Finanzen

Sicherer Hafen: Yen ist der große Gewinner der Bankenkrise

Vor dem Hintergrund der Bankenkrise erlebt der Yen ein massives Comeback. Investoren fliehen in die japanische Währung, um ihre Felle ins Trockene zu bringen.
Autor
29.03.2023 15:13
Aktualisiert: 29.03.2023 15:13
Lesezeit: 3 min
Sicherer Hafen: Yen ist der große Gewinner der Bankenkrise
Für Investoren war der Yen vor dem Hintergrund der Bankenkrise in den USA und der Schweiz ein sicherer Hafen. (Foto: dpa) Foto: Mark Schiefelbein

Die Bankenkrisen in den USA und der Schweiz haben den Dollar und den Franken als bevorzugte Anlagen in turbulenten Zeiten geschädigt. Davon hat der Yen profitiert. Dies ist eine massive Kehrtwende am Devisenmarkt. Denn noch vor wenigen Monaten musste der Yen von der japanischen Notenbank gestützt werden, nachdem er auf den tiefsten Stand seit drei Jahrzehnte gefallen war.

In diesem Monat ist der Yen nun die Währung mit der weltweit besten Performance. Unternehmen wie die DWS Group und Morgan Stanley sehen weiteres Potential. "Der Yen war im letzten Jahr extrem schwach, aber wir sehen eine Umkehrung dieser Entwicklung - das ist einer der wichtigsten Trends in diesem Jahr", zitiert Bloomberg Van Luu, Leiter des Bereichs Währungen bei Russell Investments.

Das Wiedererstarken des Yen zeigt, wie schnell die Stimmung umschlagen kann, da sich der globale Zinserhöhungszyklus dem Ende zu nähern scheint. Die Stärke des Yen hat Hedge-Fonds, die gegen den Yen gewettet haben, auf den falschen Fuß gebracht, und die Wall Street bevorzugt den Yen nun plötzlich als Absicherung gegen weitere Schocks für die Weltwirtschaft.

Normalerweise lösen fallende Bankaktien eine Erholung des Dollars aus. Doch stattdessen erwarten Investoren nun, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihr Mantra "Höhere Zinsen für längere Zeit" aufgibt, was den Dollar schwächen sollte. Und trotz der Turbulenzen um Credit Suisse gehen Investoren davon aus, dass die EZB und in gewissem Maße auch die Bank of Japan weiterhin eine straffere Politik verfolgen.

In der Folge sollten Euro und Yen gegenüber dem Dollar aufwerten. "Wir sind der Meinung, dass sich der Stress im Bankensektor eher auf regionale US-Werte konzentrieren sollte und bevorzugen weiterhin den Euro und den Yen als Hauptnutznießer des schwindenden US-Exzeptionalismus", zitiert Bloomberg etwa die Analysten der UBS Group AG.

Analysten erwarten Anstieg bis auf 120 Yen pro Dollar

Die Aussicht auf eine Rezession veranlasst einen Fonds von Allianz Global Investors zu defensiven Geschäften mit dem Yen, während die taktischen Portfolios von State Street Global Advisors die Währung bevorzugen. Die Investmentsparte der Deutschen Bank AG, die DWS Group, geht davon aus, dass der Yen in den nächsten 12 Monaten auf 125 pro Dollar steigen wird, so Bjoern Jesch, Chief Investment Officer der DWS Group.

Morgan Stanley rechnet sogar mit einem Anstieg um etwa 9 Prozent auf 120 Yen pro Dollar, da die Anleger abwarten wollen, wie stark die wirtschaftlichen Auswirkungen ausfallen werden. Auch die Strategen der Citigroup Inc. sind Yen-Fans. Auf dem Optionsmarkt haben Händler mit einem dreimonatigen Zeithorizont ihre bullischen Wetten auf den Yen so stark erhöht wie seit 2020 nicht mehr.

