Finanzen

Zinssenkung: Händler wetten auf Kehrtwende der Bank of England

Händler wetten darauf, dass die Bank of England nicht nur aufhören wird, den Leitzins weiter zu erhöhen, sondern ihn sogar noch dieses Jahr wieder senken wird.
Autor
25.01.2023 15:09
Aktualisiert: 25.01.2023 15:09
Lesezeit: 2 min

Die Händler wetten darauf, dass die Bank of England (BOE) noch in diesem Jahr ihren Kurs umkehren und ihren Leitzins senken wird. Hintergrund ist die schwächelnde britische Wirtschaft, die der Notenbank als Rechtfertigung dienen kann, um die Straffung der Geldpolitik abzubrechen und sogar wieder zu lockern.

Zum ersten Mal seit August zeigen die Wetten auf dem Geldmarkt, dass eine Senkung des Leitzinses um einen Viertelpunkt bis zum Jahresende vollständig eingepreist ist. Eine Anhebung um 0,5 Punkte durch die Bank of England im nächsten Monat gilt immer noch fast als ausgemachte Sache, wobei die Händler darauf wetten, dass die Zinsen weiter steigen, bevor sie im Sommer einen Höchststand von 4,5 Prozent erreichen.

Die Neubewertung durch die Händler erfolgt, nachdem eine Reihe von Wirtschaftsdaten auf ein stagnierendes Wachstum und eine nachlassende Inflation hindeutet. Der Markt beginnt zu zweifeln, ob die britische Zentralbank in der Lage sein wird, die Zinsen lange so hoch zu halten. Der Leitzins der Bank liegt derzeit bei 3,5 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt.

"Wir sehen die wirtschaftlichen Aussichten für Europa positiver, sind aber nach wie vor negativ gegenüber Großbritannien eingestellt", zitiert Bloomberg Mohit Kumar, einen Zinsstrategen bei der US-amerikanischen Investmentbank Jefferies. "Selbst wenn die BOE die Zinsen im Februar um 50 Basispunkte anheben sollte, wäre das eine dovishe Maßnahme.

Am Mittwoch veröffentlichte Zahlen zeigen, dass die Inflation der Fabrikpreise im Vereinigten Königreich so langsam wie seit fast einem Jahr nicht mehr gestiegen ist, nachdem bereits am Dienstag getrennte Daten veröffentlicht wurden, die auf eine schwache Stimmung im Dienstleistungssektor und auf Produktionskürzungen in den Fabriken in Rekordhöhe hinwiesen.

Für viele westliche Zentralbanken ist ein Ende der Zinserhöhunen in Sicht, was die Händler zu Spekulationen über den wahrscheinlichen Kurs der Politik nach dem Höchststand veranlasst. Ökonomen haben argumentiert, dass die BOE die Zinsen möglicherweise langsamer senkt als andere Zentralbanken, was unter anderem auf den Mangel an Arbeitskräften zurückzuführen ist, der die Inflation andauern lässt.

Die Wetten auf Zinssenkungen haben dazu beigetragen, dass britische Anleihen zum fünften Mal in Folge besser abschnitten als deutsche Bundesanleihen, wobei die Rendite zehnjähriger Gilts um sieben Basispunkte auf 3,21 Prozent sank. Die Bank of England wird nächste Woche zusammen mit der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank konferieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Panorama
Panorama Studie: Deutsche vertrauen Demokratie – aber mit Zweifel
04.05.2026

Viele Menschen in Deutschland bekennen sich klar zur Demokratie – zumindest in der Theorie. Doch sobald es um die konkrete Umsetzung...

DWN
Finanzen
Finanzen Übernahmekampf: Unicredit erhöht Druck - Commerzbank wehrt sich energisch
04.05.2026

Seit Monaten verteidigt die Commerzbank ihre Eigenständigkeit. Die italienische Unicredit hält das nicht davon ab, den DAX-Konzern unter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreis aktuell: Wird das Thema unter Trump jetzt zur finanziellen Katastrophe?
04.05.2026

Trump bringt den Ölpreis erneut in Bewegung und steht vor zwei schlechten Optionen. Wird aus der Blockade von Hormus nun der nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eurozone: Industriestimmung trotzt externen Belastungen
04.05.2026

Die Industriestimmung in der Eurozone zeigt sich überraschend robust und steigt trotz geopolitischer Risiken weiter an. Doch hinter den...

DWN
Finanzen
Finanzen Volatile Thyssenkrupp-Aktie trotzt kurzzeitig dem Gegenwind - MDAX-Wert mit Auf und Ab
04.05.2026

Die Thyssenkrupp-Aktie überrascht Anleger mit einer unerwarteten Kursbewegung in die Gewinnzone. Trotz gestoppter Verkaufspläne im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tegut-Übernahme: Das sind die Folgen für Verbraucher und den Wettbewerb
04.05.2026

Mit dem Verkauf von Tegut steht eine bekannte Supermarktkette vor dem Aus. Die Tegut-Übernahme durch Edeka und Rewe könnte den Wettbewerb...

DWN
Panorama
Panorama Fundrecht: Wann dürfen Sie ein gefundenes Handy behalten?
04.05.2026

Ein verlorenes Handy liegt unbeachtet auf einer Bank – und plötzlich steht die Frage im Raum: Darf man es einfach mitnehmen? Wer einen...

DWN
Finanzen
Finanzen DeepL-Börsengang rückt näher: Europas KI-Branche vor Bewährungsprobe
04.05.2026

Der DeepL-Börsengang könnte Europas KI-Branche an einem entscheidenden Punkt treffen, an dem Euphorie, Kapitalbedarf und Effizienzfrage...