Finanzen

Banken-Krise: First Republic stellt die zweitgrößte US-Bankinsolvenz aller Zeiten dar

Die US-Bank First Republic ist insolvent. Die US-Großbank JP Morgan Chase hat die Überreste des Kreditinstituts aufgekauft. Gibt es Ähnlichkeiten mit dem 2008er-Crash und zeichnet sich eine zuspitzende Bankenkrise am Horizont ab?
02.05.2023 15:46
Aktualisiert: 02.05.2023 15:46
Lesezeit: 2 min

Vor etwas mehr als einem Monat ging die Silicon Valley Bank insolvent. Es war die zweitgrößte Bankenpleite in der Geschichte der USA. Doch dann stürzte letzte Woche der riesige kalifornischer Kreditgeber First Republic Bank ab und wurde am Montag weitgehend von Amerikas größter Bank, JPMorgan Chase, übernommen.

Laut Bloomberg liegt First Republic Bank jetzt mit einem Vermögen von 229 Milliarden US-Dollar (Stand: 13. April 2023) knapp hinter der Washington Mutual Inc., die im Jahr 2008 mit einem 307 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten und Gesamteinlagen von 188 Milliarden US-Dollar implodierte. Silicon Valley Bank (SVB), mit einem Vermögen von 167 Milliarden US-Dollar und Signature Bank, mit 110 Milliarden US-Dollar, stürzten beide Anfang März ab.

Das jüngste Scheitern des kalifornischen Kreditgebers erfolgt vor dem Hintergrund einer Bankenkrise im globalen Bankwesen, die durch die Schließung der SVB und der Signature Bank im März ausgelöst wurde, weil Kunden ihre Einlagen massenhaft abzogen. Mit dem Kollaps der SVB und der Signature Bank ereigneten sich in den letzten paar Wochen drei der größten Zusammenbrüche der US-Aufsichtsbehörde Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) in diesem Jahrhundert.

Hintergrund der First Republic Pleite

Die Schwierigkeiten bei der First Republic Bank – die sich hauptsächlich auf sehr wohlhabende Kunden konzentrierte – begannen schon vor einiger Zeit, doch Großbanken hatten zunächst 30 Milliarden Dollar in die US-Kreditbank gesteckt, um sie zu retten. Letzte Woche hatte die Bank jedoch einen Einlagenabfluss von mehr als 100 Milliarden Dollar im ersten Quartal offenbart. Anleger trennten sich danach massenhaft von Aktien der Bank, woraufhin der Kurs an der Börse abstürzte. Am Ende letzter Woche wurde bekannt, dass die FDIC eine weitere Verschlechterung der Lage bei der Bank festgestellt und eine neue Rettungsaktion in Gang gesetzt hatte.

Die Bank wurde am frühen Montag dieser Woche von der FDIC beschlagnahmt, nachdem es ihr nicht gelungen war, den Schaden durch eine Flut von Kundenabhebungen und sinkende Vermögenspreise zu beheben. Bloomberg zufolge einigte sich die US-Aufsichtsbehörde mit JPMorgan Chase auf eine 10,6 Milliarden US-Dollar Übernahme der Vermögenswerte der Bank (darunter Kredite im Wert von 173 Milliarden US-Dollar und Wertpapiere von 30 Milliarden US-Dollar, sowie Einlagen von 92 Milliarden US-Dollar).

Analysten: Überwiegend zuversichtlich

Die von der FDIC eingeleiteten Rettungsmaßnahmen lösten einen Börsen-Ausverkauf im Sektor der mittelgroßen Banken aus, doch laut Reuters äußerten sich Wall Street-Analysten weitgehend zuversichtlich über die Rettungsaktion. Die Vereinbarung hätte ein "geordnetes Scheitern" der First Republic Bank ermöglicht und Aufsichtsbehörden mussten nicht alle Einlagen der Bank versichern, wie bei dem Zusammenbruch der SVB und der Signature Bank im März.

