Politik

Nach jahrelangem Streit: UN-Vertrag zum Schutz der Ozeane verabschiedet

Dreißig Prozent der internationalen Gewässer sollen bis 2030 geschützt werden. Das Abkommen könnte bestimmten Firmen erhebliche Hürden in den Weg legen.
12.03.2023 00:00
Aktualisiert: 12.03.2023 00:00
Lesezeit: 3 min
Nach jahrelangem Streit: UN-Vertrag zum Schutz der Ozeane verabschiedet
Der UN-Vertrag zum Schutz der biologischen Vielfalt der Meere kann das Ende der unregulierten Ausbeutung der Ozeane bedeuten. (Foto: dpa)

Nach fast zwei Jahrzehnten haben sich Länder weltweit auf ein historisches Abkommen zum Schutz der Ozeane geeinigt, die außerhalb der nationalen Grenzen liegen. Der UN-Hochseevertrag („UN High Seas Treaty“), der bis 2030 den Schutz von 30 Prozent der internationalen Gewässer zum Ziel hat, wurde am Wochenende nach Marathon-Gesprächen in New York beschlossen.

Es ging vor allem um die Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Erfüllung der Vertragsverpflichtungen und um die Frage, wer von den Meeresressourcen profitieren wird. Der Financial Times zufolge handelt es sich bei dem Abkommen um lukrative Fischerei- und Schifffahrtsrechte sowie um künftige Vorschläge für den Tiefseebergbau und die Gewinnung von bestimmten Substanzen aus dem Meeresleben, die pharmazeutische Anwendungen haben könnten.

Mehr als 60 Prozent der Ozeane gelten als internationale Gewässer, in denen alle Länder das Recht haben zu fahren, zu fischen und zu forschen, obwohl nur 1,2 Prozent der Gewässer geschützt sind.

Neue Hürden für Unternehmen

Laut Bloomberg könnte der UN-Vertrag nach seiner Ratifizierung neue Hürden für Unternehmen einführen, die in diesen Gewässern tätig sind – auch für die Firmen, die Kohlendioxid aus dem Ozean entfernen wollen. Eine solche Firma ist ein Unternehmen namens „Propeller“ mit Sitz in Boston. Die Firma will Technologien entwickeln, um Kohlendioxid aus dem Meer zu entfernen, um die Schifffahrt zu dekarbonisieren und die Effizienz in der Schifffahrtsindustrie zu verbessern. Dafür will „Propeller“ auch in Unternehmen investieren, die Mikroben und andere Organismen aus dem Meer für die Erzeugung von Energie, Arzneimitteln und anderen Produkten nutzen wollen.

Susanna Fuller, Mitglied des Lenkungsausschusses der „High Seas Alliance“, einer Koalition von mehr als 40 Umweltgruppen, sagte gegenüber Bloomberg: „Ich glaube, dass das Ende des Wilden Westens in Sicht ist, wenn wir uns wirklich verpflichten, diesen Vertrag umzusetzen. Wir müssen es so bald wie möglich zum Laufen bringen, um uns mit diesen Dingen zu befassen“, fügte sie hinzu, in Bezug auf die CO2-Entfernungsprogramme, die aktuell von verschiedenen Firmen geplant werden.

Hintergrund zum jüngsten Abkommen

Der jüngste UN-Vertrag ermöglicht Instrumente zur Einrichtung und Verwaltung von Meeresschutzgebieten, regelt den Zugang zu und die Nutzung von genetischen Meeresressourcen und legt die Anforderungen an Umweltverträglichkeitsprüfungen für Tiefseeaktivitäten fest, so die Financial Times. Verhandlungsführer hätten sich über die Frage gestritten, wie die Gewinne aus neu entdeckten Meeresressourcen aufgeteilt werden sollten. „Es war eine Frage des Nutzens, denn die hohe See gehört allen oder niemandem“, sagte Antonia Leroy, Leiterin der Meerespolitik beim WWF EU.

Die Diskussion darüber, welche regionalen Organisationen die Schutzgebiete überwachen sollten, sei ebenfalls hitzig gewesen. Verhandlungen waren jahrelang durch Unstimmigkeiten über die Finanzierung und die Fischereirechte verzögert worden. Laut dem BBC wurde das letzte internationale Abkommen zum Schutz der Meere, das UN-Seerechtsübereinkommen, vor 40 Jahren in 1982 unterzeichnet. Mit diesem Vertrag wurde ein Gebiet geschaffen, das als „Hohe See“ bezeichnet wurde, und wo ungefähr nur ein Prozent der Gewässer jetzt geschützt sind. Die außerhalb dieser Schutzgebiete lebenden Meeresbewohner sind aktuell durch den Klimawandel, die Überfischung und den Schiffsverkehr bedroht.

Dem BBC zufolge hat die Internationale Union für Naturschutz in ihrer jüngsten Bewertung weltweiter Meeresarten festgestellt, dass fast zehn Prozent vom Aussterben bedroht sind. Die neuen Schutzgebiete, die in dem jüngsten UN-Vertrag festgelegt werden, schränken die Fischerei, die Schifffahrtsrouten und Explorationstätigkeiten sowie den Tiefseebergbau ein, bei dem Mineralien in einer Tiefe von 200 Metern oder mehr abgebaut werden. Umweltgruppen sind besorgt, dass diese Aktivitäten die Brutstätten von Tieren stören, Lärmbelästigung verursachen und giftig für das Meeresleben sein könnten.

Die Internationale Meeresbodenbehörde („the International Seabed Authority“), die für die Erteilung von Lizenzen zuständig ist, erklärte gegenüber dem BBC, dass „alle künftigen Aktivitäten in der Tiefsee strengen Umweltvorschriften und einer strengen Aufsicht unterliegen werden, um sicherzustellen, dass sie nachhaltig und verantwortungsvoll durchgeführt werden“.

Erfolg für den Multilateralismus

Laut der Financial Times twitterte Csaba Kőrösi, Präsident der UN-Generalversammlung: „Dies (das Abkommen) ist ein großer Erfolg für den Multilateralismus. Ein Beispiel für den Wandel, den unsere Welt braucht und die Menschen, denen wir dienen, verlangen.“

Greenpeace sagte es gebe „immer noch Fehler im Text“, aber der Vertrag sei ein „monumentaler Sieg für den Schutz der Ozeane und ein wichtiges Zeichen, dass Multilateralismus in einer zunehmend gespaltenen Welt immer noch funktioniert“.

Das Abkommen muss noch von 60 Staaten ratifiziert werden, bevor es in Kraft treten kann, und wird auf einer späteren UN-Sitzung offiziell verabschiedet werden.

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Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

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