Wirtschaft

Bundesregierung und andere Staaten kündigen „Klima-Entschädigungszahlungen“ an

Die Bundesrepublik und andere europäische Regierungen werden Entwicklungsländern Millionen für einen "Verlust- und Schadensfonds" bereitstellen.. Experten behaupten, dass bis 2030 jedes Jahr Hunderte von Milliarden Dollar Katastrophen-Hilfe benötigt würden.
10.11.2022 16:00
Lesezeit: 2 min
Bundesregierung und andere Staaten kündigen „Klima-Entschädigungszahlungen“ an
Die Klimakrise wird massive wirtschaftliche Folgen haben für afrikanische Länder. Industrieländer haben jetzt nach langem Wringen finanzielle Zusagen gemacht. (Foto: dpa)

Eine Handvoll von europäischen Regierungen haben sich bereit erklärt, unter dem Stichwort „loss and damage,“ Entwicklungsländer, die von den Auswirkungen des Klimawandels besonders stark betroffen sind, finanziell zu unterstützen. Dies, nachdem Schottland bereits auf dem UN-Klimagipfel letztes Jahr als erstes Land eine finanzielle Zusage machte, und andere Staaten aufforderte, zu folgen.

Der Begriff „loss and damage" bezieht sich auf Verluste und Schäden, die durch Wetterextreme entstanden sind. Nach Meinung von Experten werden bis 2030 jedes Jahr Hunderte von Milliarden Dollar benötigt, um Entwicklungsländern bei der Reparatur und dem Wiederaufbau nach Klima-Katastrophen zu helfen.

In den 54 Ländern Afrikas leben 15 Prozent der Weltbevölkerung, diese tragen aber weniger als vier Prozent zur Co2-Emission der Welt bei, im Gegensatz zu 27 Prozent in China, 15 Prozent in den USA und 17 Prozent in der EU. Afrika ist der Kontinent, der am stärksten von Klima-Veränderungen betroffen ist.

Wer zahlt was

Unter den europäischen Ländern, die diese Woche bei der Konferenz in Ägypten bisher verschiedene finanzielle Zusagen gemacht haben, sind Dänemark, Deutschland, Österreich und Belgien. Die Bundesregierung will die jährlichen Ausgaben für die internationale Klimafinanzierung bis 2025 auf sechs Milliarden Euro aufstocken, davon sollen 170 Millionen Euro an einen neuen globalen Schutzschirm, den sogenannten „Global Shield,“ fließen. Dieser Schutzschirm dient der Finanzierung von Versicherungen und Katastrophenschutzmaßnahmen.

Dänemark hat 13,44 Millionen Euro bereitgestellt, wobei der Schwerpunkt auf gefährdeten Gebieten Nordwest-Afrika liegt und Österreich wird in den nächsten vier Jahren mindestens 50 Millionen Euro für die Beseitigung von Schäden bereitstellen. Belgien hat 2,5 Millionen Euro als Teil eines 25-Millionen-Euro-Pakets zur Unterstützung des südafrikanischen Landes Mosambik zugesagt. Zusätzlich hat Irland zehn Millionen Euro für die Initiative „Global Shield“ für 2023 zugesagt.

Fortschritt

Dem Guardian zufolge reichen diese Zuwendungen bei weitem nicht an die Hunderte von Milliarden Dollar heran, die Beobachtern zufolge angeblich bis zum Jahr 2030 jedes Jahr von Entwicklungsländern benötigt werden. Es handelt es jedoch um eine erste Abkehr von der jahrzehntelangen Weigerung von Industriestaaten, solche Zuwendungen beziehungsweise Reparationen anzubieten und Verantwortung für ihren Anteil an Klimakatastrophen zu übernehmen.

Es existieren drei Arten der Klimafinanzierung: für die Emissionssenkung, für die Anpassung an unvermeidliche Klimaauswirkungen und für Verluste und Schäden. Die letzte ist die umstrittenste und wurde seit Jahren von den reichen Staaten blockiert, die befürchten, für massive Entschädigungssummen haftbar gemacht zu werden.

Lesen Sie dazu Ronald Barazons Analyse mit Blick auf die Überschwemmungen im Ahrtal: Hilflos auf dem Weg in die nächste Flutkatastrophe

Ausstieg aus fossilen Brennstoffen

Einem an der ägyptischen Klima-Konferenz vorgestellten Bericht zufolge benötigen Entwicklungsländer bis 2030 jährlich etwa zwei Billionen Dollar, um ihre Treibhausgasemissionen zu senken und die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen.

Das Geld sei nötig, damit die Länder von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien wechselten und in andere kohlenstoffarme Technologien investieren können, sagte Nicholas Stern, ein Klimaökonom und einer der Hauptautoren des Berichts. Zusätzlich müssten die Auswirkungen extremer Wetterbedingungen bewältigt werden.

Ungefähr eine Billion Dollar soll aus öffentlichen und privaten Mittel der Länder finanziert werden und der Rest aus externen Finanzmitteln, etwa durch die Weltbank und andere multilaterale Entwicklungsbanken, so der Bericht, der von Großbritannien und Ägypten in Auftrag gegeben wurde.

Die Zahlen sind viel höher als alle Klimafinanzierungen, die bisher zur Unterstützung von Entwicklungsländern bereitgestellt wurden. Sie decken den Bedarf aller Entwicklungsländer der Welt mit Ausnahme von China. Fast 200 Länder nehmen an der Weltklimakonferenz teil, die am vergangenen Sonntag in Ägypten startete und am 18 November enden wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...

DWN
Politik
Politik US-Politikwissenschaftler: Der Schwerpunkt der NATO verlagert sich nach Osten, nur Europa hat das noch nicht begriffen
24.05.2026

Die NATO verändert ihre innere Geografie und Polen rückt ins Zentrum der europäischen Sicherheit. Dahinter steht das Ende eines...

DWN
Panorama
Panorama Elon Musk als Technokönig: Warum Muskismus mehr ist als Tesla und SpaceX
24.05.2026

Elon Musk ist längst mehr als ein Unternehmer. Eine neue Analyse beschreibt Muskismus als Projekt, das Technologie, Macht und...

DWN
Technologie
Technologie Handynutzung: Prepaid-Handys kommen in Deutschland aus der Mode
24.05.2026

Wie viele Minuten waren das? Wer früher bei der Handynutzung sparsam sein wollte, der hielt Telefonate kurz. Prepaid-Karten konnten...