen Städten Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz angegriffen worden, unter anderem mit Böllern und Raketen. Besonders heftig waren die Attacken durch Migranten in Berlin.

Bei den Krawallen sind nach Angaben der Berliner Feuerwehr in mindestens 20 Fällen gezielt Barrikaden errichtet und Einsatzkräfte angegriffen worden. Das sei der bisherige Stand nach Gesprächen mit Feuerwehrleuten aus der Nacht, sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein am Freitag. Selbst erfahrene Feuerwehrleute hätten von einer Aggressivität und Gewalt berichtet, wie sie sie noch nie erlebt hätten.

„Wir haben eine ganz neue Intensität der Angriffe erleben müssen“, so Kirstein. Die Einsatzkräfte seien in Hinterhalte gelockt worden. Davon seien auch Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehr betroffen gewesen.

Bei den Einsätzen der Feuerwehr seien 15 Retter verletzt worden. An dieser bereits am Neujahrstag genannten Zahl habe sich nichts geändert, erklärte Kirstein.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey sowie Innensenatorin Iris Spranger (alle SPD) besuchten am Freitag die Feuerwache Neukölln und sprachen mit betroffenen Einsatzkräften.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handwerk wird teurer: Steigende Kosten treffen bald auch die Kunden
05.11.2026

Energie, Baustoffe, Löhne – die Kostenbelastung im Handwerk wächst und treibt die Preise nach oben. Warum der Aufschwung in der...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
05.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Panorama
Panorama Schuljahr 2025/2026: Weniger Erstklässler in Deutschland
05.11.2026

Rund 811.200 Kinder wurden im vergangenen Jahr eingeschult – etwa zwei Prozent weniger als Jahr zuvor. Was die Statistik außerdem über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Luxusyachten im Stau: Liegeplätze werden zum Milliardenmarkt
05.11.2026

Luxus auf hoher See, Parkplatznot im Hafen: Immer mehr Millionäre kaufen sich eine Yacht, doch die Zahl der Liegeplätze wächst kaum. Im...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: „Blaue Welle“ lässt Aktienmärkte steigen – Ölpreise auf Talfahrt
04.11.2026

Erfahren Sie, wie die neuesten politischen Entwicklungen in den USA die Finanzmärkte bewegen und welche Branchen jetzt im Fokus stehen.

DWN
Politik
Politik Stromumlage ab 2031 geplant: Stromverbraucher sollen neue Gaskraftwerke finanzieren
04.11.2026

Elf Kraftwerksprojekte erhalten Geld dafür, Strom für Dunkelflauten bereitzuhalten. Die Kosten sollen auf alle Stromverbraucher umgelegt...

DWN
Technologie
Technologie Digitale Souveränität: Wie Trump Europas Cloud-Abhängigkeit offenlegt
04.11.2026

Europäische Unternehmen speichern ihre Daten in heimischen Rechenzentren und verlassen sich auf deren Sicherheit. Doch der...

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
04.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...