Wirtschaft

Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet

Die Europäische Union steht unter geopolitischem Druck, während wirtschaftliche Unsicherheit und geldpolitische Erwartungen neu justiert werden. Welche wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen ergeben sich daraus für die EU?
07.02.2026 17:22
Lesezeit: 2 min
Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet
Geopolitische Risiken und die unberechenbare US-Außenpolitik setzen die EU wirtschaftlich unter Druck (Foto: dpa) Foto: artJazz

Die EU am Höhepunkt der Belastung

Die wirtschaftliche Lage Europas steht unter dem Einfluss anhaltender geopolitischer Unsicherheiten. Nach Einschätzung von Aleksandras Izgorodinas, Chefökonom der Citadele Bank in Litauen, hängen diese Risiken eng mit der unberechenbaren Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump zusammen.

Das sei, so Izgorodinas, eine schlechte Nachricht. Die Unsicherheit wirke sich direkt auf die wirtschaftlichen Erwartungen in Europa aus und erhöhe den politischen und finanziellen Druck auf die EU. Gleichzeitig gebe es jedoch auch einen positiven Aspekt, wie Izgorodinas im Podcast „Kontekstai“ der litauischen DWN-Partnerseite Verslo žinios erklärte. In der zweiten Jahreshälfte, mit Blick auf die bevorstehenden US-Zwischenwahlen, dürfte Trump seiner Einschätzung nach weniger Aufmerksamkeit auf eine außenpolitische Agenda legen, die bei den europäischen Verbündeten erheblichen Stress auslöst.

Geopolitischer Druck als Katalysator für Europas Wirtschaftspolitik

Nach Ansicht des Ökonomen befindet sich die Europäische Union derzeit am Höhepunkt von Stress und Unsicherheit. Gerade dieser Druck zwinge die EU jedoch dazu, die Wirtschaft auf unterschiedlichen Wegen zu stimulieren. Diese Maßnahmen würden mittelfristig Wirkung entfalten und die wirtschaftliche Widerstandskraft der Union stärken.

Izgorodinas geht davon aus, dass sich die EU nach dieser Phase sogar gefestigt zeigen könnte. Die aktuellen Herausforderungen führten zu politischen und wirtschaftlichen Impulsen, die langfristig zur Stabilisierung beitragen dürften. In diesem Zusammenhang rechnet er nicht mit kurzfristigen geldpolitischen Kurswechseln.

Geldpolitik und Inflation in der Eurozone

Der Chefökonom prognostiziert, dass die Europäische Zentralbank im laufenden Jahr voraussichtlich an den bestehenden Leitzinsen festhalten wird. Angesichts der aktuellen Konjunkturlage bestehe aus seiner Sicht kein akuter Handlungsdruck, die Geldpolitik zu straffen oder zu lockern.

Zugleich erwartet Izgorodinas bereits im Frühjahr eine deutlich unter zwei Prozent liegende jährliche Inflationsrate in Europa. Dies würde den Preisauftrieb spürbar dämpfen und den privaten Konsum entlasten. Die Entwicklung dürfte jedoch nicht in allen EU-Staaten gleich verlaufen.

Abweichende Preisentwicklung in Litauen

Für Litauen rechnet der Ökonom mit einem etwas schnelleren Anstieg der Preise. Ausschlaggebend seien mehrere Faktoren, darunter politische Entscheidungen zur zügigen Erhöhung des Mindestlohns sowie zusätzliche Geldzuflüsse durch Personen, die aus der zweiten Säule der Altersvorsorge aussteigen. Diese Effekte könnten die Inflation im Land vorübergehend höher halten als im EU-Durchschnitt.

Darüber hinaus äußerte sich der Citadele-Ökonom zu weiteren Themen. Dazu zählten das Bruttoinlandsprodukt Litauens im vergangenen Jahr und die Prognosen für das laufende Jahr, die Entwicklung der Gas- und Goldpreise, die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland sowie der neue Vorsitzende der US-Notenbank.

Implikationen für die deutsche Wirtschaft

Für Deutschland sind die Einschätzungen von Izgorodinas vor allem mit Blick auf die wirtschaftliche Stimmung und die Geldpolitik relevant. Eine anhaltend niedrige Inflation in der Eurozone und stabile Leitzinsen würden deutschen Unternehmen Planungssicherheit bieten und Investitionen erleichtern.

Gleichzeitig bleibt Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas stark von geopolitischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Stabilität seiner europäischen Partner abhängig, was die Bedeutung einer koordinierten EU-Wirtschaftspolitik weiter unterstreicht.

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