Deutschland

Kahlschlag bei Galeria: In diesen Städten werden Filialen geschlossen

Der vorerst letzte Tiefpunkt für die Warenhauskette: dutzende Filialen werden geschlossen, tausende Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Lesen Sie hier, welche Städte betroffen sind.
13.03.2023 14:34
Aktualisiert: 13.03.2023 14:34
Lesezeit: 3 min

Es ist eine Schreckensnachricht für viele Innenstädte: Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof schließt 52 seiner noch verbliebenen 129 Warenhäuser. Tausende Beschäftigte werden dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren und zahlreiche Innenstädte einen wichtigen Anziehungspunkt in ihren Einkaufsstraßen.

«Das ist zweifellos heute für uns alle ein schwerer Tag», sagte der Galeria-Generallbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Montag bei der Veröffentlichung der Schließungsliste. Das Unternehmen habe in den vergangenen Wochen intensiv um jeden einzelnen Standort gerungen. Insgesamt 52 Warenhäuser könnten aber angesichts der volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der lokalen Gegebenheiten nicht fortgeführt werden.

Betroffen von den Filialschließungen sind Warenhäuser in Großstädten wie Berlin und Düsseldorf ebenso wie Filialen in kleineren Kommunen wie Paderborn, Reutlingen oder Pforzheim. Insgesamt 21 Filialen sollen nach den Plänen des Konzerns bereits zum 30. Juni 2023 ihre Tore für immer schließen, die übrigen 31 Häuser zum 31. Januar 2024.

Nach Angaben des Gesamtbetriebsrats werden im Zuge der Insolvenzverfahrens «weit über 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren». Es würden nicht nur Stellen in den Schließungsfilialen wegfallen. Geplant seien auch Flächenreduzierungen und ein Personalabbau in den verbleibenden Häusern und in den Zentralfunktionen.

Das Unternehmen selbst sprach von mehr als 4000 Betroffenen. Sie sollen das Angebot erhalten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich für eine neue Stelle weiter zu qualifizieren.

«Dies ist ein rabenschwarzer Tag», erklärte der Gesamtbetriebsrat. Dass es soweit gekommen sei, liege nicht nur an der Corona-Pandemie und den Folgen des Unkraine-Krieges, sondern auch an hausgemachten Fehlern. Das Management stehe jetzt in der Verantwortung, der verbleibenden Belegschaft eine längerfristige berufliche Zukunft zu garantieren.

Nach den Plänen des Warenhauskonzerns sollen die verbleibenden 77 Filialen in den kommenden drei Jahren allesamt umfassend modernisiert werden. In Zukunft will sich der Konzern bei seinem Angebot vor allem auf die Bereiche Bekleidung, Schönheitspflege und Wohn-Accessoires konzentrieren. Bei der Gestaltung ihres Sortiments sollen die Filialen außerdem mehr Eigenständigkeit erhalten. Mit Blick auf das geplante Maßnahmenpaket sagte Galeria-Chef Miguel Müllenbach: «Das Warenhaus in Deutschland hat damit eine Zukunft.» Allerdings muss vor dem Neustart noch die Gläubigerversammlung am 27. März in Essen grünes Licht dafür geben. Lehnt sie den Insolvenzplan ab, droht dem Unternehmen das sofortige Aus.

Galeria hatte Ende Oktober zum zweiten Mal innerhalb von weniger als drei Jahren Rettung in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren suchen müssen. Als Grund für die bedrohliche Lage des Unternehmens nannte Konzernchef Miguel Müllenbach damals die explodierenden Energiepreise und die Konsumflaute in Deutschland.

Es ist bereits der zweite Versuch, den Handelsriesen durch ein Schutzschirmverfahren und den damit verbundenen Schuldenschnitt wieder dauerhaft auf Erfolgskurs zu bringen. Ein erster Anlauf, der 2020 während des ersten Corona-Lockdowns gestartet worden war, hatte dem Unternehmen trotz der Schließung von rund 40 Filialen, dem Abbau von etwa 4000 Stellen und der Streichung von mehr als zwei Milliarden Euro an Schulden nur vorübergehende Entlastung gebracht.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, betonte, in vielen von Warenhausschließungen betroffenen Städten werde die aktuelle Entwicklung auch als städtebauliche Chance verstanden. «Es gibt schon Ideen oder Pläne, wie neues Leben in die Kaufhäuser einziehen kann: als Universitätsstandort oder Schule, mit Start-ups, Co-Working-Labs, Künstler-Ateliers oder mit dem Bürgerservice, als Mehr-Generationenhaus oder Wohngebäude.» Ehemalige Kaufhausstandorte, die bereits umgenutzt worden seien, böten dafür gute Beispiele.

