Politik

Schon wieder Geheimdokumente in Bidens Privathaus gefunden

Erneut sind hochsensible Dokumente in Bidens Privatanwesen gefunden worden. Das Weiße Haus steht wegen seiner Informationspolitik massiv in der Kritik.
16.01.2023 11:38
Aktualisiert: 16.01.2023 11:38
Lesezeit: 3 min

US-Präsident Joe Biden gerät wegen der Aufbewahrung geheimer Regierungsdokumente in privaten Räumen zunehmend unter Druck. Bidens Berater Richard Sauber teilte am Samstag mit, er habe im Privathaus des Präsidenten im Bundesstaat Delaware weitere fünf Seiten an vertraulichen Regierungsunterlagen gefunden.

Bidens Mitarbeiter hatten zuvor bereits in mehreren Tranchen an verschiedenen Orten Unterlagen aus seiner Zeit als US-Vizepräsident entdeckt. Der Demokrat und das Weiße Haus stehen wegen ihrer Kommunikationspolitik in dem Fall stark in der Kritik. Der neue Fund trägt dazu bei. Die Republikaner im Kongress forderten am Sonntag bei der Regierung weitere Informationen zu dem Fall an.

Biden war von 2009 bis 2017 Stellvertreter des damaligen Präsidenten Barack Obama. In den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass vertrauliche Regierungsunterlagen aus dieser Zeit an verschiedenen Orten entdeckt worden waren: in privaten Büroräumen Bidens in Washington und in seinem Haus in Wilmington in Delaware. In Wilmington entdeckten Mitarbeiter Geheimunterlagen in Bidens Garage, was dem Demokraten besonderen Spott bescherte, aber auch in einem "angrenzenden Raum", den Biden seine "persönliche Bibliothek" nannte.

Lesen Sie dazu: Erneut Geheimdokumente Bidens in öffentlichen Räumen gefunden worden

In jenem Raum hatten Bidens persönliche Anwälte am Mittwoch zuletzt eine Seite vertrauliches Material gefunden. Da die Anwälte keine Sicherheitsfreigabe für den Umgang mit Geheimdokumenten der Regierung besäßen, hätten sie ihre Suche umgehend eingestellt. Sauber sagte, er selbst habe die nötige Befugnis für den Umgang mit Geheimunterlagen und sei daher am Donnerstagabend nach Wilmington gereist, um die Dokumente an das Justizministerium zu übergeben. Während der Übergabe seien die zusätzlichen fünf Seiten aufgetaucht.

Informationspolitik des Weißen Hauses in der Kritik

Warum das Weiße Haus erst zwei Tage später über den Fund informierte, ist offen. Bidens Sprecherin Karine Jean-Pierre wich in den vergangenen Tagen konsequent Nachfragen von Reportern zu dem Fall aus. Auf die Frage, ob der Präsident sicher sei, dass bei weiteren Durchsuchungen keine weiteren Geheimunterlagen mehr gefunden würden, hatte sie am Donnerstag gesagt: "Sie sollten davon ausgehen, dass die Suche abgeschlossen ist, ja." Dass das Weiße Haus einen weiteren Fund einräumen muss, ist für Biden höchst unangenehm. Denn schon zuvor hatte die Regierungszentrale nur scheibchenweise Informationen preisgegeben und die Öffentlichkeit insgesamt lange nicht eingeweiht.

Die erste Tranche an vertraulichen Regierungsunterlagen war am 2. November entdeckt worden - kurz vor den Kongresswahlen in den USA. Darunter war laut einem Bericht des US-Senders CBS Material der höchsten Geheimhaltungsstufe. Das Weiße Haus betont, Bidens Anwälte hätten damals umgehend das Nationalarchiv informiert, das für die Aufbewahrung solcher Dokumente zuständig ist. Die Öffentlichkeit erfuhr aber erst davon, als Medien am vergangenen Montag über den delikaten Fund berichteten. Als Reaktion auf die erste Entdeckung beim Ausräumen der privaten Büroräume in Washington suchten Bidens Mitarbeiter laut Berater Sauber dann auch an anderen Orten nach weiteren Unterlagen und wurden schließlich in Wilmington fündig.

Am Donnerstag hatte Justizminister Merrick Garland einen Sonderermittler eingesetzt, um den Fall zu untersuchen. Garland legte dabei offen, dass Bidens Team das Justizministerium bereits am 20. Dezember über den Fund der Verschlusssachen in der Garage in Wilmington informiert hatte. Das Weiße Haus bestätigte diesen Garagen-Fund allerdings nicht in der ersten öffentlichen Stellungnahme vor wenigen Tagen, sondern wieder erst in Reaktion auf Medienberichte. Auch das stieß auf viel Unverständnis.

