Politik

Iran und Russland planen strategischen Eisenbahn-Korridor

Russland und der Iran treiben den Bau strategischer Alternativen für den internationalen Güterverkehr zwischen Süden und Norden voran.
17.05.2023 12:00
Aktualisiert: 17.05.2023 12:15
Lesezeit: 2 min
Iran und Russland planen strategischen Eisenbahn-Korridor
Russland und der Iran planen eine strategische Eisenbahnverbindung. (Foto: istockphoto.com/y-studio) Foto: y-studio

Der Iran und Russland haben einen Plan für ein gemeinsames Eisenbahnprojekt unterzeichnet, um einen Transportkorridor zwischen Arktischem Meer und dem Persischen Golf zu schaffen.

Die Strecke soll von der iranischen Hafenstadt Rascht am Kaspischen Meer zur Grenze an Aserbaidschan im Nordwesten führen, berichtete Irans staatliche Nachrichtenagentur IRNA am Mittwoch. Russlands Präsident Wladimir Putin und Irans Präsident Ebrahim Raisi verfolgten die Unterzeichnung per Videoschalte.

Mit der Trasse erschließt der Iran eine wichtige Eisenbahnroute Richtung Norden. Eine mögliche Route nach Russland führt durch Aserbaidschan, dessen Beziehungen mit dem Iran jüngst angespannt, mit Russland hingegen historisch bedingt positiv sind. Der Iran sprach von einer Strecke, die St. Petersburg mit dem Persischen Golf verbinde. Raisi bezeichnete den Plan als „wichtigen strategischen Schritt.“

Er hoffe nun auch auf einen baldigen Vertragsabschluss zwischen Moskau, Baku und Teheran über die Zusammenarbeit im Güterbahnverkehr entlang des Transportkorridors Nord - Süd, zitiert die Nachrichtenagentur dpa Putin. Nach russischer Einschätzung kostet die Strecke 1,6 Milliarden Euro. Russland sei bereit, 1,3 Milliarden Euro Kredit dafür zu geben.

Ein „sanktionssicherer“ Korridor

Hinter dem Wunsch, eine Eisenbahnverbindung zwischen Russland und dem Iran zu bauen, stehen geopolitische Überlegungen. Russland und dem Iran, die beide Ziel westlicher Sanktionen sind, geht es vor allem darum, ihren Handelsverkehr aus dem Zugriff der USA und der Europäischen Union zu lösen und diesen nicht mehr in Dollar abzuwickeln.

Eine Rolle dürften auch Überlegungen spielen, eine Alternative zum Bosporus für den internationalen Nord-Süd-Handel zu schaffen, der vom NATO-Staat Türkei kontrolliert wird.

Ein Eisenbahn-Korridor, welcher den Iran über Aserbaidschan oder andere Länder der Kaukasusregion mit Russland verbindet, würde in gewissem Umfang auch Passagen durch den von Ägypten kontrollierten Suez-Kanal überflüssig machen.

Möglich ist allerdings, dass die zwischen Aserbaidschan und dem Iran herrschenden Spannungen ein Risiko für die Zuverlässigkeit eines solchen Vorhabens darstellen.

„Kaspischer Korridor“ in Planung

Neben der Eisenbahnverbindung ist zudem ein Transportkorridor über das Kaspische Meer geplant. Den Planungen zufolge sollen auf dieser Route Waren per Schiff das Wolgadelta in Russland verlassen und über das Kaspische Meer in den nördlichen Iran gelangen.

Von dort aus sehen Planungen einen Weitertransport auf der Schiene nach Süden vor, wo die Waren von iranischen Häfen am Persischen Golf aus nach Übersee verschifft werden können.

Obwohl im Juni vergangenen Jahres erstmals Waren auf diesem Seeweg verschifft wurden, ist die Eisenbahnverbindung an die Südküste des Landes aber noch nicht in großem Umfang einsatzfähig. Der „Kaspische Korridor“ würde es Russland und Iran erlauben, ohne jegliche Einflussnahme anderer Staaten Handel zu treiben.

Der Iran und Russland hatten ihre Zusammenarbeit zuletzt auf wirtschaftlichem und militärischem Gebiet ausgebaut. Die Islamische Republik unterstützt Moskau westlichen Erkenntnissen zufolge auch mit Drohnen im Krieg gegen die Ukraine. Teheran bestreitet dies. Auch im Energie- und Finanzsektor hatten beide Länder ihre Kooperation in den vergangenen Jahren deutlich vertieft.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt – BSW als Zünglein an der Waage?
23.09.2026

Die Atmosphäre sei gut, die Gespräche konstruktiv: In Sachsen-Anhalt tasten sich AfD und BSW langsam heran. Ein Patt im Landtag könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Henkel-Aktie unbeeindruckt: Grünes Licht für Stahl Parent-Übernahme
23.09.2026

Der Konsumgüterkonzern Henkel darf den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Parent für 2,1 Milliarden Euro übernehmen....

DWN
Politik
Politik Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen
23.09.2026

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern: Die an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
23.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie vor der Patentklippe: 112 Milliarden Euro stehen auf dem Spiel
23.09.2026

Ozempic und Wegovy haben Novo Nordisk mehr als 112 Milliarden Euro Umsatz beschert und den Pharmakonzern in die Weltspitze katapultiert....

DWN
Finanzen
Finanzen Wächst der Stromverbrauch auch, wenn der KI-Wahn stoppt? Zwei interessante Energie-Aktien
23.09.2026

Der KI-Boom gilt als großer Treiber des Stromverbrauchs. Doch auch Industrie, E-Autos, Wärmepumpen und Klimaanlagen erhöhen den Bedarf....

DWN
Politik
Politik Wird die Straße von Hormus in zwei Jahren zu einer wertlosen Wasserfläche?
23.09.2026

US-Finanzminister Scott Bessent behauptet, dass die Straße von Hormus durch den Bau neuer Ölpipelines ihre strategische Bedeutung...

DWN
Politik
Politik Russland-Sanktionen: EU hebt Sanktionen gegen russische Milliardäre auf
23.09.2026

Sie sorgten für viel Zoff unter den EU-Ländern, doch nach langem Ringen steht fest: Zwei milliardenschwere russische Oligarchen sind...