Finanzen

Symrise-Aktie: Aromenhersteller mit Riecher fürs Milliarden-Geschäft

Symrise zählt zu den weltweit größten Herstellern von Duft- und Geschmackstoffen. Der Konzern aus Holzminden beliefert Kunden in mehr als 150 Ländern, erwirtschaftet Milliarden und prägt mit seinen Aromen und Düften den Alltag von Millionen Verbrauchern. Doch wie ist das Unternehmen für die Zukunft aufgestellt und was heißt das für die Symrise-Aktie?
15.08.2025 16:45
Lesezeit: 5 min
Symrise-Aktie: Aromenhersteller mit Riecher fürs Milliarden-Geschäft
Die Symrise-Aktie markierte Mitte August 2025 ein Fünf-Jahres-Tief (Foto: dpa).

Symrise-Aktie: Inhaltsstoffe des Aromenherstellers in unzähligen Alltagsprodukten

Der Mensch hat rund 400 Geruchsrezeptoren und etwa 10.000 Geschmacksknospen. Die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass wir die Produkte von Symrise schonmal geschmeckt oder gerochen haben. Denn die Erzeugnisse des Konzerns aus dem niedersächsischen Holzminden geben Schokolade ihren Vanille-Geschmack und verleihen Parfüms und Hautpflegeprodukten ihren Duft.

Für uns Endverbraucher bleibt der Konzern dabei nahezu unsichtbar, denn sein Name steht nicht auf den Verpackungen. „Unsere Inhaltsstoffe finden sich in unzähligen Alltagsprodukten – oft, ohne dass der Verbraucher es ahnt“, wird der damalige CEO Heinz-Jürgen Bertram 2023 im US-Magazin Forbes zitiert.

Symrise gilt als echter Hidden Champion: Der Konzern ist in über 150 Ländern aktiv und erzielte 2024 einen Umsatz von rund fünf Milliarden Euro. Damit rangiert das Unternehmen weltweit auf Platz vier unter den Herstellern von Duft- und Geschmacksstoffen, hinter den beiden Schweizer Rivalen Givaudan und Firmenich sowie dem US-Konzern International Flavors & Fragrances (IFF). Mit einer EBITDA-Marge von 21,7 Prozent (Stand 2025) zählt Symrise zudem zu den profitabelsten Anbietern der Branche.

Mit Vanillearoma zum Weltkonzern

Seinen Ursprung hat der heutige DAX-Konzern in zwei Holzmindener Traditionsfirmen, deren Wurzeln bis ins 19. und frühe 20. Jahrhundert zurückreichen.

Den Anfang machten 1874 die Chemiker Wilhelm Haarmann und Ferdinand Tiemann, die in der Kleinstadt im Weserbergland aus dem in Nadelhölzern vorkommenden Naturstoff Coniferin erstmals Vanillin synthetisierten und im selben Jahr das Unternehmen Haarmann & Reimer gründeten. Haarmann war damals Apotheker in Holzminden, Tiemann arbeitete als Chemiker an der Berliner Universität und lieferte die theoretische Grundlage der Synthese.

Zwei Jahre später trat der Chemiker Karl Reimer als Mitinhaber bei, nachdem er ein kostengünstigeres Verfahren zur Vanillin-Herstellung entwickelt hatte. Bereits 1879 lieferte Haarmann & Reimer industrielle Mengen Vanillin an Süßwarenhersteller, darunter Schokoladen- und Keksfabriken in Europa und den USA. Die chemische Synthese senkte die Kosten gegenüber natürlicher Vanille erheblich und machte den Aromastoff zu einem Massenprodukt für Schokoladen-, Keks- und Backwarenfabriken in Europa und den USA. Der wirtschaftliche Erfolg machte Vanillin zu einem Synonym für die moderne Aromachemie, wie sich CEO Jean-Yves Parisot 2024 anlässlich des 150. Jahrestags der Vanillin-Patentierung erinnerte: „Aus einem kleinen Holzhaus in Altendorf am Holzmindener Bach eroberte das Vanillin die Welt und inspirierte Generationen von Wissenschaftlern und Unternehmern.“

