Politik

Fed-Chef Powell verweigert Rettung des Klimas

Fed-Chef Jerome Powell hat Forderungen eine Absage erteilt, die US-Notenbank solle grün werden (wie die EZB) und die Rettung des Klimas unterstützen.
Autor
10.01.2023 19:24
Aktualisiert: 10.01.2023 19:24
Lesezeit: 2 min
Fed-Chef Powell verweigert Rettung des Klimas
Fed-Chef Jerome Powell will keine Klimapolitik machen. (Foto: dpa) Foto: Claudio Bresciani

Der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, hat Grenzen dafür gesetzt, wie weit die US-Notenbank sich mit der Förderung einer grüneren Wirtschaft befassen wird. "Wir sind kein Klimapolitiker und werden es auch nicht sein", sagte er am Dienstag in einer Rede zur Unabhängigkeit der Zentralbank auf einem Forum in Stockholm.

"Die Fed hat enge, aber wichtige Verantwortlichkeiten in Bezug auf klimabezogene Finanzrisiken. Aber ohne ausdrückliche Gesetzgebung des Kongresses wäre es für uns unangemessen, unsere geldpolitischen oder aufsichtsrechtlichen Instrumente zur Förderung einer grüneren Wirtschaft oder zur Erreichung anderer klimabasierter Ziele einzusetzen", zitiert Bloomberg den Fed-Chef.

Powell äußerte sich in dem kurzen vorbereiteten Text nicht direkt zu den wirtschaftlichen oder geldpolitischen Aussichten. Er sagte jedoch, dass "die Wiederherstellung der Preisstabilität bei hoher Inflation Maßnahmen erfordern kann, die kurzfristig unpopulär sind, wenn wir die Zinssätze erhöhen, um die Wirtschaft zu bremsen."

In drei Wochen steht die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses FOMC der US-Notenbank an, der den Leitzins im vergangenen Jahr von nahe Null auf eine Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent angehoben hat, vorgeblich um die hohe Inflation zu bekämpfen. Die Beamten streben in diesem Jahr eine Zinserhöhung auf über 5 Prozent an, auch wenn die Zinsen auf der nächsten Sitzung wieder langsamer erhöhen könnten.

Powell sagte, die Unabhängigkeit der Fed habe der Öffentlichkeit gute Dienste geleistet, und fügte hinzu, die Zentralbank müsse sich diese Unabhängigkeit "kontinuierlich verdienen", indem sie ihre Ziele erreiche und der Öffentlichkeit und dem Kongress Transparenz biete. Der Fed-Chef ist bei der Frage geht, inwieweit sich die Fed mit dem Klimawandel befasst, wiederholt unter Druck gesetzt worden.

Im Jahr 2021 sprachen sich einige Abgeordnete der Demokratischen Partei und linksgerichtete Gruppen gegen seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit aus. Sie warfen Powell vor, er tue nicht genug für die Bekämpfung der globalen Erwärmung. Und als die Zentralbank ihr Augenmerk zunehmend auf mögliche finanzielle Risiken des Klimawandels richtete, stieß die bei republikanischen Abgeordneten auf Kritik.

Powell sagte, die Zentralbank solle nicht "abschweifen, um vermeintliche soziale Vorteile zu verfolgen, die nicht eng mit unseren gesetzlichen Zielen und Befugnissen verbunden sind". Ganz anders sieht es EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Sie will das Mandat ihrer Notenbank ausweiten und das Weltklima retten, sagten schon vor Jahren Marc Friedrich und Matthias Weik.

Er fügte hinzu, dass die Wiederherstellung der Preisstabilität unpopuläre Maßnahmen wie eine Verlangsamung der Wirtschaft erfordern kann. "Da wir keine direkte politische Kontrolle über unsere Entscheidungen haben, können wir diese notwendigen Maßnahmen ergreifen, ohne kurzfristige politische Faktoren zu berücksichtigen", so Powell.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Staatsanleihen unter Druck: Wie der Krieg den Preis des Geldes erhöht
31.05.2026

Lange galten Staatsanleihen als sicherer Hafen, nun werden sie selbst zum Warnsignal. Krieg, Energiepreise und Inflation treiben Renditen...

DWN
Panorama
Panorama Kimmel, Fallon, Stewart: Die wichtigsten Late-Night-Shows in den USA – und ihre Wirkung
31.05.2026

Von Johnny Carson bis Jimmy Kimmel: Late-Night-Shows gehören fest zur US-Unterhaltungskultur. Heute kämpfen die Formate jedoch mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Psychische Belastung im Beruf: Wie Beschäftigte mentale Belastung besser bewältigen
31.05.2026

Pflegekräfte, Polizisten oder Rettungssanitäter erleben täglich belastende Situationen. Viele nehmen den emotionalen Druck mit nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Euro: Europas Banken bauen eigene Stablecoin-Alternative
31.05.2026

Europäische Banken wollen mit einem Euro-Stablecoin die digitale Zahlungsinfrastruktur verändern. Dahinter steht die Sorge, dass der...

DWN
Panorama
Panorama Kölner Dom: Eintrittsgeld geplant – verliert ein Wahrzeichen seinen Zauber?
31.05.2026

Der Kölner Dom zieht jedes Jahr Millionen Menschen an – Gläubige, Touristen und Einheimische gleichermaßen. Ab Juli soll der Eintritt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Diagnose in Minuten: Irisches Startup will ADHS schneller erkennen
31.05.2026

Ein irisches KI-Startup will ADHS und andere Erkrankungen mit Hirnscans deutlich schneller erkennen. Die Technologie könnte Diagnosen...

DWN
Panorama
Panorama Schlafprobleme im Alltag: Welche Maßnahmen wirklich zu besserem Schlaf führen
31.05.2026

Schlafmangel entwickelt sich für viele Menschen zu einem strukturellen Problem des modernen Alltags. Welche Faktoren spielen dabei eine...

DWN
Technologie
Technologie Wasserstofffabrik auf Rädern: Kleine Anlage soll Generatoren und Drohnen versorgen
30.05.2026

In Nord-Tallinn, in der Laevastiku-Straße, steht ein Gebäude aus roten Ziegeln. Von außen wirkt der Ort verlassen, doch im Inneren wird...