Dennoch ist die Verwendung des Yen als Portfolio-Absicherung "außerordentlich teuer", was zum Teil auf die Zinsdifferenzen zurückzuführen ist, zitiert Bloomberg James Malcolm, den Leiter der Währungsstrategie bei UBS. Malcolm geht weiter davon aus, dass der Yen bis zum Jahresende auf 120 pro Dollar steigen wird, sagt aber, man solle taktisch vorgehen.

Die Begeisterung für den Yen kommt, nachdem der Schweizer Franken, der traditionell als Zufluchtsort gilt, seinen größten Tageseinbruch gegenüber dem Dollar seit 2015 erlitt, als das Vertrauen in die Credit Suisse einen Tiefpunkt erreichte. Auch wenn sich der Franken seitdem etwas erholt hat, haben die Anleger in der Schweiz doch einen Rückschlag erlitten.

"Die jüngsten Risiken der finanziellen Instabilität in den USA und Europa haben die Wahrscheinlichkeit einer wirtschaftlichen Abschwächung erhöht", sagte Yusuke Miyairi, Währungsstratege bei Nomura International. "Wir glauben, dass der Yen als relative 'Safe-Haven'-Währung leichter davon profitieren wird." In Japan hat die wiederkehrende Inflation ebenfalls zu Wetten auf eine Aufwertung des Yen geführt.

Denn Händler spekulieren nach wie vor darauf, dass die Bank of Japan nach Jahren mit Zinsen nahe null ihre Politik endlich wieder normalisieren wird. Die ultralockere Politik der Notenbank, die den weltweiten Zinserhöhungen zuwiderläuft, war einer der Gründe dafür, dass der Yen im vergangenen Jahr seinen Status als Zufluchtsort verlor und zeitweise um mehr als 24 Prozent gegenüber dem Dollar einbrach.

Der Anstieg des Interesses am Yen wird wahrscheinlich auch zu größeren Schwankungen der Währung führen. "Da sich die US-Notenbank dem Ende ihres Zinserhöhungszyklus nähert, wird dies wahrscheinlich ein wichtiger Treiber für die Marktbewegungen des Dollars gegenüber dem Yen sein - Japan könnte zum Land der steigenden Volatilität werden", sagte Tanvir Sandhu, Chefstratege für globale Derivate bei Bloomberg Intelligence.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Trumps jüngster Schachzug gegen die Windenergiebranche ließ einen Analysten vom Stuhl rutschen
30.10.2026

Die Windindustrie wartet schon lange auf Neuigkeiten zu US-Zöllen auf importierte Windkraftanlagen und -komponenten. Der jüngste Schritt...

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
29.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street gibt nach – Alphabet, Amazon und Intel belasten Aktienmärkte
29.10.2026

Spannende Wende an der Wall Street: Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren die Kurse der Tech-Riesen ins Wanken bringen.

DWN
Politik
Politik Haushaltskrise der Länder: Kommunale Schulden steigen um fast zehn Prozent
29.10.2026

4.907 Euro je Einwohner: Die Verschuldung der Kommunen ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Dabei fällt die Belastung regional sehr...

DWN
Politik
Politik „Gen Z regelt“ mobilisiert: Das ist für Samstag geplant
29.10.2026

In knapp 30 Städten sind Proteste angekündigt, organisiert von einer noch jungen Gruppierung. Nach den Ausschreitungen in Frankreich...

DWN
Politik
Politik Verteidigung des Baltikums: Heereschef Freuding fordert mehr Tempo
29.10.2026

Mehr als 70 Generale und führende Offiziere aus Deutschland und den Niederlanden haben mögliche Brennpunkte im Baltikum erkundet....

DWN
Politik
Politik Umfrage: Deutsche sehen USA ähnlich kritisch wie China
29.10.2026

Kurz vor den US-Zwischenwahlen fällt das Bild der Vereinigten Staaten in Deutschland überwiegend negativ aus. In einer aktuellen...

DWN
Technologie
Technologie Testbericht: Apples erstes faltbares iPhone ist ein kostspieliges, aber überzeugendes Debüt
29.10.2026

Ich erinnere mich noch gut an die Reue, die ich beim Kauf des iPhone 3GS im Jahr 2009 empfand. Bis dahin hatte ich ein BlackBerry Pearl...