Millionen-Wachstum und Südamerika-Expansion

Einige Jahrzehnte nach Haarmann & Reimer gründeten die Chemiker Carl-Wilhelm Gerberding und August Bellmer 1919 in Holzminden die Dragoco AG. Ab 1928 begann das Unternehmen zu expandieren, errichtete neue Produktionsgebäude und nahm 1930 die Herstellung eigener Geschmacksstoffe auf. 1935 folgte die Übernahme der Heinrich Haensel GmbH, einem regionalen Produzenten von Aromen und Duftstoffen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führten die Söhne der Gründer, Carl-Heinz und Horst Gerberding, das Unternehmen weiter. Ab Mitte der 1950er Jahre begann Dragoco mit dem Aufbau eines internationalen Netzes. Zunächst entstanden Tochtergesellschaften in Italien und den USA, später in Frankreich, Großbritannien, Mexiko, Brasilien, Hongkong, Österreich und der Schweiz.

1993 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmierte fortan als Dragoco Gerberding & Co. AG. Ende der 1990er Jahre umfasste die Gruppe 25 Tochtergesellschaften, beschäftigte rund 1.800 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von rund 619 Millionen D-Mark, wovon 80 Prozent im Ausland erwirtschaftet wurden. In Märkten wie Polen oder Österreich lag der Marktanteil bei bis zu 18 Prozent.

Auch Haarmann & Reimer wuchs nach dem Krieg. Ab 1946 begann unter Leitung von Rudolf Groger der Wiederaufbau. 1953 übernahm Bayer den Konzern, der jedoch eigenständig weitergeführt wurde. In den folgenden Jahrzehnten entstanden Produktionsstandorte und Niederlassungen in den USA, Großbritannien, Südafrika, Mexiko, Brasilien, Frankreich und Spanien.

1973 nahm Haarmann & Reimer die industrielle Herstellung von Menthol auf und begründete damit ein neues Geschäftsfeld. In den 1990er Jahren verstärkten Zukäufe wie die französische Créations Aromatiques und der US-Aromenhersteller Florasynth das Portfolio, ergänzt durch Investitionen in Werke in Mexiko, Brasilien und Kolumbien. Diese komplementäre Ausrichtung machte Dragoco 2003 schließlich zum Fusionspartner von Haarmann & Reimer und damit zur zweiten Säule des heutigen Symrise-Konzerns.

Mit KI auf der Suche nach dem perfekten Duft

2018 machte das Unternehmen Schlagzeilen, als der Konzern gemeinsam mit IBM Watson, der KI-Plattform des US-Technologiekonzerns, und dem niederländischen Duftstudio Abel Odor erstmals Künstliche Intelligenz (KI) in der Parfümentwicklung nutzte. Das System wertete Millionen Datensätze zu Rohstoffen, Markttrends und früheren Verkaufserfolgen aus und generierte daraus Duftkompositionen, die menschliche Parfümeure in dieser Form bislang nicht entwickelt hatten.

In den Jahren danach erweiterte Symrise den Einsatz von KI auf andere Geschäftsfelder. Bis heute unterstützt sie die Parfümeure, Flavoristen und Produktentwickler des Konzerns bei der Optimierung von Rezepturen, der Prognose der Rohstoffqualität und der Analyse von Verbraucherpräferenzen. Laut Geschäftsbericht 2024 gehört der digitale Wandel zu den strategischen Kernzielen des Unternehmens. Der frühe Einstieg in die datengetriebene Entwicklung war also geplant und verschaffte Symrise einen Vorsprung in einer Branche, die traditionell eher auf Handwerk und Erfahrung setzt.

2014 erwarb das Unternehmen die französische Diana-Gruppe für 1,3 Milliarden Euro und stärkte so sein Geschäft mit natürlichen Zutaten für Lebensmittel und Tiernahrung. 2015 folgte Pinova Holdings, ein US-Hersteller natürlicher Rohstoffe wie Zitrus- und Kiefernöle, um das Portfolio an Duft- und Geschmackskomponenten zu erweitern. 2019 kam mit dem US-Unternehmen ADF/IDF aus Springfield, Missouri, ein Spezialist für natürliche Proteine und Tiernahrungszutaten hinzu.

