Finanzen

Niemals zuvor haben die Staaten so viel Gold gekauft

Im Jahr 2022 kauften die Zentralbanken 1135,7 Tonnen Gold - deutlich mehr als je zuvor. Der World Gold Council sieht Anzeichen dafür, dass dieser Trend anhält.
Autor
14.02.2023 09:13
Aktualisiert: 14.02.2023 09:13
Lesezeit: 3 min

Schon seit 2010 steigen die gesamten Goldbestände der globalen Zentralbanken jedes Jahr immer weiter an. Im letzten Jahr erhöhten die Zentralbanken ihre Bestände so stark wie niemals zuvor in den Aufzeichnungen des World Gold Council, die bis 1950 zurückreichen. Die Zentralbanken kauften 2022 netto 1135,7 Tonnen Gold, das war ein Anstieg zum Vorjahr um 152 Prozent. Vor allem in den Quartalen 3 und 4 kauften sie jeweils mehr als 400 Tonnen.

In der aktuellen jährlichen Umfrage des World Gold Council nannten die Zentralbanken zwei Hauptgründe für die Entscheidung, Gold zu halten: sein Nutzen in Krisenzeiten und sein Nutzen als langfristiges Wertaufbewahrungsmittel. Und tatsächlich brachte das Jahr 2022 sowohl geopolitische Unsicherheit, als auch galoppierende Inflation. Der Großteil der gemeldeten Nachfrage nach Gold im vergangenen Jahr entfiel erneut auf die Zentralbanken der Schwellenländer.

China hat seine Goldkäufe 2022 wieder auf. Ende des Jahres meldete die chinesische Zentralbank die erste Erhöhung ihrer Goldreserven seit September 2019. Im November und Dezember kündigte sie Goldkäufe in Höhe von insgesamt 62 Tonnen an, wodurch ihre Gesamtgoldreserven zum ersten Mal auf über 2.000 Tonnen stiegen. China ist historisch ein großer Goldkäufer und kaufte zwischen 2002 und 2019 insgesamt 1.448 Tonen Gold. Im Januar 2023 hat China schon weitere Goldkäufe in Höhe von 15 Tonnen gemeldet.

Den größten Kauf im Jahr 2022 meldete jedoch nicht China, sondern die Türkei. Die offiziellen Goldreserven der türkischen Zentralbank stiegen um 148 Tonnen auf 542 Tonnen und damit auf den höchsten jemals verzeichneten Stand. Auch der Nahe Osten war ein aktiver Käufer von Gold. Ägypten (47 Tonnen), Katar (35 Tonnen), Irak (34 Tonnen), die Vereinigten Arabischen Emirate (25 Tonnen) und Oman (2 Tonnen) stockten ihre Goldreserven erheblich auf.

Auch in Zentralasien gab es zahlreiche Käufe. Obwohl die Zentralbank von Usbekistan das Jahr als Nettoverkäufer begann, beendete sie das Jahr als Nettokäufer von Gold, wobei ihre Goldreserven um 34 Tonnen stiegen. Auch die Kirgisische Republik (6 Tonnen) und Tadschikistan (4 Tonnen) waren nennenswerte Käufer. Die indische Zentralbank fügte weitere 33 Tonnen hinzu. Ihre Goldreserven belaufen sich nun auf 787 Tonnen.

Andere Länder wie Ecuador (3 Tonnen), die Tschechische Republik (1 Tonnen) und Serbien (1 Tonnen) waren ebenfalls nennenswerte Käufer. Irland war die einzige Zentralbank der Industrieländer, die ihre Goldreserven im Laufe des Jahres aufstockte und im ersten Quartal immerhin 3 Tonnen kaufte.

Neben den zahlreichen Goldkäufen durch Zentralbanken gab es im Laufe des Jahres 2022 aber auch einige Verkäufe. Deutschland verzeichnete im Rahmen seines laufenden Münzprägeprogramms Nettoverkäufe von 4 Tonnen, während Sri Lanka (3 Tonnen), Polen (2 Tonnen), die Philippinen (2 Tonnen), die Mongolei (2 Tonnen), Bosnien und Herzegowina (1 Tonne), Kambodscha (1 Tonne) und Bhutan (1 Tonne) jeweils mindestens eine Tonne Gold verkauften.

Die Nationalbank von Kasachstan war 2022 der größte Verkäufer und reduzierte ihre Goldbestände um 51 Tonnen auf 352 Tonnen. In einer Erklärung gegenüber Bloomberg gab die Nationalbank von Kasachstan an, dass sie für 2023 weitere Goldverkäufe plane. Es ist dem World Gold Council zufolge nicht ungewöhnlich, dass jene Zentralbanken, die regelmäßig die inländische Goldproduktion aufkaufen, zwischen Käufen und Verkäufen schwanken.

Die russische Zentralbank kündigte an, dass sie nach der Verhängung internationaler Sanktionen wieder Gold von inländischen Produzenten kaufen würde. Seit einem Rückgang der Goldreserven um 3 Tonnen im Januar wurden jedoch keine weiteren Daten gemeldet. Der World Gold Council erwartet, dass die Zentralbanken auch im Jahr 2023 Nettokäufer von Gold sein werden. Allerdings geht er nicht davon aus, dass die Nachfrage der Zentralbanken im Jahr 2023 wieder das extreme Niveau des letzten Jahres erreichen wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Offshore-Windkraft vor Comeback: Energieriesen setzen wieder auf Europa
23.05.2026

Die Offshore-Windkraft hat schwere Jahre hinter sich. Jetzt wittern Energieriesen in Europa wieder Chancen, doch aus Optimismus wird nur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 39 Billionen Dollar Schulden: Amerikas größter Gläubiger heißt Amerika
23.05.2026

Die USA häufen alle drei Monate eine Billion US-Dollar Schulden an und zahlen inzwischen mehr als eine Billion Dollar Zinsen pro Jahr. Wer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mythos Fachkräftemangel beendet: Deutschlands Arbeitsmarkt bricht langfristig ein
23.05.2026

Schwache Frühjahrsbelebung, keine Trendumkehr: Der deutsche Arbeitsmarkt kippt langfristig in eine neue Massenarbeitslosigkeit. Warum es...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fußball-WM 2026: Sporthändler hoffen auf Umsatzboom durch Trikotverkäufe – ist das realistisch?
23.05.2026

Fußball-WM als Umsatzmotor? Die Sporthändler setzen auf Fans, die nicht nur zum Public Viewing, sondern auch in die Geschäfte kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Netzplan im Projektmanagement: Wie Unternehmen ihre Projekte planbar machen
23.05.2026

Der Netzplan macht im Projektmanagement sichtbar, was Bauchgefühl übersieht. Warum die Netzplantechnik 2026 wieder Konjunktur hat – und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Cupra Terramar im Test: Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens ist nur noch Erinnerung
23.05.2026

Der Cupra Terramar will nicht brav sein. Er kombiniert SUV-Format, Premium-Gefühl und sportliche Optik mit einem Benziner, der mehr kann,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Ölpreise: IEA erwartet neuen Wachstumsschub für Elektroautos
23.05.2026

Elektroautos verkaufen sich weltweit so stark wie nie zuvor. Hohe Energiepreise und die Krise im Nahen Osten könnten diesen Trend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ökonomen ratlos: Stehen wir vor einer großen Weltwirtschaftskrise?
23.05.2026

Pessimisten warnen vor Stagflation, Optimisten vertrauen auf KI und starke Unternehmen. Die Wahrheit über die Weltwirtschaft könnte...