Auch der Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung, Boris Hedde, sagte: «Das Warenhaus hat nicht mehr die große Bedeutung für die Innenstädte wie früher. Man muss ihm nicht nachweinen, sondern neue Konzepte für den Handel in der Innenstadt finden.» Der Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms blickt eher skeptisch auf die geplanten Maßnahmen: «Es ist die Frage, ob der Einschnitt diesmal wirklich tief genug geht. Ich hätte es eher für sinnvoll gehalten, dass weniger Warenhäuser fortgeführt werden, damit auch wirklich genug Geld und Managementkapazität für die notwendige Modernisierung der verbleibenden Häuser vorhanden ist.»

Die Gewerkschaft Verdi kündigte dagegen an, sie wolle nun die vorgelegte Schließungsliste genau prüfen, um nach Möglichkeiten zu suchen, um einige der Filialen doch noch zu erhalten.

Diese Filialen werden geschlossen

Die Schließungen sollen in zwei Schritten geschehen.

Zum 30. Juni 2023 sollen folgende 21 Standorte geschlossen werden (in alphabetischer Reihenfolge):

Celle, Coburg, Cottbus, Duisburg Düsseldorfer Straße, Erlangen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamburg-Harburg, Hamburg-Wandsbek, Leipzig Neumarkt, Leverkusen, München-Bahnhof, Neuss, Nürnberg Königstraße, Nürnberg-Langwasser, Offenbach, Paderborn, Regensburg Neupfarrplatz, Saarbrücken am Bahnhof, Siegen, Wiesbaden Kirchgasse.

Zum 31. Januar 2024 ist dann die Schließung dieser 31 Filialen geplant:

Bayreuth, Berlin-Charlottenburg, Berlin-Müllerstraße, Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Darmstadt am weißen Turm, Dortmund, Düsseldorf Schadowstraße, Essen, Esslingen, Frankfurt Zeil, Hanau, Heidelberg Bismarckplatz, Hildesheim, Kempten, Krefeld, Leonberg, Limburg, Lübeck, Mönchengladbach, Oldenburg, Pforzheim, Reutlingen, Rosenheim, Rostock, Schweinfurt, Siegburg, Stuttgart-Eberhard-Straße, Viernheim-RNZ, Wuppertal.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Margrethe Vestager warnt: Drei Faktoren bremsen den grundlegenden Wandel Europas
08.02.2026

Europas Wettbewerbsfähigkeit steht unter wachsendem geopolitischem Druck, während zentrale EU-Reformen stocken. Welche Blockaden hindern...

DWN
Finanzen
Finanzen Vom Möglichen und Wahrscheinlichen
08.02.2026

Zwischen all den möglichen Zukunftsszenarien – Crash, Boom oder Stillstand – verliert man schnell den Überblick. Doch für Investoren...

DWN
Finanzen
Finanzen Passive Aktienfonds: Diese beliebte Anlageform kann den Aktienmarkt bedrohen
08.02.2026

Passive Aktienfonds dominieren zunehmend die Kapitalströme und könnten damit genau die Preisfindung schwächen, auf der effiziente...

DWN
Finanzen
Finanzen Harvard-Ökonom Furman warnt vor Marktverwerfung: Platzt die KI-Blase, droht eine neue Finanzkrise
08.02.2026

Jason Furman hat im Weißen Haus bereits zwei große Spekulationsblasen aus nächster Nähe erlebt. Nun warnt der Harvard-Ökonom vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Walmart-Aktie: Marktkapitalisierung bei über einer Billion Dollar – Umschichtung vom Tech-Sektor
08.02.2026

Die Walmart-Aktie erreicht eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar und setzt damit ein Signal an den Aktienmärkten. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Suzuki GSX-8R im Test: Gewinner und Opfer der Plattformökonomie
08.02.2026

Die Suzuki GSX-8R präsentiert sich als zugänglicher, vielseitiger und unkomplizierter Sporttourer. Technisch eng verwandt mit der V-Strom...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet
07.02.2026

Die Europäische Union steht unter geopolitischem Druck, während wirtschaftliche Unsicherheit und geldpolitische Erwartungen neu justiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldanlage: Diese US-Aktien sollten Sie jetzt besitzen
07.02.2026

Ein wichtiger Sektor der US-Wirtschaft sorgt derzeit für überraschend starke Ergebnisse – trotz geopolitischer Risiken und...