Unternehmensporträt

Start-up DM Technologies entwickelt KI-Plattform für den Großhandel: Neue Verkaufspotenziale für KMU

Viele Großhändler haben jede Menge Daten – nutzen sie aber kaum. Das Berliner Start-up DM Technologies schließt diese Lücke mit Plato: einer KI-Plattform, die ERP-Daten bündelt, Vertrieb priorisiert und Prozesse automatisiert.
27.02.2026 16:45
Lesezeit: 3 min
Start-up DM Technologies entwickelt KI-Plattform für den Großhandel: Neue Verkaufspotenziale für KMU
Plato möchte mit seiner KI-Plattform Vertriebsprozesse im Großhandel effizienter machen. (Bild: istockphoto.com/NicoElNino) Foto: NicoElNino

KI als Chance: Wie Plato den Großhandel effizienter machen will

Der Großhandel zählt zu den zentralen Branchen der deutschen Industrie, arbeitet operativ jedoch vielerorts noch mit wenig digitalisierten Prozessen. Gerade im Vertrieb führen gewachsene ERP-Landschaften, manuelle Abläufe und begrenzte Transparenz dazu, dass vorhandene Daten kaum systematisch genutzt werden. Genau an dieser Stelle setzt das Berliner Start-up DM Technologies GmbH an, das eine KI-Plattform für den Großhandel Plato entwickelt hat.

Hinter Plato steht die DM Technologies GmbH, die diese softwarebasierte Plattform entwickelt hat. Die Lösung ergänzt bestehende ERP-Systeme um eine Analyse- und Steuerungsebene für den Vertrieb. Ziel ist es, operative Entscheidungen datenbasiert vorzubereiten und den manuellen Aufwand im Tagesgeschäft deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig sollen Verkaufschancen gezielter genutzt und vorhandene Ressourcen effizienter eingesetzt werden.

Von der Praxisidee zum schnell wachsenden Start-up

Gegründet wurde Plato 2023 von Benedikt Nolte, Matthias Heinrich Morales und Oliver Birch. Die Idee entstand nicht aus einem reinen Technologieprojekt, sondern aus der praktischen Erfahrung in einem familiengeführten Großhandelsunternehmen. Dort zeigte sich, dass relevante Informationen zwar in verschiedenen Systemen vorhanden waren, im Vertriebsalltag jedoch kaum zusammengeführt wurden – mit der Folge, dass viel Zeit in manuelle ERP-Arbeit floss und wenig Raum für aktive Kundenbetreuung blieb.

Plato dockt an bestehende ERP-Systeme an, ohne diese zu ersetzen. Die Plattform strukturiert komplexe Vertriebsprozesse, bündelt Informationen aus verschiedenen Quellen und macht sie für Innen- und Außendienst zentral verfügbar – auch für die mobile Nutzung.

Analyse, Priorisierung und Automatisierung

Auf Basis vorhandener ERP-, Kunden- und Auftragsdaten identifiziert die Software Muster, etwa Hinweise auf mögliche Kundenabwanderung, bislang ungenutzte Bestellpotenziale sowie Vorschläge für Up- und Cross-Selling. Ergänzend priorisiert das System Kunden, Angebote und Aufgaben nach Relevanz, um Vertriebsaktivitäten klarer zu strukturieren und zielgerichteter zu steuern.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Automatisierung wiederkehrender Tätigkeiten. Angebote, Auftragsvorschläge und einfache Kommunikationsschritte können automatisiert vorbereitet werden, ERP-Felder werden vorausgefüllt und Daten schneller abrufbar gemacht. Auch die Produktsuche wird vereinfacht, etwa durch fehlertolerante Eingaben oder visuelle Kataloge. Voraussetzung für den Nutzen der Plattform ist eine ausreichende Datenqualität in den angebundenen ERP-Systemen.

Einsatz im Mittelstand

Plato richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Großhandelsunternehmen mit gewachsenen IT-Strukturen. Viele dieser Unternehmen verfügen über große Datenmengen, nutzen diese im Alltag jedoch kaum systematisch. Die Plattform legt sich als zusätzliche Vertriebs- und Analyseebene über bestehende ERP-Landschaften und unterstützt Unternehmen dabei, vorhandene Daten produktiv zu machen.

Nach Angaben des Unternehmens lassen sich durch den Einsatz der Software Umsätze um fünf bis zehn Prozent steigern, während automatisierte ERP-Prozesse pro Mitarbeiter drei bis fünf Stunden Arbeitszeit pro Woche einsparen können. Gleichzeitig unterstützt Plato die Vertriebssteuerung und hilft Unternehmen, auch unter Bedingungen von Fachkräftemangel effizient zu wachsen.

Praxisbeispiel: Auswirkungen auf den Vertriebsalltag

Ein Beispiel aus der Praxis ist der Einsatz bei Layer Großhandel mit rund 80 Millionen Euro Jahresumsatz. Das Unternehmen nutzt Plato produktiv im gesamten Vertrieb. Durch die automatische Auftragserstellung werden nach eigenen Angaben pro Mitarbeiter rund fünf Stunden Arbeitszeit pro Woche eingespart. Ergänzend analysiert die Plattform Kunden- und Auftragsdaten mithilfe von Machine-Learning-Verfahren und identifiziert zusätzliche Cross-Selling-Potenziale, die Vertriebsmitarbeiter im gezielten Verkaufsgespräch unterstützen.

Kapital, Expansion und der Blick nach vorn

Innerhalb eines Jahres ist Plato nach eigenen Angaben um den Faktor zehn gewachsen. Zu den Kunden zählen relevante Distributoren wie Obeta, Meesenburg und Layer Großhandel. Ende Januar 2026 schloss das Unternehmen eine Seed-Finanzierungsrunde über 14,5 Millionen US-Dollar ab, angeführt vom Venture-Capital-Fonds Atomico. Das Kapital soll in den weiteren Ausbau der Plattform sowie in die internationale Expansion fließen.

Perspektivisch will Plato neben dem Vertrieb auch angrenzende Bereiche wie Kundenservice und Einkauf stärker integrieren. Langfristig verfolgt das Unternehmen das Ziel, datenbasierte Entscheidungsprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Großhandel abzubilden – vom Vertrieb über den Einkauf bis hin zu Finanzierung und Logistik.

Dahinter steht ein Zukunftsbild, in dem KI operative Entscheidungen vorbereitet: etwa welche Produkte welchem Kunden angeboten werden, wann eingekauft wird oder wie Preise, Bestände und Working Capital optimiert werden können. Der Mensch bleibt dabei im Zentrum, verantwortet Kundenbeziehungen und trifft die übergeordneten Entscheidungen. Neben wirtschaftlichen Effekten wie höheren Margen, zufriedeneren Kunden und pünktlicheren Lieferungen sollen so auch Effizienzgewinne entstehen, die dem Fachkräftemangel entgegenwirken und zu geringeren CO₂-Emissionen beitragen.

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