Finanzen

Klimaziele: Weltgrößter Investmentfonds macht Druck auf Vorstände

Der norwegische Staatsfonds droht damit, Direktoren wegen laxer Klima- und Sozialziele abzuwählen. Einige Unternehmen sind vom Fonds schon ausgeschlossen worden.
19.02.2023 00:06
Aktualisiert: 19.02.2023 00:06
Lesezeit: 3 min
Klimaziele: Weltgrößter Investmentfonds macht Druck auf Vorstände
Schmelzende und immer weiter zurückweichende Gletscher sind eines der Auswirkungen der globalen Erwärmung in der Arktis. (Foto: dpa)

Der norwegische Staatsfonds, der größte Einzelinvestor der Welt, hat Unternehmensvorstände gewarnt, dass er gegen ihre Wiederwahl in den Vorstand stimmen wird, wenn sie sich nicht entscheidend um die Einhaltung von Klima-, Menschenrechts- und Diversitätszielen in Führungsetagen bemühen. Der Fonds kontrolliert durchschnittlich 1,3 Prozent von 9.338 Unternehmen in 70 Ländern. Zu den größten Beteiligungen gehören Apple, Nestlé, Microsoft und Samsung.

In einem Interview mit dem Guardian, sagte Carine Smith Ihenacho, Beauftragte für Governance und Compliance bei der Norges Bank Investment Management – die im Namen der norwegischen Staatsbürger mehr als 13 Milliarden norwegische Kronen verwaltet - der Fonds bereite sich darauf vor, gegen die Wiederwahl von mindestens 80 Unternehmensvorständen zu stimmen. Der Grund: Diese Firmen hätten es versäumt, ihre ökologischen oder sozialen Ziele festzulegen oder zu erreichen.

Firmen müssen ihre Rolle im Klima-Kampf wahrnehmen

Smith Ihenacho sagte, Unternehmen, wie alle anderen Bürger der Welt, müssen ihre Rolle spielen, um gegen den Klimawandel zu kämpfen. „Unternehmen haben eine Rolle zu spielen. Wir haben also unsere Erwartungen an die Firmen erhöht, wenn es darum geht, Ziele zu setzen um bis 2050 das Netto-Null-Ziel [Null CO2-Emissionsaustoß, Anm. d. Red.] zu erreichen. Und wir werden die Unternehmen stärker dazu drängen, Ziele zu setzen und zu verstehen, wie sie diese erreichen wollen.“

Der norwegische Staatsfonds, der für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in Norwegen umgerechnet etwa 2,4 Mio. Kronen (240.000 US-Dollar) bereithält, erwarte, dass alle großen Kohlenstoffemittenten jetzt Emissionsziele festlegen, und alle anderen kleineren Unternehmen dies bis spätestens 2040 getan haben, so Smith Ihenacho. „Wir wollen auch, dass die Unternehmen Szenarien veröffentlichen, in denen sie angeben was passiert, wenn die Temperaturen um 1,5°C steigen, damit wir verstehen können, wie sie ihre Ziele erreichen wollen.“

Nur wenige Konzerne haben klare Netto-Null-Ziele

Nur 17 Prozent der mehr als 9.000 Unternehmen, in die der Fonds investiert, haben „klare wissenschaftlich fundierte Netto-Null-Ziele“ festgelegt. Der Fonds drängt die verbleibenden 83 Prozent daher aktiv dazu, schnell zu handeln und ihre Ziele festzulegen. „Wenn die Unternehmen überhaupt nicht reagieren, müssen wir aktiv werden“, sagte Smith Ihenacho. „Für die schlimmsten Unternehmen – diejenigen, die nicht einmal Ziele haben und keine Berichterstattung über das Klimarisiko – haben wir begonnen, gegen den Vorstand zu stimmen, weil wir sagen, dass der Vorstand wirklich dafür verantwortlich ist.“

Dieses führte dazu, dass der Fonds im vergangenen Jahr gegen den gesamten Vorstand von 18 Unternehmen stimmte. In der kommenden Frühjahrs-Hauptversammlungssaison könnte diese Aktion stark zunehmen, fügte Smith Ihenacho hinzu. Der Fonds würde in den nächsten Monaten gegen mindestens 80 Unternehmen stimmen und seine Anteile an den Unternehmen möglicherweise verkaufen, falls es immer noch keine Verbesserungen gäbe.

„Wir wollen Unternehmen beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft unterstützen, und sehen den Verkauf von Anteilen nicht als Mittel zur Lösung der Klimakrise“, sagte sie. „Aber am Ende werden wir das vielleicht mit einigen Firmen machen, und wir haben uns bereits von einigen getrennt, von denen wir glauben, dass sie in Bezug auf das Klima ein nicht nachhaltiges Geschäftsmodell haben“.

Staatsfonds stellt mehr Mittel für Ukraine bereit

Laut dem Guardian schloss der Fonds letzten Monat zwei Firmen aus – das chinesische Unternehmen AviChina Industry & Technology und das indische Unternehmen Bharat Electronics – aufgrund des „inakzeptablen Risikos, dass die Unternehmen Waffen verkaufen, die vom Militär in Myanmar eingesetzt werden".

Ende letzten Jahres zog sich der weltgrößte Fondsmanager Vanguard aus einer wichtigen Branchen-Initiative zur Bekämpfung des Klimawandels zurück. Der Finanzdienstleister mit Sitz in den USA sagte, er wolle damit seine Unabhängigkeit demonstrieren und seine Ansichten für Anleger klarer stellen.

Dem Guardian zufolge hat sich der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre dem öffentlichen Druck gebeugt und mehr Geld aus seinen Öleinnahmen zur Unterstützung der Ukraine freigegeben. Norwegen hat im vergangenen Jahr 10 Milliarden Kronen für zivile und militärische Hilfe zur Verfügung gestellt.

„Wir befinden uns in einer Situation, in der wir aufgrund der außerordentlichen Einnahmen aus dem Erdölsektor Handlungsspielraum haben“, sagte Støre vor Kurzem. „Wir stocken diese Hilfe jetzt auf und werden noch mehr zur Reparatur und zum Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur [in der Ukraine] beitragen“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen 26 Prozent an einem Tag: Warum Duolingo plötzlich an meinen Chipaktien vorbeizieht
07.11.2026

Für meine Chipaktien war es ein schlechter Börsentag: Nvidia, Micron und Iren gerieten deutlich unter Druck. Ganz anders Duolingo. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polestar 5 im Test: Angriff auf Porsche und Audi – mehr Luxus für weniger Geld?
07.11.2026

Mit dem Polestar 5 wollen die Schweden Porsche und Audi im Luxussegment angreifen. Bis zu 884 PS, 678 Kilometer Reichweite und elektrisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...