Wirtschaft

Ölpreis-Deckel: Japan sichert sich dauerhafte Ausnahme

Japan ist gezwungen, den Ölpreis-Deckel in seinen Geschäften mit Russland zu brechen, um an ein noch wichtigeres Gut zu kommen.
04.04.2023 18:02
Aktualisiert: 04.04.2023 18:02
Lesezeit: 2 min

Japan orientiert sich als einziges Land der G7-Gruppe nicht an dem gegen russisches Rohöl erlassenen Preisdeckel von 60 US-Dollar je Barrel (Fass zu 159 Litern). Der Sonderweg ist dem schwierigen Balanceakt geschuldet, den Tokio zwischen wirtschaftlichen Zwängen einerseits und politischen Forderungen der Verbündeten andererseits vollziehen muss.

Wie das Wall Street Journal berichtet, hat die japanische Regierung in den USA eine Ausnahmeregelung vom Preisdeckel erwirken können und kauft russisches Öl weiterhin zu Preisen über 60 Dollar. In den ersten beiden Monaten des Jahres bezahlten die Japaner demnach rund 70 Dollar je Barrel – allerdings war die importierte Menge mit rund 750.000 Barrel vergleichsweise gering.

Gas aus Sachalin

Tokio nimmt ein Überschreiten des Preisdeckels für Öl offenbar in Kauf, um dadurch das viel bedeutsamere Gasgeschäft mit Russland nicht zu gefährden. „Wir haben das mit Blick auf eine stabile Energieversorgung für Japan getan“, sagte ein Beamter des japanischen Wirtschaftsministeriums gegenüber dem Wall Street Journal bezogen auf den Bruch des Preisdeckels.

Denn Japan bezieht viel verflüssigtes Erdgas (LNG) von der russischen Pazifikinsel Sachalin, wo die beiden Industriekonglomerate Mitsui und Mitsubishi zusammen einen Anteil von 22,5 Prozent an dem russischen Projekt Sachalin II halten. Als Beiprodukt wird dort auch Erdöl gefördert, welches Japan ebenfalls in kleineren Mengen abnimmt.

Die Regierung von Premierminister Fumio Kischida hatte Mitsui und Mitsubishi nach dem Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine zu einem Verbleib am Sachalin II-Projekt ermutigt – obwohl sich die USA und viele europäische Länder gleichzeitig von russischen Energieprojekten zurückzogen haben.

Das Tokio russisches Gas offenbar als strategisch wichtig einstuft, zeigt der Umstand, dass Japan seine Erdgas-Importe aus Russland im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr beträchtlich steigerte. 2021 importierten japanische Vertragspartner noch Flüssiggas (LNG) im Gesamtwert von rund 372 Milliarden Yen aus Russland. Im Jahr 2022 (welches größtenteils vom Kriegsgeschehen dominiert wurde) waren es 678 Milliarden Yen.

Balanceakt

Die bedingte Abhängigkeit von Russland auf den Energiemärkten ist auch der Grund, warum sich die japanische Regierung bisher eher unauffällig der westlichen Unterstützungskampagne für die Ukraine angeschlossen hat. Als einziges G7-Land liefert Japan Kiew keine Waffen und Kischida war der letzte Staatschef aus der Riege der G7-Nationen, der die Ukraine nach Kriegsbeginn besuchte.

Russisches Erdgas steuert in etwa ein Zehntel zum jährlichen Gasverbrauch Japans bei. Damit liegt der Anteil russischen Gases am Energiemix viel niedriger als in anderen Ländern, die sich jüngst von russischem Gas abgekoppelt haben. Deutschland beispielsweise deckte vor Kriegsausbruch 55 Prozent seines Erdgasbedarfs aus Russland, hat die Beschaffungsstruktur aber zügig umgebaut.

Offenbar stuft Tokio das Gas aus Sachalin (und die Beteiligungen der beiden japanischen Konzerne dort) aber nach wie vor als zu wichtig ein, um sich davon zu lösen. Möglicherweise spielt eine Rolle, dass russisches LNG aus dem benachbarten Sachalin viel günstig ist als jenes Erdgas, das Japan aus der Golfregion oder Australien bezieht.

Gas und Kohle haben in Japan eine wichtige Funktion bei der Stromerzeugung. Der von der Regierung veranlasste Ausbau der Atomkraft dürfte darauf abzielen, diese Abhängigkeiten schrittweise zu neutralisieren.

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