Finanzen

Großinvestor Icahn: Fast jeder Hegemon der Geschichte stürzte über die Inflation

Der Finanz-Insider Carl Icahn blickt mit Sorge auf die Verfassung der amerikanischen Wirtschaft. Amerikas Stellung als Weltmacht insgesamt sei bedroht.
16.03.2023 18:00
Lesezeit: 2 min
Großinvestor Icahn: Fast jeder Hegemon der Geschichte stürzte über die Inflation
Eine Dollar-Banknote. (Foto: dpa) Foto: Arno Burgi

Der Groß-Investor Carl Icahn blickt mit Sorge auf die Verfassung der amerikanischen Volkswirtschaft, welche sich aus seiner Sicht an einer „Bruchstelle“ befindet. „Das System bricht zusammen und wir haben heute absolut ein großes Problem in unserer Volkswirtschaft“, sagte Icahn gegenüber dem Sender CNBC. „Vielen Menschen geht es offenbar in unserer Wirtschaft nicht gut. Ich meine, schauen Sie sich nur das Median-Vermögen der Haushalte an – es ist praktisch nichts.“

Lesen Sie dazu: Vorboten des Abschwungs? Schulden der Amerikaner steigen rasant

Icahn beklagt, dass die Qualität sowohl der politischen als auch der wirtschaftlichen Führungspersönlichkeiten nachgelassen habe – eine Entwicklung, die ebenfalls ein „großes Problem für die Wirtschaft“ darstelle. „Ich werde jetzt nicht in die Tagespolitik einsteigen, aber Sie fühlen, dass in Washington keiner wirklich weiß, was gerade vor sich geht.“

Bemerkenswert ist auch Icahns Kritik am Zustand des Top-Managements in vielen Unternehmen, weil er als Investor seit Jahrzehnten tiefe Einblicke in die Unternehmenswelt sammelt und große Entwicklungen deshalb besser registrieren kann als andere Beobachter. Die Führungsqualitäten seien in vielen Firmen des Landes „schlechter als mittelmäßig“, obwohl es selbstverständlich zahlreiche Ausnahmen gebe. „Wenn Sie heute eine Firma besuchen – und das machen wir immer und immer wieder – dann ist das echt schrecklich, was Sie dort in vielen Firmen vorfinden.“ Der Investor führte in dem Interview nicht näher aus, was er genau damit meint.

In einem Interview mit der Financial Times jedoch wurde Icahn klarer. Die lange Zeit der ultraniedrigen Leitzinsen und die daraus resultierenden billigen Kredite sind aus seiner Sicht offenbar von vielen Unternehmen dazu verwendet worden, um unproduktive Investitionen zu tätigen. Nun sitzen diese Firmen mit hohen Schulden und unproduktiven Geschäftsbereichen in der Falle. „Viele Firmen haben das Geld angesichts der niedrigen Zinsen einfach verschleudert – sie waren plötzlich in der Lage, Übernahmen zu tätigen und andere Dinge zu tun“, sagte er.

Inflation und Hegemonie

Als größtes Risiko identifiziert Icahn die anhaltend hohe Inflation in den USA – diese berge Gefahren nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Macht und den Einfluss der Vereinigten Staaten in der Welt.

„Inflation ist das Schlimmste für eine Volkswirtschaft und ich denke, dass die Leute das unterschätzen.“ Icahn verwies dazu auf die prekäre Lage der Haushalte mit niedrigem oder mittlerem Einkommen, von denen sehr viele hoch verschuldet sind und angesichts der steigenden Zinsen nun verstärkt unter Druck geraten.

Im Februar lag die offizielle Rate der Geldentwertung in den USA bei etwa 6 Prozent pro Jahr. Bereiche jedoch, für die Haushalte mit geringem Einkommen gewöhnlich einen höheren Anteil ihres Geldes ausgeben als wohlhabende Haushalte, weisen deutlich höhere Inflationsraten auf. So stiegen die Preise für Nahrungsmittel und Wohnraum in den USA in den vergangenen 12 Monaten um 10 beziehungsweise 8 Prozent.

Interessant sind Icahns Ansichten zu den möglichen geopolitischen Auswirkungen einer anhaltend hohen Inflation. Die Geschichte habe gezeigt, dass „jede Hegemonie von der Inflation zerstört wurde – zumindest fast jede“, sagte der Investor. Die Strategie der Zentralbank, die Leitzinsen zu erhöhen und damit die Finanzierungsbedingungen zu verschärfen, sei deshalb richtig.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Ökonomie der App-Stores: Welche Branchen das größte Wachstum im mobilen Sektor verzeichnen

Das rasante Wachstum mobiler Apps ist eines der prägenden Merkmale der heutigen digitalen Wirtschaft. Menschen kaufen darüber ein,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Getreidehandel: Drohen steigende Lebensmittelpreise wegen des Seekriegs im Schwarzen Meer?
26.07.2026

Die Kämpfe auf dem Schwarzen Meer haben längst wirtschaftliche Folgen weit über die Region hinaus. Reedereien ändern ihre Routen,...

DWN
Technologie
Technologie 242 Stunden im Minus: Darum läuft Deutschlands Strommarkt aus dem Takt
26.07.2026

Immer häufiger fällt der Börsenpreis für Strom unter null. Der billige Überschuss kostet Deutschlands Steuerzahler und Industrie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ein Nobelpreisträger erklärt: Niedrige Geburtenraten töten das Wirtschaftswachstum nicht
26.07.2026

Sinkende Geburtenraten gelten oft als Gefahr für Wachstum und Wohlstand. Doch Nobelpreisträger Daron Acemoglu kommt zu einem anderen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmensmedien: Wer nur Inhalte postet, hat den Kampf um Kunden bereits verloren
26.07.2026

Unternehmen produzieren Podcasts, Videos und LinkedIn-Beiträge, doch das Publikum bleibt aus. Der Grund: Viele behandeln Inhalte wie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldpolitik wurde unter Greenspan zur Macht über die Märkte
26.07.2026

Alan Greenspan konnte mit einem Halbsatz Märkte beruhigen oder verunsichern. Fast zwei Jahrzehnte lang galt der Fed-Chef als Dirigent der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lohntransparenz: Nordea legt Gehälter offen und verändert die Machtverhältnisse
26.07.2026

Was geschieht, wenn Beschäftigte plötzlich erkennen können, ob ihr Gehalt am oberen oder unteren Ende der vorgesehenen Spanne liegt? Die...

DWN
Panorama
Panorama Hitzefalle Spielplatz: Wie Städte für mehr Schatten sorgen wollen
26.07.2026

Die Sommer werden heißer, und viele Spielplätze geraten an ihre Grenzen. Fehlender Schatten und aufgeheizte Flächen erschweren das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Britische Wirtschaft: Die Heimat des Kapitalismus steckt in der Wachstumsfalle
26.07.2026

Großbritannien wechselt seine Regierungschefs, doch die Wirtschaft bleibt stehen. Seit der Finanzkrise wächst die Heimat des Kapitalismus...