2023 launchte Symrise die konzernweite Agenda „One Symrise“, um interne Strukturen zu straffen und die Geschäftsbereiche enger zu verzahnen. Ziel ist es, Prozesse zu vereinheitlichen, Synergien zu heben und die Effizienz der beiden Unternehmenssparten Taste, Nutrition, Health sowie Scent & Care zu steigern. Nach vollständiger Umsetzung soll das Programm dauerhaft jährliche Einsparungen von rund 40 Millionen Euro bringen; zur Jahresmitte 2025 waren davon bereits 20 Millionen realisiert.

Symrise-Aktie: Kursverlust mit Nachgeschmack

An der Börse hat die Symrise-Aktie (ISIN: DE000SYM9999) seit dem 52-Wochen-Hoch von 125 Euro am 2. Oktober 2024 deutlich an Wert verloren. Am 12. August 2025 markierte sie mit 78,54 Euro ein Fünf-Jahres-Tief und liegt damit rund 36 Prozent unter dem Höchststand. Auslöser der Schwäche waren unter anderem eine überraschend deutliche Senkung der Umsatzprognose im Frühjahr sowie eine Herabstufung durch Jefferies im Juni. Die US-Investmentbank verwies auf einen eingetrübten Marktausblick im Konsumgüterbereich und wachsende Zweifel an der Nachfrageentwicklung.

Bereits im März 2024 hatte Vontobel-Analyst Arben Hasanaj gegenüber Reuters erklärt, die damals neue Gewinnprognose habe nach einer Gewinnwarnung im Vorjahr „Beruhigung für die Investoren“ gebracht, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld herausfordernd bleibe. Das Analysehaus Warburg Research senkte am 11. August das Kursziel für Symrise nach Halbjahreszahlen von 113 auf 110 Euro, die Einstufung nach dem jüngsten Kursrutsch aber auf "Buy" belassen. Die träge Konsumentenstimmung in Nordamerika belaste den Hersteller von Duftstoffen und Aromen, schrieb Oliver Schwarz in seiner Studie. Der Experte senkte seine Gewinnerwartungen.

Drei Tage zuvor hatte bereits die Baader Bank die Symrise-Aktie von "Add" auf "Buy" hochgestuft, das Kursziel aber von 116 auf 100 Euro gesenkt. Die Aktien würden derzeit in etwa auf dem Niveau der Papiere der Wettbewerber IFF und DSM gehandelt, schrieb Konstantin Wiechert in seiner Einschätzung. Ein derart starker Bewertungsabschlag sei nicht gerechtfertigt. Der Experte verwies auf die Stärke des Portfolios von Symrise im Bereich Nahrung und Getränke sowie auf die Fortschritte, die das Management bei der Stärkung der Margen erzielt habe.

Trotz dieser Belastungen setzt Symrise auf langfristige Wachstumstreiber wie Innovation und kreative Markenarbeit. Rund 5 Prozent des Umsatzes fließen jährlich in Forschung und Entwicklung. Im Juli 2025 rückte der Konzern seinen langjährigen Meisterparfümeur Maurice Roucel in den Mittelpunkt, um die kreative Duftentwicklung weiter zu profilieren. Der studierte Chemiker begann seine Karriere 1973 bei Chanel, wechselte 1996 zum Symrise-Vorgänger Haarmann & Reimer und zeichnete seither für Düfte wie Musc Ravageur (Frédéric Malle) und 24 Faubourg (Hermès) verantwortlich.

Herausforderungen für die Symrise-Aktie und Wettbewerb für den Aromenhersteller

Symrise peilt bis Ende 2025 ein organisches Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent an. Erreicht werden soll das mit gezielten Investitionen in Technologie, dem Eintritt in weitere Auslandsmärkte und einem strikten Nachhaltigkeitskurs. Die Strategie zielt darauf ab, den Vorsprung in Schlüsselbereichen wie KI-gestützter Produktentwicklung und nachhaltigen Rohstoffketten auszubauen. Angesichts starker Wettbewerber wie Givaudan, Firmenich und IFF muss Symrise dabei nicht nur Innovationstempo und Margen verteidigen, sondern auch auf volatile Rohstoffpreise und wechselnde Konsumtrends reagieren.

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