Wirtschaft

Scharfer Abschwung in der Smartphone-Branche

Der Weltmarkt für Smartphones kühlt sich stark ab, potenzielle Kunden halten sich zurück.
04.05.2023 14:55
Aktualisiert: 04.05.2023 14:55
Lesezeit: 3 min

Das jahrelang boomende Geschäft mit Smartphones kühlt beträchtlich ab. Angesichts nach wie vor hoher Inflationsraten in vielen Teilen der Welt halten sich potenzielle Kunden zurück. Der Abschwung in der Unterhaltungselektronik könnte auch ein Indiz dafür sein, dass das Wachstum im Welthandel im laufenden Jahr schwach ausfallen könnte.

2022: schwächste Absatzzahlen seit 2013

Im vergangenen Jahr erlebte der Weltmarkt für Smartphones erstmals seit Jahren einen deutlichen Rückgang der Nachfrage. Wie die in den USA ansässige International Data Corporation (IDC) im Januar mitteilte, sackten die Verkaufszahlen im vierten Quartal so stark ein wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen.

Demnach brachen die Verkäufe um mehr als 18 Prozent auf rund 300 Millionen Einheiten ein. Mit Blick auf das Gesamtjahr 2022 ergab sich im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um mehr als 11 Prozent.

Mit 1,21 Milliarden Einzelgeräten wurden zudem so wenig Smartphones weltweit gehandelt wie zuletzt im Jahr 2013, berichtete die IDC. Hinzu komme, dass die Abstände, an denen Smartphone-Besitzer ihre alten Geräte durch ein neues Gerät ersetzen, immer länger würden. In dem meisten Märkten warten Kunden demnach mehr als 40 Monate mit einem Neukauf.

Die International Data Corporation begründete den Einbruch mit hohen Inflationszahlen und einer damit einhergehenden finanziellen Auslastung potenzieller Käufer. „Die Auslieferungen im Weihnachtsquartal waren nie zuvor niedriger ausgefallen als im vorangegangenen Quartal. Eine schwächere Nachfrage und hohe Lagerbestände führten dazu, dass die Anbieter ihre Lieferungen drastisch kürzten“, schrieb ein IDC-Analyst. „Hohe Verkäufe und Werbeaktionen während des Quartals trugen dazu bei, die bestehenden Lagerbestände zu verringern, anstatt das Versandwachstum voranzutreiben. Anbieter sind bei ihren Lieferungen und Planungen zunehmend vorsichtig, während sie ihren Fokus auf die Rentabilität neu ausrichten. Sogar Apple, das bisher scheinbar immun war, erlitt einen Rückschlag in seiner Lieferkette aufgrund von unvorhergesehenen Lockdowns in ihren wichtigsten Fabriken in China. Was uns dieses Quartal deutlich macht, ist, dass die steigende Inflation und wachsende makroökonomische Sorgen die Verbraucherausgaben noch mehr als erwartet bremsen und eine mögliche Erholung bis Ende 2023 hinausschieben.“

Sony: „Wir sind nicht optimistisch“

Der japanische Großkonzern Sony erwartet keine Besserung der Lage im laufenden Jahr. Sony ist der weltgrößte Hersteller von Bildsensoren und Kameras für mobile Elektronikartikel.

„Wir sind angesichts des Ausblicks für den Smartphone-Markt nicht optimistisch“, sagte Sony-Präsident Hiroki Totoki gegenüber Analysten am vergangenen Freitag. „In China stiegen im März die Lagerbestände von Smartphones in den Verteilnetzen und wir erwarten, dass die Preise für günstige und mittelteure Bildsensoren mit Blick auf die hohen Lagerbestände bei Wettbewerbern stark sinken werden.“

Totoki erwartet 2023 Rückgänge der Nachfrage im Premiumsegment in den USA, hohe Unsicherheit in China und eine Rezession bei den Verkaufszahlen in Europa.

Sonys Marktanteil von 51 Prozent bei Bildsensoren macht den japanischen Konzern zu einem der wichtigsten Zulieferer vieler bekannter Smartphone-Hersteller. Aktuelle Entwicklungen in der Branche kann Sony deshalb recht genau einschätzen.

IDC: Smartphone-Absatz sinkt 2023 weiter

Die weltweiten Auslieferungen von Smartphones gingen derweil auch im ersten Quartal des laufenden Jahres zurück. Wie aus einer aktuellen Pressemeldung von IDC hervorgeht, beliefen sich die Rückgänge zum – ebenfalls schon schwachen – ersten Quartal 2022 auf 14,6 Prozent.

Dabei handelt es sich um das siebte Quartal mit Rückgängen in Folge. Nur noch rund 268 Millionen Geräte seien von Januar bis März weltweit verschickt worden.

„Obwohl wir optimistisch in Bezug auf eine Geschäftserholung bis Ende des Jahres sind, haben wir noch harte 3 bis 6 Monate vor uns. Jeder ist gespannt, wann genau sich das Blatt wenden wird und möchte der Erste sein, der auf der Welle der Erholung reitet. Aber es ist eine heikle Situation. Jeder, der zu früh einsteigt, wird in überschüssigen Lagerbeständen ertrinken. Jetzt ist es wichtiger denn je, den Markt genau zu beobachten. Vorbehaltlich unvorhergesehener Ereignisse erwartet IDC, dass der Markt im dritten Quartal in den positiven Bereich vordringen wird und bis zum Weihnachtsquartal ein gesundes zweistelliges Wachstum erzielt“, schreibt IDC-Analyst Nabila Popal.

Schwache Nachfrage nach Chips

Die schwache Nachfrage nach Speicherchips, ein Überangebot und Preisrückgänge haben beim Marktführer Samsung im ersten Quartal deutlich am Gewinn gezehrt. Der Überschuss brach im Jahresvergleich um 86 Prozent auf 1,57 Billionen Won (1,06 Milliarden Euro) ein, wie der Elektronikriese aus Südkorea, der auch bei Smartphones marktführend ist, am Donnerstag bei der Vorlage detaillierter Zahlen für das erste Quartal mitteilte.

Die Chipsparte wies demnach erstmals seit 14 Jahren wieder einen Verlust aus. Samsung erwartet, dass sich die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte langsam wieder erholt. Zwar sei auch die Nachfrage im Smartphone-Markt allgemein zurückgegangen. Das Geschäft mit Premium-Geräten sei jedoch gewachsen, hieß es.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

DWN
Finanzen
Finanzen Experten-Interview: Wein ist eine interessante alternative Investition – vor allem auf lange Sicht
18.07.2026

Wein kann als alternative Geldanlage interessant sein, besonders über längere Zeiträume. Entscheidend sind Herkunft, Lagerung,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
18.07.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...