Biden war am Samstag wie oft an Wochenenden selbst in Wilmington, als die Nachricht über den neuen Fund öffentlich wurde. Für den Präsidenten sind die Enthüllungen politisch höchst heikel - nicht nur, weil es nicht erlaubt ist, vertrauliche Regierungsunterlagen nach dem Ausscheiden aus einem Amt privat zu lagern, denn dafür ist in den USA das Nationalarchiv zuständig.

Auch Trump bewahrte sensible Dokumente daheim auf

Der Dokumentenfund bei Biden hat auch deshalb große Brisanz, weil der frühere republikanische Präsident Donald Trump mit einem ähnlichen Fall im Sommer für einen Skandal gesorgt hatte: Trump bewahrte nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus in großem Umfang vertrauliche Regierungsunterlagen in seinem privaten Anwesen in Florida auf - darunter etliche Dokumente mit höchster Geheimhaltungsstufe. Die Bundespolizei FBI durchsuchte das Anwesen im August und beschlagnahmte diverse Verschlusssachen. Biden kritisierte Trumps Umgang mit den Dokumenten damals. Nun ist er selbst heftiger Kritik von Trump und dessen Republikanern ausgesetzt.

Die Republikaner hatten zu Jahresbeginn die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernommen, und mehrere Ausschüsse dort haben bereits erste parlamentarische Nachforschungen zu Bidens Dokumenten angestoßen - unter anderem das Gremium, das für die Aufsicht über die Regierung zuständig ist. Dessen republikanischer Vorsitzender, James Comer, forderte am Sonntag in einem Brief an das Weiße Haus mit Blick auf den neuen Fund zusätzliche Informationen zu dem Fall an.

Comer warf der Regierung mangelnde Transparenz und Heuchelei vor. "Die Regierung war nicht transparent", sagte er dem TV-Sender CNN am Sonntag. "Es erscheint heuchlerisch, es erscheint wie Doppelmoral", beklagte Comer mit Blick auf den Fall seines Parteikollegen Trump und mahnte: "Wir wollen einfach eine Gleichbehandlung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Uvex: Wie der Skibrillen-Hersteller von den Olympischen Winterspielen profitiert
13.02.2026

Bei den Olympischen Winterspielen 2026 ist Uvex auf den Pisten und im Eiskanal allgegenwärtig. Athleten wie Skispringer und...

DWN
Politik
Politik Kakaopreis unter Druck: Schwache Nachfrage und wachsende Lagerbestände belasten den Markt
13.02.2026

Der Kakaopreis ist auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen, weil steigende Produktion und schwächere Nachfrage den...

DWN
Politik
Politik Klimawandel: Umweltminister kritisiert US-Pläne zur Lockerung von Klimaregeln
13.02.2026

Die US-Umweltbehörde will eine zentrale Regel zur Regulierung von Treibhausgasen aufheben. Bundesumweltminister Schneider nennt das...

DWN
Politik
Politik Bürokratie-Debatte der EU: Von der Leyen kritisiert nationale Auflagen
13.02.2026

Der Streit über Bürokratie und Wettbewerbsfähigkeit in der EU verschärft sich, nachdem Ursula von der Leyen die Mitgliedstaaten in die...

DWN
Finanzen
Finanzen Pfandbriefbank-Aktie stürzt auf Rekordtief: Immobilienkrise belastet länger als erwartet
13.02.2026

Die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) findet keinen Boden. Trotz des teuren Rückzugs aus dem US-Markt zwingt die schleppende Erholung der...

DWN
Politik
Politik NATO-Einsatz über Island: Deutsche Eurofighter starten zur Arktis-Mission
13.02.2026

Deutschland verstärkt seine Präsenz im hohen Norden. Wie Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Münchner Sicherheitskonferenz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsstandort Deutschland: Wie Zukunftspessimismus die Wirtschaft bremst
13.02.2026

Ein düsterer Blick in die Zukunft und eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung belasten den Standort Deutschland immer stärker. Laut...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau-Jobs in Gefahr: Deutscher Anlagenbau baut 22.000 Stellen ab
13.02.2026

Die anhaltende Konjunkturflaute hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt der deutschen Schlüsselindustrie. Im Jahr 2025 ist die Zahl...