„Dies trägt unserer Ansicht nach dazu bei, die Bankenkrise auf die Zielgerade zu bringen. Das heißt nicht, dass alle Probleme gelöst sind, aber wir erwarten in nächster Zeit keine weiteren Bankenzusammenbrüche“, sagten Analysten des US-Finanzdienstleistungsunternehmens Wells Fargo in einer Mitteilung.

JP Morgan Chase Chef Jamie Dimon spielte das Risiko einer sich zuspitzenden Bankenkrise herunter. In einer Telefonkonferenz mit dem Guardian sagte Dimon das US-Bankensystem sei „außerordentlich solide“ und fügte hinzu, dass die Übernahme bedeute, dass sich der Sektor „dem Ende“ der Flut von Bankenzusammenbrüchen nähere und „hoffentlich dazu beitragen werde, alles zu stabilisieren“.

Dimon wies darauf hin, dass die Bedingungen aus vielen verschiedenen Gründen nicht wie 2008 und 2009 seien. Er räumte aber ein, dass ein Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession und anhaltend hohe Zinsen zu „anderen Rissen im System“ führen könnten.

Laut der US-Federal Reserve Bank ist die Regierung unter dem früheren Präsidenten Donald Trump mitverantwortlich für den Zusammenbruch der SVB. In einem Untersuchungsbericht kommt die Federal Reserve zu dem Schluss, dass 2018 erlassene Lockerungen von Vorkehrungen gegen Finanzkrisen zu dem Kollaps des kalifornischen Regionalinstituts beigetragen hätten. Die Bankenaufsicht sei durch die Trump-Regierung geschwächt worden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie kann man ganz einfach Etiketten erstellen?

Brady Workstation bietet praktische Etikettengestaltung (Drucken über Desktop - Laptop) für verschiedenste professionelle Anwendungen....

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Schmerzhafte Neubewertung im Softwaresektor und am Kryptomarkt vor dem Hintergrund der Wall-Street-Rekorde
09.02.2026

Die wichtigsten Indizes der Wall Street beendeten den Handelstag am Montag im Plus und hielten den Dow Jones Industrial Average stabil...

DWN
Politik
Politik EU-Emissionshandel ETS: Brüssel lockert Regeln für die Industrie
09.02.2026

Die Europäische Kommission bereitet Anpassungen am EU-Emissionshandel ETS vor. Nach Informationen des Handelsblatts sollen kostenlose...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie steigt nach FDA-Ansage gegen Nachahmer
09.02.2026

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat ein entschlossenes Vorgehen gegen die massenhafte Produktion illegaler Nachahmungen von Medikamenten...

DWN
Politik
Politik BSW klagt in Karlsruhe: Antrag auf Neuauszählung der Bundestagswahl
09.02.2026

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sucht die Entscheidung in Karlsruhe. Wie die Partei ankündigte, wird sie am 18. Februar Beschwerde...

DWN
Politik
Politik Russlands Krieg gegen Europa beginnt in Litauen: Eine Simulation mit alarmierendem Ergebnis
09.02.2026

Ein militärisches Planspiel simuliert einen russischen Angriff auf Europa über Litauen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Ohne entschlossene...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsfaktor Natur: Warum Unternehmen laut Bericht ohne Artenschutz scheitern
09.02.2026

Laut einem neuen IPBES-Bericht aus Manchester ist das Artensterben eine der größten Gefahren für die Wirtschaftswelt. Die Botschaft ist...

DWN
Politik
Politik EU-Ultimatum für Meta: Zwangsmaßnahmen wegen WhatsApp-KI drohen
09.02.2026

Die Europäische Kommission verschärft den Ton gegenüber Meta: Dem US-Tech-Riesen drohen empfindliche Zwangsmaßnahmen, da die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Expo 2035 in Berlin-Brandenburg: Ost-Wirtschaft fordert Weltausstellung
09.02.2026

Die ostdeutsche Wirtschaft macht mobil: 15 Industrie- und Handelskammern fordern die Ausrichtung der Expo 2035 in der Hauptstadtregion. Ein...